ATX 3.0 und PCIe 5.0

Mehr Saft für Grafikkarten

1. April 2022, 12:15 Uhr | Lars Bube | Kommentar(e)
Gigabyte UD1000GM PG5 mit 12VHPWR
© Gigabyte

Um künftigen Grafikkarten ausreichend Leistung bereitstellen zu können, schraubt Intel mit den neuen ATX-3.0-Spezifikationen die maximale Leistung auf 600 Watt hoch. Dazu passend gibt es neue Netzteile mit 12VHPWR-Stecker mit 12+4 Polen.

Die kommende Grafikkarten-Generationen von Nvidia und AMD werfen ihre Schatten bereits voraus. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die neuen GPUs fast die doppelte Gaming-Performance bieten sollen. Dieser Zuwachs wird den Vorabberichten zufolge allerdings weniger durch verbesserte Effizienz erreicht, als vielmehr durch einen vergrößerten Leistungsdurchsatz. Dementsprechend deutlich soll der Stromverbrauch der Geforce RTX 4000-er- und Radeon RX 7000 steigen, in Leaks ist von 500 Watt und noch mehr die Rede. Eine indirekte Bestätigung für diesen enormen Leistungshunger liefert jetzt Intel. Der Chiphersteller hat neue Spezifikationen für ATX 3.0 veröffentlicht, mit denen Grafikkarten vom Netzteil künftig direkt mit bis zu 600 Watt versorgt werden können – doppelt so viel wie der aktuelle ATX-2.4-Standard bei der Nutzung von zwei 8-Pol-Steckern mit jeweils 150 Watt offiziell erlaubt. Hinzu kommt dann jeweils noch die über den PCIe-Port verfügbare Leistung von 75 Watt, sodass mit ATX 3.0 Grafikkarten mit einer Gesamt-TGP von bis zu 675 Watt abgedeckt sind.

Um diese Leistung überhaupt vom Netzteil an die Grafikkarten bringen zu können, wird damit einhergehend auch gleich ein dazu passender Steckertyp eingeführt. Diese neuen „12VHPWR“-Anschlüsse, die im vergangenen Jahr bereits in den Spezifikationen zu PCI Express 5.0 sowie bei Nvidia aufgetaucht waren, haben 12+4 Pole, statt der bisher maximal 8. Damit werden auch all jene schon heute verfügbaren Grafik-Lösungen, die sich mit Kombinationen aus drei 8-poligen PEG-Steckern über den geltenden Standard hinweggemogelt haben, wieder eingefangen. Darüber hinaus liefert der neue Anschluss nicht nur mehr Leistung über einen einzigen Kabelstrang, sondern beinhaltet auch einen smarten Kommunikationskanal zur Aushandlung der benötigten Ressourcen zwischen Grafikkarte und Netzteil. Darüber wird auch eine neu eingeführte Beschränkung der Leistungsaufnahme beim Booten auf 375 Watt realisiert, um eine Überlastung des Netzteils zu vermeiden. Erst wenn die Grafiktreiber aktiviert sind und das Power-Management ausbalancieren können, darf die volle Leistung abgerufen werden. Gleichzeitig gibt es auch in die andere Richtung eine interessante Ausnahme. Indem Intel die maximale Leistung als Durchschnittswert pro Sekunde definiert, werden kurzfristig deutlich höhere Leistungsspitzen möglich. Konkret erlaubt ATX 3.0 hier sogar Spitzen von bis zu 1.800 Watt für Zeiträume unterhalb von 100 Millisekunden.

Als erste Grafikkarte nutzt den neuen Anschluss Nvidias in diesen Tagen erscheinende Geforce RTX 3090 Ti, der ein Adapterkabel auf drei 8-polige Stecker beiliegt. Aber auch erste Netzteile, welche die Spezifikationen schon über den PCIe-5-Umweg erfüllen und bereits die entsprechenden 12VHPWR-Anschlüsse und -Kabel mitbringen, sind bereits auf dem Markt. Entsprechend den Empfehlungen von Intel liefern die Kraftwerke von Herstellern wie Asus, CoolerMaster, Gigabyte und MSI ab 1.000 Watt aufwärts. Spannend dürfte allerdings werden, wie lange ATX 3.0 überhaupt reicht, immerhin könnten laut einigen der Vorab-Berichte schon im Herbst die ersten Grafikkarten kommen, die das Limit dann schon wieder sprengen und einen zusätzlichen Anschluss benötigen.


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