Tech Data-Nachfolge für Dressen

Barbara Koch steigt zur DACH-Chefin auf

14. Juli 2022, 13:16 Uhr | Martin Fryba | Kommentar(e)
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Die neue DACH-Chefin bei Tech Data, Barbara Koch, wählten ICT-CHANNEL-Leser 2018 zur Managerin des Jahres
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Vom Krisenfall zur Vorzeige-Region: Michael Dressen hat Tech Data hierzulande wieder auf Spur gebracht und hinterlässt seiner Nachfolgerin nun große Fußspuren. Würde Barbara Koch in diese treten, hätte sie schon den ersten Fehler gemacht.

Die Spatzen pfiffen es längst von den Münchner Dächern: Barbara Koch wird DACH-Chefin beim US-amerikanischen Broadliner Tech Data und rückt auch in das europäische Führungsteam. Beide Ämter hatte Michael Dressen inne, der am 27. Juli seinen letzten Arbeitstag hat und in den Ruhestand geht (ICT CHANNEL:  Manager und Mensch: Michael Dressen). Die Nachfolge war von langer Hand geplant, und es gibt wie immer bei solchen zu besetzenden Spitzenposten viele Vorschusslorbeeren. Führungskraft Koch weise eine lange Erfolgsgeschichte im Konzern auf, sie sei „eine hoch respektierte und anerkannte Persönlichkeit im IT-Channel“, lobt Europachef Patrick Zammit. Er spricht auch das „starke Fundament“ an, das Dressen gebaut hat und auf dem Koch nun aufbauen kann: „Unsere Geschäftsstrategie in der Region voranzutreiben“.

Dressen, 40 Jahre Branchenerfahrung, hat als Mentor schon vielen Führungskräften gezeigt, wie Distribution funktioniert. Andreas Ruhland erhielt von Dressen das Rüstzeug, das ihn später zum Geschäftsführer Deutschland bei Also machte. Seit 2014 hat auch Barbara Koch viel von ihrem Chef bei Tech Data gelernt. Dressen hatte 2012 eigentlich einen Krisenfall übernommen, Tech Data hierzulande wieder Stabilität gegeben, vor allem aber wieder profitabel gemacht.

Nun übernimmt die 55-Jährige ein bestens bestelltes Haus und fasst in zwei Sätzen zusammen, was ihr Vorgänger anders gemacht hat, als die vielen glücklose Tech Data-Manager vor Dressen Zeit bei Techn Data Deutschland. „Seine visionäre Sichtweise, seine konsequente Handlung, sein exzellenter Umgang mit Zahlen und Fakten aber auch seine offene und unprätentiöse Art haben ihn zu einem geschätzten Manager und Ansprechpartner gleichermaßen für Kunden, Hersteller und Mitarbeiter gemacht“. Nun könnte man meinen, Koch bräuchte gar nichts zu ändern, sondern nur verwalten, was sie geerbt hat.

Ein Blick auf Nachfolger, die ähnlich große Fußstapfen bei erfolgreichen Unternehmen vorgefunden haben, zeigt indes: Man kann zwei Fehler machen. Zum einen versuchen, in diese Fußstapfen zu treten. Oder zweitens: Vieles zu schnell und radikal ändern zu wollen. Veränderung nur um des eigenen Profils wegen, einen eigenen Weg beschreiten, der sich deutlich, wenn nicht gar radikal, vom Vorgänger unterscheidet.

Geist der Vorgänger weht und doch herrscht Anpassungsdruck
Nach den sehr großen Fußstapfen befragt, sagte einst Bechtle-Chef Thomas Olemotz im Interview mit ICT CHANNEL zum Amtsantritt: „Ich versuche erst gar nicht Bechtle so zu führen, wie das mein Vorgänger Ralf Klenk getan hat. Allerdings möchte ich das Unternehmen in seinem Sinne leiten“. Nicht kopieren also und doch den „Geist“ der Vorgänger bewahren, der noch Jahre nach dem Amtsantritt durch die Neckarsulmer Flure wehte und bis heute spürbar bleibt. Eine kluge Strategie, zumal Olemotz damals schon geahnt haben dürfte, dass die so dynamische IT-Branche und der Markt einen so enormen Anpassungsdruck erzeugen, dass man nur mit Fußstapfen von gestern nicht weit in die Zukunft kommt.

Barbara Koch, ähnlich wie Olemotz 2009, wird sich auf dem bisher Geschaffenen bei Tech Data in Deutschland, Österreich und der Schweiz ganz sicher nicht ausruhen können und wollen. Der Anpassungsdruck wird sie fordern und darauf wird sie mit bewährten, aber auch neuen Wegen reagieren müssen. Das muss man der Managerin nicht sagen. Sie war vor ihrem Wechsel 2014 zu Tech Data fast zehn Jahre für IBM tätig. Dort  erlebte sie hautnah, warum sich ein Traditionskonzern wie Big Blue nicht auf seiner Marktposition ausruhen wollte. Dass sich ein Erfolg bei einem strategischen Schwenk nicht gleich einstellt und überhaupt ungewiss ist, auch das weiß Koch nur zu gut.


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