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Manager des »Cyberbunkers« sagt aus

26. Oktober 2020, 18:59 Uhr   |  dpa | Kommentar(e)

Manager des »Cyberbunkers« sagt aus
© Thomas Frey/dpa

heinland-Pfalz, Traben-Trarbach: Polizisten sichern das Gelände eines ehemaligen Bundeswehr-Bunkers. Dort wurde ein Rechenzentrum für illegale Geschäfte im Darknet ausgehoben

Im »Cyberbunker«-Prozess hat heute der Niederländer ausgesagt, der als Manager der Serverfarm in einem ehemaligen Bundeswehr-Bunker gilt. Er beschrieb die Anlage als ein Mini-Silicon-Valley.

In einem der bundesweit größten Cybercrime-Prozesse hat ein Angeklagter die Begeisterung bei seinen ersten Besuchen eines unterirdischen Rechenzentrums an der Mosel geschildert: »Es schien mir fast so, als würde hier ein Mini-Silicon-Valley entstehen.« Das sagte der 50-jährige Niederländer am Montag vor dem Landgericht Trier. Die Anklage bezeichnet ihn als eine »Art Manager« in dem alten Bunker an der Mosel, in dem über Hunderte Server kriminelle Geschäfte von Kunden im Darknet gelaufen sein sollen. Der Angeklagte habe die Arbeit in dem »Cyberbunker« verteilt.

Der 50-jährige Marketingexperte sagte am dritten Verhandlungstag, er sei in den Niederlanden über Bekannte in einem Coffeeshop und ein gemeinsames Projekt zur Erzeugung der digitalen Währung Bitcoin in Kontakt mit dem ehemaligen Bundeswehr-Bunker bei Traben-Trarbach gekommen. Nach mehreren Besuchen 2014 habe er beschlossen, dort zu arbeiten.

Von illegalen Aktivitäten sprach der Angeklagte nicht, sondern von einem fünfstöckigen beeindruckenden Rechenzentrum mit Servern für Internetseiten, also einem Ort, »wo die Websites wohnen«. Den angeklagten Chef, den die Anklage als »Rädelsführer« einstuft, bezeichnete der 50-Jährige als exzentrisches IT-Genie und hart arbeitenden Geschäftsmann, in dem er »deutlich keinen Kriminellen« gesehen habe.

Die Staatsanwaltschaft wirft den insgesamt acht Angeklagten Beihilfe zu rund 250.000 Straftaten vor, darunter millionenschwere Drogendeals, Datenhehlerei, Computerangriffe, Falschgeldgeschäfte und Mordaufträge. Hunderte Polizisten hatten den »Cyberbunker« vor gut einem Jahr ausgehoben.

Angeklagt sind in Trier vier Niederländer, drei Deutsche und ein Bulgare. Sie sollen die illegalen Webseiten gehostet und so Beihilfe zu den von ihren Kunden begangenen Straftaten geleistet haben. Laut der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz ist es ein einmaliger Prozess, begonnen vor einer Woche und terminiert bis Ende 2021. Erstmals in Deutschland stehen mutmaßliche Betreiber krimineller Plattformen im Darknet vor Gericht.

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