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Geheimes Schwergewicht: IT-Dienstleister

Experis tritt aus dem Schatten

25. Januar 2021, 10:39 Uhr   |  Martin Fryba | Kommentar(e)

Experis tritt aus dem Schatten
© Experis

Den wohl geheimsten IT-Dienstleister in Deutschland will Experis-Geschäftsführerin Angela Olsen mit Hilfe von Interim-Manager Dieter Weisshaar nun als Schwergewicht im Markt bekannt machen

Kein IT-Analyst hat Experis auf seiner Liste, was angesichts von 18.000 IT-Experten erstaunlich ist. Das soll sich ändern. Ein neuer, selbstbewußter Auftritt eines IT-Dienstleisters, der nicht länger den Zusatz »Hidden« vor dem »Champion« tragen will.

Wer diese Woche als Freelancer die Webseite Experis.de aufruft, wird sich erst einmal überrascht fragen: »Wo ist denn das Feld Jobsuche?«. Es ist nicht verschwunden, aber nicht mehr prominent in der Bildschirmmitte positioniert. Und das hat einen ganz speziellen Grund. »Wir wollen das Systemhaus nicht mehr geheim halten«, sagt Dieter Weisshaar im Gespräch mit ICT CHANNEL. »In der Gruppe ist über die Jahre so viel IT-Know-how gewachsen, dass wir entschieden haben, uns rein über die IT-Personalüberlassung hinaus im Markt aufzustellen und das sichtbar zu machen«, ergänzt Angela Olsen.


Olsen hat zwei Jobs, die eng miteinander verbunden sind und bleiben. Sie ist Vorsitzende der Geschäftsführung der Manpower Group in Deutschland, einer der weltweit größten Personalvermittler, deren US-Muttergesellschaft an der Wall Street notiert ist. Und sie ist Chefin der Tochtergesellschaft Experis mit Sitz in Eschborn, rund 15 Kilometer entfernt vom Manpower-Hauptsitz in der Franfurter Innenstadt. Rund 1.500 IT-Experten sind dauerhaft bei Experis angestellt, und zwar mit den Kompetenzen, die man in den Business-Units der Experis GmbH braucht und die für eine Wahrnehmung als IT-Dienstleister stehen sollen: Business Transformation, Cybersecurity, Digital Workspace, Cloud&Infrastructure, Entperprise Applications.

Es sind Themen, die sich freilich alle IT-Serviceanbieter auf die Fahne schreiben. So darf auch ein dezidiertes Manged Service-Angebot nicht fehlen, auf das Experis hinweist. Und mehr noch: Erst die europäische Ausrichtung macht deutlich, dass hier ein Schwergewicht unter dem Radar von Markbeobachtern seit Jahren schon tätig ist.


Experis taucht in keiner der einschlägigen Lünendonk-Listen auf. Weder mit seiner Größe als IT-Dienstleistungs- und Consulting-Unternehmen, noch als Anbieter von Personalüberlassung mit IT-Fokus. »Manpower-Group hat Experis zu einem der führenden Dienstleister in der IT-Branche aufgebaut. Europaweit sind sogar 18.000 IT-Berater für Experis tätig«, sagt Angela Olsen. »Mit sehr vielen Hersteller-Zertifizierungen beispielsweise für Cisco, Microsoft oder AWS, drei 24x7-Operation Centern allein in Deutschland, Cloud-Expertise der führenden Hyperscaler, Field-Services für Produkthersteller  und ein sehr starkes SAP-Team in Spanien«, sprudelt es nur so aus Dieter Weisshaar auf die Frage nach Konkretisierung und Abgrenzung zum Wettbewerb.


Connections und Partnerprogramm
Für einen der USPs von Experis kann der Ex-CEO des Softwareherstellers Easy Software und seit 30 Jahren in der IT-Branche bekannte Manager einen idealen Kronzeugen aufbieten: sich selbst nämlich. »Bei keinem anderen IT-Dienstleister unserer Größe finden Kunden ein so breites Angebot: Von der Personalüberlassung bis hin zur IT-Beratung und IT-Betrieb«, sagt der Head of Experis, der die aktuelle Ausrichtung zusammen mit Olsen und dem für Finanzen zuständigen CFO Terry Cade als Interim-Manager auf den Weg gebracht hat.


Dass Experis nun aus dem Schatten eines »Hidden Champion«, treten soll, wie Weisshaar den IT-Dienstleister sieht, dafür sollen auch Partner sorgen. »Neben unseren Technologiepartnern arbeiten wir auch im Vertrieb mit anderen Systemhäusern zusammen«, sagt er gegenüber ICT-CHANNEL. Die IT-Service-Anbieterbranche steht ja in keinem dezidiert abgeschotteten Konkurrenzverhältnis zueinander. Man hilft sich dort, wo Kompetenzen, Spezialisten oder räumliche Nähe zu Kunden fehlen.  Weisshaar kann hier mit seinen Kontakten noch viel anschieben.


Auf die Frage, ob man aus dem bestehenden Netzwerk mehr als genügend Geschäft an Land ziehen und somit auf einen aktiven Sales verzichten könne, wie so manche IT-Dienstleister ganz stolz damit hausieren geht, keinen Vertrieb zu haben, muss Experis-Chefin Olsen herzlich lachen. Man werde freilich Vertriebsmitarbeiter für ein »Digital Demand-Team« zusammenstellen und das Partnerprogramm ausbauen. »Aufträge fallen nicht vom Himmel«, sagt die seit rund 20 Jahren in der Zeitarbeit tätige Managerin.

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