300 Systemhaus-Gäste in Kassel

Die fünf wichtigsten Takeaways von der Synaxon-Impulse 2022

22. Juni 2022, 13:37 Uhr | Martin Fryba | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

„Wir zähmen das Biest“

ICT CHANNEL
Synaxon-CEO Frank Roebers (links) zähmt das MSP-Biest, Vorstandkollege Mark Schröder zähmt Frank Roebers, dessen Experimentierfreude bisweilen grenzenlos scheint, der Hydra komplexer IT-Infrastrukturen die Köpfe abzuschlagen.
© ICT CHANNEL

Die Cloud-Welle, die kein Tsunami ist
Managed Services und Cloud-Dienste revolutionieren die IT-Branche. Das ist nicht neu und wird auch von keinem Branchenbeobachter bestritten. Insofern behält Frank Roebers Recht, der vor vielen Jahren schon hardwarelastige Reseller in der „Todeszone“ verortete und mit dem technologischen Paradigmenwechsel hin zu Cloud Computing eine neue Gründerzeit für IT-Unternehmer ausrief und Ärmel hochkrempeln empfiehl. Doch technologische Revolutionen, anders als bisweilen politische, stellen die Welt nicht über Nacht auf den Kopf. Auch und gerade Innovationen im Computing nicht. Immerhin muss man Roebers zugutehalten, dass er in der Lage ist, seine vorhergesagte Entwicklung, die so nicht, beziehungsweise nicht so schnell eintritt, zu korrigieren. Mit 80 Prozent sei das Geld-gegen-Zeit-Modell noch weit verbreitet im Systemhausmarkt. Managed Services, gar mit Flat-Rate bepreist, setzen sich erst langsam durch. „Ich bin davon ausgegangen, dass diese Entwicklung schneller geht“, sagt er im Gespräch im ICT CHANNEL.

Das hat ihn freilich nicht davon abgehalten, selbst ein MSP-Schrittmacher zu werden. Mit Einsnulleins hat er, seht mutig, ein Franchise-Unternehmen gegründet, dem sich immer mehr Partner anschließen. Manches Systemhaus sieht darin ein zweites Standbein. Roebers lässt auch die Presse in den MSP-Maschinenraum blicken. Synaxon ist die einzige, vermutlich sogar weltweit einzige Systemhauskooperation, die als MSP den Eigenbetrieb wagt und in Experimenten Erprobtes und Bewährtes standardisiert in den wachsenden Partnerkanal überführt. Seine Mission: „Wir zähmen das Biest“. Biest?

IT kann in der Tat als Hydra auftreten: schlägt man ihr einen gefährlichen Kopf ab, wachsen zwei neue nach. Die Mechanik einer solchen Bestie ist so unergründbar wie die in ihrer Tiefe und Komplexität so undurchschaubar gewachsene Unternehmens-IT, mit der Systemhäuser mehr schlecht als recht kämpfen, ohne jemals das hohe Qualitätsniveau erreichen zu können, das Roebers-Team bei Einsnulleins  mit konsequenter Standardisierung etablieren will.

Zwölf Jahre und zwölf Synaxon-Impulse hat MSP-Kreuzritter Roebers mit seinem Team noch Zeit, Partnern Rezepte für eine Befreiung aus der IT-Legacy-Umklammerung zusammenzustellen. Mit  67 Jahren könnte er sich von dann wohl mehr als 101-Partnern seines Franchisesystems verabschieden und in Rente gehen. Kommen 2034 Managed Services tatsächlich wie Strom aus der Steckdose, sollte der Channel-Nachwuchs den Macher der MSP-Flatrate-Revolution kennen, die freilich wie alle Umbrüche viele geistige Väter hat.

Keine Lust auf Ausstieg: Systemhaus-Wachstum mit System
Wachstum in Zeiten des Fachkräftemangels, so der Impulsvortrag eines Systemhaus-Chefs, der gleich vorneweg sagt, was ihn in dieser für die Branche so turbulenten Konsolidierungszeit antreibt. „Ich wollte und will  nicht Verkäufer sein, sondern zu den Käufern gehören“, so Holger Kämmerer. Noch vor fünf Jahren zählte seine ATD 19 Mitarbeiter mit 1,6 Millionen Euro Umsatz, mit zwei Zukäufen kommt das verstärkte Systemhaus nun auf sechs Million  (zehn Millionen mit Kämmerers Beratungsfirma UBEGA). Nun ist Kämmerer kein Venture, er mit Millionen in Rekordzeit ein Systemhauskonglomerat zusammenkauft und dann über den Kitt nachdenkt, der zusammengewürfelte Häuser zusammenhalten soll. Das überlässt er anderen Investorengruppen. Mittelstand auf Augenhöhe ist seine Devise.

Und er hat vorher gründlich alle Fragen mit einem klaren „ja“ beantwortet, die auf jeden Systemhaus-Chef zukommen, der wie Kämmerer mit seinem Unternehmen wachsen und nicht zum jetzt doch verlockenden Preis aussteigen möchte: Will ich eine neue Rolle akzeptieren? Will ich mehr Verantwortung mit mehr Mitarbeitern tragen? Will ich Aufgaben abgeben? Mehr finanzielle Risiken eingehen? Diese den IT-Unternehmer betreffenden Fragen stellt Kämmerer als Teil einer systematischen Vorbereitung auf Wachstum und seine Folgen vor. Der Engpass kann, neben Fachpersonal, auch beim Chef selbst liegen.

Umso wichtiger: Loslassen und delegieren, das große Ganze im Blick haben und sich nicht in (durchaus wichtigen) Details verlieren, rät Kämmerer. „Die Liquidität hatte ich früher zu jeder Zeit im Kopf“, sagt er, wenn beispielsweise ein Projektauftrag über 250.000 Euro vorzufinanzieren war und das Okay vom Chef kommen musste. Heute hat der für Finanzen zuständige Mitarbeiter  den Kontostand im Kopf, nicht mehr Systemhaus-Chef Kämmerer. Im Kopf hat er dafür, dass bei jedem Wachstumssprung das Qualitätsmanagement in der gesamten Systemhausorganisation auf den Prüfstand kommen und man dort ansetzen muss, wo gerade ein Engpass auftritt.

Geht Wachstum durch Akquisition einmal nicht auf, was Kämmerer mit einer Beteiligung an einem Apple-Systemhaus passierte, sollte man den Deal schnell wieder rückgängig machen. Verbrannte Erde muss man dabei ja nicht hinterlassen, wenn man wie Kämmerer feststellt, dass die Firmenkulturen zu unterschiedlich gewesen seien. Dann arbeitet man eben „freundschaftlich in Projekten zusammen“, sagt Kämmerer und lächelt freundlich – wie fast alle der 300 Teilnehmer der Synaxon-Impulse 2022 das Lachen unter Freunden nicht verlernt haben.

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