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Teilhabe für alle

Digitale Barrierefreiheit

20. Mai 2021, 21:13 Uhr   |  dpa | Kommentar(e)

Digitale Barrierefreiheit
© momius - AdobeStock

Ob im beruflichen oder privaten Alltag - digitale Angebote sind so wichtig wie nie. Menschen mit Behinderungen können sie aber oft nicht uneingeschränkt nutzen. Doch bei diesen Hürden muss es nicht bleiben.

Soziale Medien, Einkaufen, Terminplanung – gerade in Pandemiezeiten ist die digitale Welt für viele Menschen ein wichtiger Bestandteil des Alltags. So geht es auch vielen Menschen mit Behinderungen und Einschränkungen, doch der Zugang zu den Angeboten ist für sie nicht immer selbstverständlich möglich. »Barrierefreiheit hat eine tiefe soziale Dimension – und die umfasst so viel mehr als die Rampe vor dem Haus«, sagt Jürgen Dusel, Behindertenbeauftragter der Bundesregierung und selbst von Geburt an stark sehbehindert. Ein wichtiger Aspekt: Barrierefreiheit im Netz.

Dusel zufolge leben in Deutschland etwa 13 Millionen Menschen mit Beeinträchtigungen. Digitale Inklusion bedeute nicht nur, dass jeder ins Netz komme und digitale Angebote nutzen könne, sagt der 56-Jährige. »Es geht auch darum, interagieren zu können, also zum Beispiel mit anderen über soziale Medien Kontakt aufzunehmen.« Wenn man etwa ein Bild veröffentliche, bräuchten sehbehinderte oder blinde Menschen einen beschreibenden Begleittext. Menschen mit kognitiven Einschränkungen seien auf bestimmte Formulierungen angewiesen. »Das ist ohne Probleme machbar, wenn man es weiß«, sagt Dusel.

Potenziale der Digitalisierung für alle nutzbar machen

Digitale Barrierefreiheit umfasse Menschen mit verschiedensten Bedürfnissen, sagt Adina Hermann von den Sozialheld*innen, einem Verband, der sich unter anderem für gleichberechtigte Teilhabe und Inklusion einsetzt. Im Netz müsse man besonders auf Menschen mit Seh- oder Hörbehinderung achten. Untertitel in Videos oder Audiodeskriptionen seien zum Beispiel wichtig. Aber auch Menschen mit kognitiven Behinderungen, psychischen Erkrankungen oder anderen Beeinträchtigungen dürften nicht vergessen werden. Diese könne man etwa durch Infos in sogenannter Leichter Sprache besser ansprechen.

Daneben sei es entscheidend, wie gut sich Menschen mit Behinderungen abgebildet fühlten, sagt Hermann, die selbst im Rollstuhl sitzt. Zur Barrierefreiheit gehöre auch, sie in allen gesellschaftlichen Themen etwa in der Medienarbeit und Werbung darzustellen. Die Digitalisierung berge für Menschen mit Behinderungen große Potenziale – die seien aber oft nur nutzbar, wenn Plattformen und Produkte von Anfang an barrierefrei konzipiert seien, mahnen Dusel und Hermann.

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1. Digitale Barrierefreiheit
2. Barrierefreiheit als Qualitätsstandard
3. Barrierefreiheitsstärkungsgesetz nur ein Alibigesetz?

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