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20 Jahre Wikipedia

12. Januar 2021, 08:29 Uhr   |  dpa | Kommentar(e)

20 Jahre Wikipedia
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Unter den 20 populärsten Websites der Welt ist Wikipedia die einzige ohne kommerzielle Absichten. 20 Jahre nach ihrer Gründung bezweifelt kaum jemand mehr ihren Nutzen. Das Jahrhundertprojekt muss sich aber verändern, um in der Zukunft so relevant wie jetzt zu bleiben.

Nachschlagewerke als dicke, in Leder gebundene Bücher sind nicht ausgestorben, auch 20 Jahre nach der Gründung der Online-Enzyklopädie Wikipedia nicht. Doch während die klassischen Lexika nur noch in wenigen Haushalten zu finden sind und dort oft genug in den Bücherregalen verstauben, begleitet die Wikipedia die Nutzer im Alltag. So schauen sich einer Studie zufolge zumindest Menschen in den reicheren Industriestaaten (OECD) im Durchschnitt neun Wikipedia-Artikel pro Monat an.

Der wichtigste nicht-kommerzielle Dienst der Internet-Geschichte begann am 15. Januar 2001 wie so viele Online-Projekte mit dem Gruß der Programmierer: «Hello World«. Wikipedia-Mitbegründer Jimmy Wales tippte die beiden Worte in eine neue Wiki-Software ein, die einen schnellen Aufbau eines Online-Lexikons ermöglichen sollte.

Der Mann aus den Südstaaten der USA hatte schon kurz nach dem Studium an den aufblühenden Finanzmärkten Geld genug gemacht, um ein sorgenfreies Leben führen zu können. Mit zwei Partnern gründete er 1996 die Firma Bomis, die ähnlich wie Yahoo einen Webkatalog pflegte. Zum Angebot von Bomis gehörte auch »The Babe Engine«, eine Suchmaschine für Bilder von spärlich bekleideten Frauen.

Wales verfolgte aber auch schon damals den Plan, ein Online-Nachschlagewerk aufzubauen. Der erste Ansatz für »Nupedia« war ganz klassisch. Mit Larry Sanger stellte Wales im Jahr 2000 einen Chefredakteur ein. Dieser sollte Beiträge bei Experten bestellen und für die Veröffentlichung sorgen. Doch der festgelegt siebenstufige Review-Prozess erwies sich als teuer und ineffizient. Es wurden viel zu wenige Artikel veröffentlicht, im ersten Jahr nur 21.

Das Experiment mit der Wiki-Software war eigentlich nur als ein Sammelbecken gedacht, wo die ersten Ideen für Online-Enzyklopädie im Internet zusammengetragen werden sollten, sagt der österreichische Wirtschaftswissenschaftler Leonhard Dobusch, der über die Wikipedia geforscht hat. »Aber sehr schnell zeigte sich dann, dass dieses Sammelbecken das eigentlich Spannende war. Denn während die eigentlich ursprünglich von Wales geplante Enzyklopädie sehr schnell scheiterte, entwickelte sich Wikipedia rasant, zog eine große Zahl von freiwilligen und ehrenamtlichen Mitarbeitenden an und hatte innerhalb von Wochen schon Tausende von Artikeln produziert.«

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