175 Jahre Siemens

Vom Zeigertelegraf zum Digitalisierer

6. Oktober 2022, 8:32 Uhr | dpa | Kommentar(e)
© Siemens

Was mit einem verbesserten Zeigertelegrafen begann, digitalisiert heute die Industrie. Siemens hat sich seit seiner Gründung mehr als einmal gehäutet.

Eigentlich könnten am 1. Oktober vier deutsche Dax-Konzerne ihren 175. Geburtstag feiern. Denn dann jährt sich der Gesellschaftervertrag, mit dem Siemens seinen Anfang nahm. Was als Hinterhofwerkstatt für den Bau verbesserter Zeigertelegrafen begann, hilft heute weltweit Unternehmen bei der vierten industriellen Revolution, baut intelligente Infrastruktur und einen Marktplatz für digitale Dienstleistungen. Auf dem Weg dorthin hat sich der Konzern immer wieder gewandelt und dabei drei weiteren Dax-Konzernen auf die Welt geholfen.

Es ist schwierig geworden, Siemens anschaulich zu erklären, denn Digitalisierung und Software für Industrie und Infrastruktur spielen eine immer größere Rolle im Konzern. Und vieles, was man einst mit Siemens verband, wie Handys, Telefone, Kühlschränke oder Kraftwerksturbinen, produzieren die Münchner heute nicht mehr.

Noch am einfachsten ist es bei der kleinsten der drei Kernsparten, Mobility: Züge und Bahninfrastruktur. Sie sind vielleicht der prominenteste direkte Kontaktpunkt zum Otto Normalverbraucher - obwohl die Kunden hier Städte, Konzerne oder ganze Staaten sind. Und auch hier wird es immer digitaler, von vorausschauender Wartung dank Künstlicher Intelligenz (KI) bis zur Vernetzung von Zug-Bestandsmanagement, Reservierung und Fahrkartenverkauf.

Doch das meiste Geld verdiente Siemens zuletzt in seiner Sparte Digital Industries, weit weg vom Verbraucher. Hier geht es um Fabriken und Fertigungslinien und deren Simulation, ums Probleme aufspüren und sie zu beheben, bevor sie auftreten, um die kontinuierliche Überwachung und Optimierung der Produktion - auch in Bezug auf Ressourcenverbrauch und Energieaufwand. Künstliche Intelligenz, digitale Abbilder der Realität und Cloudlösungen sind hier die Werkzeuge. „Wir können die digitalen und realen Welten verbinden wie kein anderes Unternehmen“, betont Konzernchef Roland Busch. Beim schnellen Aufbau von Anlagen für Corona-Impfstoffe hat Siemens etwa mitgearbeitet und realisiert zusammen mit Daimler die Autofabrik der Zukunft.

Und die nächsten Ziele sind schon abgesteckt: Zusammen mit dem Grafikkartenhersteller und Spezialisten bei Chips für künstliche Intelligenz Nvidia will Siemens eine Art Industrie-Metaversum entwickeln und seine digitalen Modelle mit realistischerer Darstellung und Echtzeit-KI von Nvidia kombinieren. Damit werde man der Digitalisierung „buchstäblich eine weitere Dimension erschließen“, schwärmt Konzernchef Busch. „Experten aus der ganzen Welt können dort virtuell zusammenarbeiten als wären sie in einem Raum, und so wesentlich schneller mehr erreichen und das auch nachhaltiger.“

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