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Containerschiff blockiert Suezkanal

Nächster Rückschlag in der Chip-Krise

26. März 2021, 13:51 Uhr   |  Lars Bube | Kommentar(e)

Nächster Rückschlag in der Chip-Krise
© Suez Canal Authority

Der durch ein havariertes Containerschiff verursachte Stau am Suezkanal sorgt für weitere Lieferverzögerungen bei Halbleitern, Geräten und Komponenten und verschärft damit die sowieso schon äußerst angespannte Lage noch weiter.

Seit Mitte der Woche steckt das Containerschiff »MV Ever Given«, eines der größten der Welt, im Suezkanal fest und blockiert damit die wichtigste Schiffsverbindung zwischen Asien und Europa. Derzeit ist noch nicht abzusehen, wie lange es dauern wird, den in der Seitenwand der Wasserstraße festgefahrenen Bug auszugraben und den 400 Meter langen und 59 Meter breiten Giganten wieder auf Kurs zu bringen. Bergungsexperten und die ägyptische Verwaltungsgesellschaft des Suezkanals SCA hoffen zwar, dass dies noch am Wochenende gelingen könnte, schränken jedoch gleichzeitig ein, dass das Unterfangen im ungünstigsten Fall auch noch mehrere Wochen dauern wird. Doch schon jetzt sind die Auswirkungen der Havarie auf den Welthandel enorm. Weil die Durchfahrt auch für andere Schiffe nicht mehr möglich ist, stauen sich bereits knapp 200 weitere Frachtschiffe auf beiden Seiten des Kanals, einige aus Südostasien kommende Kapitäne haben bereits Kurs auf die deutlich längere Umfahrung am Kap der Guten Hoffnung vorbei genommen, mit der sich die Fahrtzeit um knapp zwei Wochen verlängert.

Die taiwanische Rederei Evergreen Marine, eine Tochter der Hamburger Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM), macht zwar keine Angaben darüber, was das von China nach Rotterdam fahrende Schiff in den rund 20.000 Containern geladen hat, es gilt aufgrund der Route und früherer Fahrten jedoch als wahrscheinlich, dass darunter auch einige technologische Güter und Produkte sind. Gleiches gilt für weitere dadurch aufgehaltene Containerschiffe, einige davon ebenfalls aus der 20.000-TEU-Klasse. Die BBC berichtet, dass sich der Wert der dadurch verzögerten Lieferungen auf fast 10 Milliarden US-Dollar pro Tag summiert. Gegenüber der Tagesschau erklärte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Holger Lösch, dass die Folgen auch in Deutschland deutlich spürbar sein werden: »Zentrale Lieferketten geraten aufgrund mangelnder Container, unpünktlicher Schiffe und fehlender Transportkapazität ins Stocken, während die Kosten steigen«. Das wirke sich schon jetzt negativ auf die Produktionsabläufe aus, so Lösch weiter.

Damit werden die Autoindustrie und ihre Zulieferer noch länger auf Chip-Lieferungen warten müssen und sich Händler und Kunden noch weiter gedulden, bis die nächsten Ladungen mit CPUs, GPUs, Grafikkarten und Spielkonsolen eintreffen. Die schon vorher verschwindend geringe Hoffnung auf ein Ende der Chip-Krise noch in diesem Jahr dürfte damit endgültig ausgelöscht sein.

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