PC-Markt im Sinkflug

Schwache PC-Nachfrage kommt im Channel an

20. Oktober 2022, 8:14 Uhr | Michaela Wurm
Handel und Distribution müssen hohe Bestände an Altgeräten abverkaufen
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Nach zwei Boomjahren ist die Nachfrage nach PCs seit Jahresbeginn 2022 immer stärker eingebrochen. Im Channel türmen sich vor allem bei Consumer-Notebooks und Einsteiger-Geräten hohe Lagerbestände auf.

In den vergangenen zwei Jahren konnten PC-Hersteller gar nicht so viele Geräte heranschaffen, wie nachgefragt wurden. Die Nachfrage nach Rechnern für Homeoffice und Homeschooling, Entertainment und Gaming ging durch die Decke. Dazu kam eine massive Verknappung der Ware durch fehlende Komponenten, gestörte Lieferketten und Logistikprobleme.

2022 wollten viele Hersteller, nachdem sie ihre Rückstände abgearbeitet hatten, endlich wieder richtig durchstarten. Und dann kam gleich die nächste Krise. Steigende Inflation, knappe Energie und der Krieg in der Ukraine dämpfen jetzt das Konsumklima. Consumer wie gewerbliche Kunden, die sich in den letzten Jahren mit neuen Geräten eingedeckt haben, knausern jetzt bei der Anschaffung neuer Rechner.

Das spiegeln auch die Verkaufszahlen. Bereits im 1. und 2. Quartal 2022 wurden laut Gartner und IDC weltweit deutlich weniger Computer ausgeliefert als in den vergleichbaren Vorjahresquartalen. Im 3. Quartal 2022 wurde aktuell ein neuer Tiefstand erreicht. Gartner beziffert die weltweiten PC-Lieferungen mit insgesamt 68 Millionen Einheiten – ein Rückgang von 19,5 Prozent gegenüber dem 3. Quartal 2021. Dies ist der stärkste Markteinbruch seit Beginn der Beobachtung des PC-Marktes durch Gartner Mitte der 1990er.

„Die Ergebnisse dieses Quartals könnten eine historische Talfahrt des PC-Marktes markieren“, so Mikako Kitagawa, Director Analyst bei Gartner. „Während die Lieferkettenstörungen endlich nachgelassen haben, sind die hohen Lagerbestände angesichts der schwachen PC-Nachfrage sowohl auf dem Privat- als auch auf dem Geschäftskundenmarkt zu einem großen Problem geworden. Die Verkaufszahlen zum Schulanfang endeten trotz massiver Werbeaktionen und Preissenkungen mit enttäuschenden Ergebnissen, da viele Verbraucher in den letzten zwei Jahren neue PCs gekauft hatten und somit kein Bedarf bestand. Auf der Unternehmensseite führten geopolitische und wirtschaftliche Unsicherheiten zu selektiveren IT-Ausgaben, und PCs standen nicht ganz oben auf der Prioritätenliste.“

In der EMEA-Region bracht die PC-Nachfrage noch einmal stärker ein als im weltweiten Vergleich. Gartner errechnet hier 17 Millionen verkaufte Einheiten und damit 26,4 Prozent weniger Auslieferungen an den Channel als im – allerdings sehr starken –Vorjahresquartal. Das ist der stärkste Rückgang unter allen Regionen in diesem Quartal und das dritte negative Quartal für den EMEA-PC-Markt nach dem Pandemie-bedingten Boom. 

 

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