Halbleiter bleiben auch 2022 knapp

Wege aus der Chipkrise

13. Dezember 2021, 10:26 Uhr | dpa | Kommentar(e)

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Trotz Milliardeninvestitionen bleibt Geduld gefragt

Eine einfache Lösung ist nicht in Sicht, zumal es in verschiedenen betroffenen Branchen unterschiedliche Engpässe gibt. Der Automobilindustrie fehlen die Chips, weil die Herstellung der Halbleiter in den Fabs den Bedarf nicht decken kann und sich so als Nadelöhr erweist. Bei Spielekonsolen wie der Playstation 5 von Sony, die zum Weihnachtsgeschäft kaum zu haben war, wurde die Knappheit hingegen nicht durch Engpässe in den Fabs verursacht. Hier fehlte es vor allem an einer speziellen Isolierfolie, die für die Produktion von Trägerplatten für die bereits gefertigten Chips benötigt wird.

Für den Grundstoff der so genannten ABF-Folie gibt es aber weltweit nur einen Hersteller, den japanischen Konzern Ajinomoto, der einem breiteren Publikum eher als Produzent des Geschmacksverstärkers Glutamat bekannt ist. Ajinomoto hatte an ABF aber bislang kaum etwas verdient und deshalb wenig Interesse, diesen Bereich aufzustocken. „Für die Chiphersteller ist das sehr frustrierend. Der Silizium-Wafer ist belichtet und eigentlich fertig. Und dann fehlt es mit ABF an einem vergleichsweise billigen Material, um den letzten Produktionsschritt zu absolvieren“, sagt Jan-Peter Kleinhans, der zusammen mit Julia Hess für die Stiftung Neue Verantwortung eine Studie zu den Ursachen der Chipkrise veröffentlicht hat. „Dieses Problem wird auch nicht durch mehr Fabs gelöst.“

Auf Druck der Kunden baut Ajinomoto nun seine ABF-Produktion aus. Und auch die großen Chiphersteller wie Intel und Infineon schrauben ihre Fertigungskapazitäten in die Höhe, damit die Knappheit im nächsten Jahr gemildert und im Jahr 2023 komplett überwunden wird. Doch selbst mit Milliarden-Investitionen kann man nicht an der Uhr drehen. „Der Ausbau unserer bestehenden Fabs in Irland dauert zwischen 18 und 24 Monaten“, sagt die Deutschland-Chefin von Intel, Christin Eisenschmid. Beim Neubau einer Anlage müsse man sogar mit vier Jahren rechnen. „So eine Fabrik ist hochkomplex, erfordert ein gewaltiges Investitionsvolumen, damit die neuste Ausrüstung angeschafft werden kann.“

Aber nicht nur die Beteiligten an der Produktion der Halbleiter erledigen ihre Hausaufgaben, sondern auch die Abnehmer - beispielsweise in der Automobilindustrie: In dem europaweiten Partnernetzwerk Catena-X wollen beispielsweise die wichtigsten Player - von BMW und Bosch über Mercedes-Benz bis hin zu Volkswagen - ihre Lieferketten transparenter machen. Damit sollen auch die Chiphersteller besser kalkulieren können, ob nur kurzfristig ein Nachfrage-Strohfeuer lodert oder ob sich ein Ausbau in bestimmten Segmenten langfristig lohnt.

Bei der Bewältigung der Chipkrise rechnen alle Beteiligten aber auch damit, dass sich der Staat aktiv beteiligt. „Wir sind bereit, ein Investment in Höhe von mehreren Milliarden Euro zu tätigen“, sagt Intel-Managerin Eisenschmid. „Wir schaffen es aber nicht allein.“ In anderen Regionen der Welt werde die Chip-Herstellung massiv subventioniert. „Das ist auch der Grund, warum sich die die Fertigung von Europa nach Asien und verschoben hat.“ Aktuell stammten rund 9 Prozent der globalen Halbleiter-Fertigung aus Europa. „Das waren in den 90er Jahren noch 44 Prozent.“


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