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Telekom und SAP ziehen positive Bilanz

100 Tage Corona-Warn-App

23. September 2020, 10:58 Uhr   |  Christoph Dernbach, dpa | Kommentar(e)

100 Tage Corona-Warn-App
© SAP

100 Tage Corona-Warn-App: Was gut lief und was noch Verbesserungen bedarf.

Zum Start der Corona-Warn-App vor 100 Tagen hatte Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) die Latte sehr hoch gelegt. »Das ist nicht die erste Corona-App weltweit, die vorgestellt wird. Aber ich bin ziemlich überzeugt, es ist die Beste«, sagte der promovierte Mediziner damals. »Sie herunterzuladen und zu nutzen, das ist ein kleiner Schritt für jeden von uns, aber ein großer Schritt für die Pandemiebekämpfung.«

Inzwischen kann sich die Corona-Warn-App noch mit einem weiteren Superlativ schmücken: In keinem anderen westlichen Land wurde eine vergleichbare Anwendung so häufig heruntergeladen wie die Anwendung des Robert Koch-Instituts. Dennoch melden sich immer wieder Kritiker zu Wort, die die Wirksamkeit der App in Frage stellen. Diese Zweifel werden auch durch technische Unzulänglichkeiten genährt. Die Entwickler der Anwendung, SAP und Deutsche Telekom, ziehen jedenfalls eine positive Bilanz nach 100 Tagen.

»Die App funktioniert und wir arbeiten weiter an Verbesserungen«, sagte Peter Lorenz, Chefentwickler bei der Telekom-Tochter T-Systems. Das sei auch der Grund, warum sich inzwischen mehrere Länder an dem Open-Source-Code des deutschen Projektes bedienen würden. Die im internationalen Vergleich sehr hohen Download-Zahlen für die deutsche App wertete Lorenz als einen »Vertrauensbeweis der Bevölkerung«. Die Akzeptanz der App sage viel darüber aus, dass die Menschen in der Stimmung seien, solche Tools als einen Beitrag zur Pandemiebekämpfung zu nutzen.

Michael Schuster, »Co-Lead« des Projektes bei SAP, verwies auf eine sehr gute Zusammenarbeit mit den US-Technologiekonzernen Apple und Google, die die technisch notwendigen Schnittstellen bereitstellen. Schuster betonte, es wäre gut, wenn man noch mehr Menschen in Deutschland dazu motivieren könnten, sich die App herunterzuladen.

Manuel Höferlin (FDP), Vorsitzender des Digitalausschusses im Bundestag, sagte, die Corona-Warn-App sei »technisch sehr gut gemacht«. Er bemängelte aber, dass die App nach wie vor erst ab 17 Jahren heruntergeladen werden könne. Anke Domscheit-Berg, die Digitalexpertin der Linken-Fraktion im Bundestag, lobte »die Kombination aus transparenter Entwicklung und Datensparsamkeit«. Aus ihrer Sicht sollten aber mehr Menschen die App nutzen. Sie sieht die Bundesregierung und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in der Pflicht, besser über den Nutzen der App zu informieren.

Die App erfasst mit Hilfe von Bluetooth-Signalen, welche Smartphones einander nahe gekommen sind. Bluetooth wurde allerdings nie für diese Aufgabe entwickelt. Daher müssen die Macher der App mit Werten kalkulieren, die oft nicht genau sind.

Die Kontakt-Ermittlung via Bluetooth ist aber nicht die einzige Funktion der App. Die Anwendung berechnet auch das Risiko, das sich aus der Gesamtzeit aller Risikobegegnungen der vergangenen 14 Tage ergibt. Wenn die App in einem roten Feld ein »erhöhtes Risiko« anzeigt, erhalten die Betroffenen die Empfehlung, sich nach Hause zu begeben beziehungsweise zu Hause zu bleiben sowie mit ihrem Hausarzt, dem ärztlichen Bereitschaftsdienst oder dem Gesundheitsamt Kontakt aufzunehmen und dort das weitere Vorgehen abzustimmen.

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1. 100 Tage Corona-Warn-App
2. »Die App ist nicht am Ziel, sondern muss weiterentwickelt werden.«

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