Volle Lager und miese Kaufstimmung

Hersteller leiden unter schwacher PC-Nachfrage

12. Januar 2023, 13:38 Uhr | Michaela Wurm
volle Lager
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Nach den Boomjahren 2020 und 2021 ist die Nachfrage nach PCs im vergangenen Jahr in den Keller gerauscht. Die Lager sind voll und die Kauflaune am Boden. Die Analysten machen wenig Hoffnung auf schnelle Besserung.

Nach zwei wachsstumsstarken Jahren sind die weltweiten PC-Verkäufe im vergangenen Jahr massiv eingebrochen. Vor allem das Jahresendquartal verlief für die Anbieter enttäuschend. Die von den Marktbeobachtern ermittelten Verkaufszahlen, egal ob Canalys, IDC oder Gartner, zeigen durch die Bank deutlich zweistellige Rückgänge.

Die Analysten von Gartner beziffern die weltweiten PC-Auslieferungen im vierten Quartal 2022 auf insgesamt 65,3 Millionen Einheiten. Dies entspreche einem Rückgang von 28,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und sei der größte Quartalsrückgang seit Beginn der Beobachtung des PC-Marktes durch Gartner Mitte der 1990er Jahre.

Im Gesamtjahr 2022 erreichten die PC-Lieferungen laut Gartner 286,2 Millionen Einheiten und damit 16,2 Prozent weniger als im allerdings sehr starken Vorjahr 2021.

„Die Erwartung einer globalen Rezession, die gestiegene Inflation und höhere Zinsen haben die PC-Nachfrage stark beeinflusst“, erklärt Mikako Kitagawa, Director Analyst bei Gartner. „Viele Verbraucher besitzen relativ neue PCs, die während der Pandemie gekauft wurden. Dazu kommt noch eine mangelnde Erschwinglichkeit, welche jegliche Kaufmotivation verdrängt. Dadurch fiel die Nachfrage bei Verbrauchern für PCs auf den niedrigsten Stand seit Jahren.“  

Auch der Markt für Unternehmens-PCs werde von der nachlassenden Konjunktur beeinflusst, so Kitagawa. „Die PC-Nachfrage der Unternehmen begann im dritten Quartal 2022 zu sinken. Nun hat sich der Markt von einer Schwäche zu einer Verschlechterung entwickelt. Unternehmenskunden verlängern ihre PC-Lebenszyklen und verschieben ihre Käufe, was bedeutet, dass der Geschäftsmarkt wahrscheinlich nicht vor 2024 wieder wachsen wird."

Gleichzeitig haben sich laut Kitagawa in der ersten Jahreshälfte 2022 höhere PC-Lagerbestände aufgebaut, die zu einem Flaschenhals für den PC-Markt geworden seien. Das geringe PC-Angebot, das durch die hohe Nachfrage und die Unterbrechung der Lieferkette bis 2021 verursacht wurde, habe sich schnell in ein Überangebot verwandelte, als die Nachfrage schnell und deutlich zurückging (ICT CHANNEL berichtete).

Kitagawa weit aber auch darauf hin, dass die historischen Rückgänge auch in Zusammenhang mit den 2020 und 2021 enorm gesteigenen PC-Verkaufzshalen gesehen werdne müssten: „Die gesamten PC-Lieferungen im Jahr 2022 liegen nahezu auf Vor-Corona-Niveau, wobei die Lieferungen 2019 deutlich unter 300 Millionen Stück lagen", so der Analyst. „Die PC-Branche hat in den letzten 11 Jahren ein sehr ungewöhnliches Auf und Ab erlebt. Nach der außergewöhnlichen Wachstumsperiode zwischen 2020 und 2021 aufgrund der Pandemie hat der Markt eindeutig einen Abwärtstkurs eingeschlagen, der bis Anfang 2024 anhalten wird."


  1. Hersteller leiden unter schwacher PC-Nachfrage
  2. Historischer Rückgang in der EMEA-Region
  3. Diese Hersteller trifft es am stärksten

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