Öffentliche Hand mit Handlungsbedarf

Digitalverwaltungskrise


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Digitale Behördengänge

Es gibt deutliche regionale Unterschiede: Beim „Deutschland-Index Digitalisierung 2021“ des Fraunhofer-Instituts für Offene Kommunikationssysteme stehen bei der Frage „Wie bürgerorientiert ist die digitale Verwaltung?“ lediglich Bayern und Bremen gut da. Bei der Frage „Wie digital sind die Kommunen?“ wiederum sind es nur Hamburg und ... (*wirft sicherheitshalber nochmal einen Blick auf die Unterlagen*) ... Berlin. Dem Land Sachsen attestiert die Studie bei dieser Frage sogar eine Rückentwicklung. Dort will man also wohl lieber die Finger vom Digitalen lassen.

Dabei wäre eine digitalere – und dadurch zumindest in der Theorie auch effizientere – öffentliche Verwaltung nicht nur wichtig für Deutschland als Wirtschaftsstandort im globalen Wettbewerb; auch ein großer Teil der Bevölkerung würde es begrüßen, für Behördengänge den digitalen Weg nehmen zu können. So wünschen sich 58 Prozent der Deutschen in einer Citrix-Umfrage vom August mehr digitale Services von Ämtern und Behörden (LANline berichtete). Das Marktforschungsinstitut YouGov hatte für den Digital-Workspace-Anbieter rund 2.000 Bürgerinnen und Bürger in einer – wichtig in diesem Kontext – Online-Umfrage zu ihrer Meinung befragt.

Jeweils mehr als zwei Drittel der Befragten wünschten sich die Möglichkeit, Anträge digital einzureichen (68 Prozent) und Termine online zu vereinbaren (67 Prozent). Doch nur jeder Zwölfte (acht Prozent) fand, die Behörden seien digital gut aufgestellt. In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt lag dieser Wert sogar bei nur drei Prozent.

Am zufriedensten mit dem aktuellen Digitalisierungsgrad der Verwaltung zeigten sich die Saarländer: Jeder fünfte von ihnen (21 Prozent) erachtet die Behörden im Saarland als digital gut aufgestellt. In Rheinland-Pfalz, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern hingegen wünschten sich jeweils rund zwei Drittel der Befragten (63, 66 beziehungsweise 67 Prozent) ein besseres digitales Angebot.

Immerhin: Die Corona-Krise hat auch im Behördensektor die Dringlichkeit der Digitalisierung verdeutlicht und zum Handeln geführt. Denn im Vorjahr lag die deutsche Verwaltung im DESI-Vergleich noch auf Platz 21 – der aktuelle Platz 16 ist da also schon ein Sprung nach vorn. Laut der Citrix-Umfrage haben die Behörden in den letzten zwölf Monaten vor allem investiert, um das Tagesgeschäft trotz Pandemie aufrechtzuerhalten. Dies war insbesondere in den westdeutschen Bundesländern der Fall: in Rheinland-Pfalz (57 Prozent), Bremen (44 Prozent), Nordrhein-Westfalen (42 Prozent) und Baden-Württemberg (40 Prozent). Dennoch gibt es, wie es der Remote-Work-Anbieter diplomatisch formuliert, noch immer oft „Optimierungspotenzial“.

Analysten und Bürger werden wohl weiterhin den Finger in die digitale Wunde der öffentlichen Hand legen müssen.

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