Indirekte Unterstützung für Apple

USB-Allianz kritisiert EU-Pläne für einheitliche Ladekabel

USB Typ-C
© Gorodenkoff - AdobeStock

Nach der Ankündigung der EU, künftig alle Smartphone-Hersteller zu einheitlichen USB-C-Ladebuchsen zwingen zu wollen, bekommt Apple jetzt überraschende Schützenhilfe gegen die drohende Anpassung. Ausgerechnet das USB Implementers Forum kritisiert die Pläne scharf.

Nach rund zehn Jahren Diskussion und mehreren halbgaren Zwischenlösungen will die EU-Kommission jetzt endlich Ernst machen und einen einheitlichen Standard für Ladegeräte durchsetzen. Mit einer neuen Direktive sollen die Hersteller zahlreicher elektronischer Kleingeräte wie Smartphones, Tablets und drahtloser Kopfhörer dazu gezwungen werden, spätestens ab 2024 nur noch USB-C-Ladebuchsen einzusetzen. Das soll einerseits dem Kabelsalat mit verschiedenen, teils proprietären Buchsen, ein Ende bereiten und es andererseits ermöglichen, dass neuen Geräten keine Stecker und Kabel mehr beigelegt werden müssen. Besonders hart treffen würde das Apple. Denn während gerade im Smartphone- und Tablet-Bereich die große Mehrheit der Hersteller sowieso schon von Micro-USB auf USB-C umgeschwenkt ist, geht Apple weiterhin eisern seinen eigenen Weg mit dem Lightning-Anschluss und verdient blendend an den eigenen Steckern, Kabeln und Adaptern. Im Ergebnis wären dafür die Verbraucher glücklicher und der Elektroschrott könnte deutlich reduziert werden, so der Plan der EU.

Daran gibt es jedoch erhebliche Zweifel. Einer der größten Kritiker neben Apple ist ausgerechnet das USB Implementers Forum (USB-IF), das sich als Hüter des Standards weit weniger über den Vorstoß aus Europa freut, als man vermuten möchte. In einem ausführlichen Feedback listet dessen Vorsitzender und COO Jeffrey L. Ravencraft gleich mehrere problematische Punkte auf, die seiner Organisation Sorgen bereiten. Dazu zählt etwa, dass sich die EU im Sinne der erhofften Übersichtlichkeit auf nur eine Version des Standards beschränkt. Das widerspreche jedoch völlig dem zentralen Grundgedanken der Auf- und Abwärtskompatibilität von USB, erklärt Ravencraft. Zudem führe diese Festschreibung konkreter Versionen in Form von ECNs (engineering change notices) dazu, dass die EU-Vorgaben schnell veralten. So sind darin aktuell etwa ECNs aus 2019 angegeben, denen aktuelle Weiterentwicklungen wie die Power-Delivery von bis zu 240 Watt fehlen. Entweder müssten also die Vorgaben ständig aktualisiert, oder aber auf Features verzichtet werden.

An anderer Stelle schießt die EU dafür über das Ziel hinaus. Beispielsweise will die Kommission auch alternative Ladeprotokolle zulassen und dabei „sicherstellen, dass jedes zusätzliche Ladeprotokoll die volle Funktionalität von USB Power Delivery ermöglicht“. Das ist jedoch ein Widerspruch in sich. Denn für nicht vom USB-IF zertifizierte Protokolle kann auch keine entsprechende Kompatibilität sichergestellt werden. All das nährt bei den USB-Wächtern einen schlimmen Verdacht: „Nach der Einschätzung des USB-IF versteht der aktuelle Gesetzesvorschlag nicht, wie die USB-Spezifikationen (und deren künftige Weiterentwicklung) funktionieren und wird daher zu Problemen mit der Interoperabilität und Funktionalität sowie zu Verwirrung und Streitigkeiten führen“, mahnt Ravencraft. Damit heble die EU nicht nur die eigenen Ziele hinsichtlich der Kompatibilität und Müllvermeidung direkt wieder aus, sondern gefährde möglicherweise auch den guten Ruf und das Vertrauen der Verbraucher in den USB-Standard. Letztlich könnte das Ergebnis also das genaue Gegenteil der gewünschten Vereinfachung sein.

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