Markenfälschungen

Wachsender Internethandel beschäftigt Zoll

17. Dezember 2020, 7:15 Uhr | dpa | Kommentar(e)
Internethandel
© Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

»Hugo Boos« statt »Hugo Boss«: Manchmal fallen Markenfälschungen durch dreiste Fehler auf. Mit zunehmendem Internethandel muss der Zoll immer häufiger gefälschte Artikel beschlagnahmen. Die Behörde rät: Lieber vorher informieren, statt hinterher dem Geld nachlaufen.

Der wachsende Internethandel sorgt auch für mehr Arbeit beim Zoll in Mecklenburg-Vorpommern. »Ein Schwerpunkt ist inzwischen das Nachprüfen von Markenfälschungen, die in Paketen aus Nicht-EU-Ländern kommen und eingezogen werden«, sagte der Sprecher des Hauptzollamtes Stralsund Matthias Klotsch der Deutschen Presse-Agentur. Solche Fälschungen - meist aus Asien - beträfen oft Sportschuhe, Textilien, Kopfhörer und andere Elektronikbauteile sowie Spielzeug, Kosmetik, aber auch Bremsteile. »Es wird alles gefälscht, was gut geht«, sagte Klotsch. Insgesamt hätten die rund 900 Mitarbeiter der Zolldienststellen von Schwerin bis Stralsund 2020 trotz Corona-Einschränkungen viel zu tun gehabt.

Klotsch riet Verbrauchern, sich vor der Internetbestellung über bestimmte Merkmale zu informieren, die für Fälschungen sprechen. Dafür hätten Zoll und Post Hinweise ins Internet gestellt. So müsse man auch beim Jahreswechsel aufmerksam sein, wenn ein Preis besonders tief unter gängigen Markenpreisen liege. Inhaber von Markenrechten, wie Puma, Adidas, Apple oder einige Hersteller von Kosmetik und Autoteilen, können beim Zoll die Einziehung von Fälschungen beantragen. Werden diese an Frachtflughäfen oder in den Bundesländern in Paketen entdeckt, würden sie beschlagnahmt und vernichtet. «Einmal stand >Hugo Boos< statt >Boss< auf einem Parfüm«», erinnerte sich Klotsch.

Die Zollämter wenden sich dann an die enttäuschten Besteller. Diese müssten sich allein darum kümmern, ihr Geld zurück zu bekommen. 2020 hätten Beamte im Nordosten auch wieder mehrere Hunderttausend Schmuggelzigaretten und Betäubungsmittel in größeren Mengen beschlagnahmt - etwa so viele wie im Vorjahr, hieß es. Die genauen Zahlen lägen erst im Frühjahr 2021 vor. So wurden im Juni und September zwei Autofahrer auf der B104 bei Linchenshöh (Landkreis Vorpommern-Greifswald) ertappt, die jeweils 41.000 und 77.400 Zigaretten einschmuggeln wollten. 2019 hatten die Zöllner 684.000 Schmuggel-Glimmstängel im Nordosten sichergestellt, deren Wert auf rund 150.000 Euro geschätzt wurde.

Auffällig waren zwei Drogenfunde im Rostocker Seehafen: Im Juni wurden 85 Kilogramm Marihuana und im Oktober 15 Kilogramm Kokain beschlagnahmt. Das Marihuana wurde in Päckchen im Lkw gefunden. Das Kokain lag in der Reserveradmulde eines Autos, mit dem ein 33-Jähriger nach Schweden wollte. Er kam in Haft.

Zudem ist der Zoll im Nordosten zuständig für die Kontrolle illegaler Schwarzarbeit sowie den Einzug der Energiesteuer, die früher Mineralölsteuer hieß, der KfZ- und der Stromsteuer. Eine andere Aufgabe des Zolls fiel coronabedingt in diesem Jahr nahezu vollständig aus: Im Vorjahr wurden noch rund 900.000 Reisende von Kreuzfahrtschiffen kontrolliert, das entfiel 2020 fast völlig.

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