Einkauf und Vertrieb im Blindflug

So schwer belastet der Chip-Mangel den Channel

Das Bisschen Arbeit macht sich von allein
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Die Chipkrise bereitet dem Channel immer mehr Probleme, aktuell klagen 99 Prozent über Lieferschwierigkeiten. Dadurch gehen wertvolle Aufträge verloren, Projekte verzögern sich und Privat- wie Business-Kunden werden vergrault.

Mit den weltweiten Verwerfungen durch die Pandemie kam im vergangenen Jahr auch die Halbleiterproduktion ins Schlingern. Rohstoffe und Vorprodukte wurden plötzlich knapp, Bestellungen wurden erst storniert und später vergrößert wieder platziert und Produktions- sowie Frachtkapazitäten fielen aus. Anders als Anfangs erwartet, brach die Nachfrage durch die Einschränkungen des öffentlichen Lebens und Teilen der Wirtschaft in den meisten Bereichen nicht ein, sondern explodierte teils förmlich. Bis heute ist keine wesentliche Entspannung zu verzeichnen, der Begriff der Chipkrise hat sich im Alltagsvokabular etabliert. In der öffentlichen Wahrnehmung, insbesondere in Deutschland, stehen symbolisch dafür die trotz enormer Nachfrage lahmgelegten Bänder in der Automobilindustrie. Tatsächlich sind die Fahrzeughersteller besonders stark von der Krise betroffen, aber auch überfordert. Verkrustete Strukturen, veraltete Technologien, verschleppte Innovationen und das Verkennen der digitalen Machtverhältnisse tragen einen Wesentlichen Teil zur misslichen Situation der deutschen Automobilbranche bei.

Im ITK-Sektor spielen solche Probleme indes kaum eine Rolle. Zudem hat er aufgrund seiner Größe und engen Beziehungen eine deutlich bessere Verhandlungsbasis bei den Chipherstellern. Doch wer glaubt, damit seit er weitgehend aus dem Schneider, täuscht sich gewaltig. Denn nicht nur bei den allseits bekannten Beispielen Grafikkarten und Spielkonsolen fehlen auch hier an allen Ecken und Enden Bauteile für gefragte Produkte, die noch unmittelbarer von den Chips abhängig sind als Autos. Gleichzeitig stocken nach wie vor die Lieferwege, wodurch sichere Nachschubplanungen kaum mehr möglich sind. Wie schwer diese problematische Konstellation auch den Vertriebskanal belastet, macht jetzt eine aktuelle Umfrage von ITscope unter 70 Systemhäusern, Resellern, Distributoren, Herstellern und Managed Service Providern deutlich.

Darin geben 86 Prozent der Befragten an, dass sie den gesamten Channel durch den Chipmangel „sehr stark beeinträchtigt“ sehen. Weitere 14 Prozent halten ihn zumindest für „leicht beeinträchtigt“. Fast zwei Drittel der Unternehmen im ICT-Channel berichten von starken Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Damit ist klar, dass das Business derzeit fast nirgends so läuft, wie es eigentlich könnte. „Für viele Systemhäuser, VARs und Distributoren sind Hardware-Projekte ein wichtiges Standbein. Den fehlenden oder verzögerten Umsatz beziehungsweise Gewinn zu kompensieren wird nicht leicht”, konstatiert ein Umfrage-Teilnehmer. Immerhin aber handelt es sich dabei um ein geteiltes Leid, wie ein anderer Reseller anmerkt: „Alle haben mit den gleichen Problemen zu kämpfen, wir sehen positiv in die Zukunft!”

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  2. Auswege dringend gesucht

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