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Software für autonomes Fahren

»Beim Fahren bleibt der Mensch in der Verantwortung«

26. August 2020, 11:25 Uhr   |  Roland Losch, dpa | Kommentar(e)

»Beim Fahren bleibt der Mensch in der Verantwortung«
© RioPatuca Images - Fotolia.com

Die deutschen Autobauer hinken US-Konzernen in Sachen autonomes Fahren hinterher. Das liegt aber auch an der Einstellung. Die gewünsche Qualität und Sicherheit kann die Software noch nicht bieten.

Das Auto fährt mit Tempo 130 über die Autobahn, während der Fahrer sich zurücklehnt und Zeitung liest: So hatte BMW sein Elektroauto iNext für das Jahr 2021 angekündigt. Jetzt geht es doch ein bisschen langsamer beim automatisierten Fahren - nicht nur bei den Münchnern. Denn es reicht nicht, wenn das Auto in 99 Prozent der Situationen selbstständig sicherer fährt als ein guter Autofahrer. Das letzte Prozent, »das ist ein Problem«, sagt Branchenexperte Stefan Bratzel.

»Zum Beispiel ein stehendes Auto in einer Autobahnkurve bei Nebel. Oder eine Waschmaschine auf der Straße«, erklärt BMW-Sprecher Bernhard Ederer: »Solche Grenzfälle sind eine Herausforderung. Auch da muss es absolut sicher sein. Aber das ist ein dickes Brett.« Auf einem Campus bei München arbeiten 1.300 Experten von BMW, Intel, FiatChrysler und Mobileye am neuen Technik-Baukasten für den iNext, mit Radar, Lasersensorik, besseren Kameras und stärkeren Rechnern. Aber beim Fahren »bleibt der Mensch in der Verantwortung«, sagt Ederer.

Beim autonomen Fahren sieht Professor Bratzel die Google-Schwester Waymo weit vorn, die Roboter-Taxis in Phoenix in Arizona fahren lässt. Bei Serienautos sieht Audi-Chef Markus Duesmann ein anderes US-Unternehmen an der Spitze: »Beim Thema Rechner und Software-Architektur hat Tesla sicher zwei Jahre Vorsprung, beim automatisierten Fahren auch«, sagte Duesmann dem »Handelsblatt».

Tesla habe eine Software entwickelt und anschließend ein Auto drumherum gebaut, erklärt Bratzel. Nun kann es automatisch die Spur wechseln, von der Autobahn abfahren und Stoppschilder erkennen. Nachbesserungen, Updates, neue Funktionen spielt Tesla per Funk auf. Außerdem »trauen sie sich ein bisschen mehr«, sagt Bratzel. Mitunter auch zu viel. Das wurde zum Beispiel bei einem Unfall deutlich, als ein Tesla vom »Autopiloten« ungebremst in einen Lastwagen gesteuert wurde.

Hier sieht Professor Mario Trapp, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Kognitive Systeme (IKS), einen großen Unterschied zwischen den deutschen Autobauern und den High-Tech-Konzernen in Kalifornien. Die IT-Welt und ihre Nutzer seien weniger Qualität gewohnt. »Dass Apps abstürzen und Webdienste nicht immer reibungslos funktionieren, ist quasi selbstverständlich. Mit der Übernahme der Technologie hat letztlich auch deren Qualitätsmaßstab Einzug gehalten.« Für die traditionellen Autobauer seien aber Qualität und Sicherheit wichtiger als die fortschrittlichen Features. Für sie sei entscheidend, »tödliche Unfälle durch Softwarefehler auszuschließen«.

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2. »Großer Nachholbedarf für klassische Automobilbauer«

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