Grüner Kurseinbruch

Krypto-Crash spart über 150.000 Tonnen CO2 pro Tag

6. Juli 2022, 11:17 Uhr | Lars Bube | Kommentar(e)
Grafikkarten im Mining-Rig
© Виталий Сова - AdobeStock

Für Umwelt und Klima ist der drastische Kurseinbruch bei Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum ein klarer Gewinn. Am Ende des Jahres könnte dadurch mehr CO2 eingespart werden, wie durch die gesamte weltweite Tesla-Flotte.

Der Druck auf den Krypto-Markt wird immer größer. Nach dem chinesischen Mining-Verbot und Regulierungsplänen in zahlreichen anderen Regionen wie der EU verstärken jetzt auch noch die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine den Absturz von Bitcoin, Ethereum und Co. Die für das Schürfen notwendige Energie verteuert sich rasant und mit den Zinssteigerungen im Zuge der Inflation verschieben immer mehr Investoren ihr Kapital in andere Anlageformen. War der Bitcoin im vergangenen Herbst noch knapp 60.000 US-Dollar wert, ist es jetzt nur noch weniger als ein Drittel. Nicht nur für die Investoren sind die Folgen gravierend, auch für die Miner lohnt sich das Geschäft angesichts des horrenden Stromverbrauchs oft nicht mehr. Einige von ihnen geben auf und verkaufen nun massenweise ihre gebrauchten Grafikkarten. Das freut immerhin die Gamer. Zwar sollten sie lieber die Finger von den zumeist verschlissenen Mining-Karten lassen, dafür jedoch lösen sich dadurch die Verknappungen bei der Neuware zunehmend auf und die Preise sinken erstmals seit zwei Jahren auf ein verträgliches Niveau.

Den größten Vorteil hat der Krypto-Crash jedoch für Umwelt und Klima. Durch die deutlich verringerten Mining-Aktivitäten sinkt auch der Energieverbrauch drastisch. Immerhin hatte alleine das Bitcoin-Netzwerk im vergangenen Jahr nach Schätzung von Experten mehr als 200 Terawattstunden Energie geschluckt, nochmals rund halb so viel kamen für Ethereum dazu, das durch die NFTs einen großen Aufschwung erlebt hatte. Laut der Plattform Digiconomist, die sich mit den unbeabsichtigten Folgen der Digitalisierung auseinandersetzt, ist der Energieverbrauch beider Kryptowährungen in den letzten Wochen jeweils um mehr als ein Drittel gesunken. Im Vergleich zum Rekord-Hoch im letzten Herbst sollen dadurch täglich 150.000 Tonnen CO2 eingespart werden. „Die Gesamtreduktion der letzten Wochen entspricht bereits einem Viertel der jährlichen CO2-Reduktion durch Tesla-Fahrzeuge“, so die Organisation in einem Tweet. Dieser Vergleich verdeutlicht nicht nur, wie gravierend der aktuelle Kurssturz ist, sondern auch, wie massiv die Auswirkungen der digitalen Coins auf das globale Ökosystem inzwischen sind.

Insofern dürfte es zumindest die Umwelt- und Klimaschützer auch freuen, dass mittlerweile viele Experten davon ausgehen, dass es lange dauern wird, bis sich die Krypto-Kurse wieder in alte Höhen aufschwingen – falls das überhaupt passiert. Bleiben sie hingegen weiterhin derartig stark unter Druck, könnten angesichts der steigenden Energiekosten bald die nächsten professionellen Schürfer zur Aufgabe gezwungen werden.


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