IFS und Bearingpoint

Gewagtes Joint Venture mit dem besten Partner

IFS
IFS-Chef Darren Roos: „Bearingpoint investiert seit Jahren in das Wachstum seiner IFS-Expertise"
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Um Beratung und Vertrieb von Cloud-Softwareprodukten auszubauen, setzt ERP-Hersteller IFS auf seinen stärksten Partner: Bearingpoint. IFS-Chef Darren Roos kündigt „umfangreiche Investitionen“ in die Gründung einer gemeisamen Consulting-Firma an – Konfliktpotenzial im Channel eingeschlossen.

Hersteller kauft Vertriebspartner, macht somit seinem eigenen Channel Konkurrenz, weil er Richtung Direktvertrieb marschiert und zudem das lukrative Servicegeschäft mit Anwenderkunden an sich zieht. Das hat Konfliktpotenzial. Aber: Manchmal zwingen ungelöste Nachfolgeregelungen bei Partnern einen Hersteller zu diesem aus Vertriebssicht delikaten Schritt. Der kommt vor allem einigen Druckerherstellern bekannt vor, die den Kauf von Systemhäusern strategisch angehen. Dass Hersteller und Partner ein gemeinsames Unternehmen neu gründen, hat eher Seltenheitswert. Dürfte aber im Channel eines Herstellers genauso viele Fragen aufwerfen, auf die IFS offiziell noch nicht eingegangen ist.

Die Partner des Herstellers für Business-Software, allen voran ERP, nehmen einstweilen zu Kenntnis, dass einer der besten und dekoriertesten unter ihnen, Bearingpoint (IFS Global Systems Integrator of the Year 2020 und IFS Growth Partner of the Year 2021), mit IFS ein Joint Venture gegründet hat. Noch ist das Vorhaben nicht ganz wasserdicht. Weniger wohl wegen fusionskontrollrechtlicher Genehmigungen, die Formsache sein dürften. Von dem Schritt unterrichtet und angehört müssen von beiden Seiten nämlich noch die Arbeitnehmervertreter, was die Joint Venture-Partner unter „übliche Vollzugsbedingungen“ quasi schon abgehakt haben, bevor unterrichtet und gehört wird.

Europäische Kernmärkte
Das eigenständige Unternehmen soll sich „weitgehend autark auf die Transformation von Unternehmen mittels IFS Cloud-Softwareprodukte konzentrieren“, heißt es in der Mitteilung an die Presse. Nicht kleckern, sondern klotzen wollen Darren Roos, seit 2018 CEO von IFS, und Kiumars Hamidian, Managing Partner bei Bearingpoint. In den Märkten Frankreich, Niederlande, Belgien, Italien, Deutschland, Österreich, Schweiz und Großbritannien wollen sie dem Joint Venture „einen starken Start ermöglichen“ und planen hier umfangreiche Investitionen.

Beide Partner würden über einen umfangreichen Kundenstamm verfügen und hätten in den letzten fünf Jahren etliche gemeinsame Projekte durchgeführt. Für eine optimale Zusammenarbeit bedürfe es „einer Auswahl starker Partner“, so der von London aus die rund 4.000 IFS-Mitarbeiter führende Ex-SAP-Manager Roos und klopft Bearingpoint für seine Investitionen in die IFS-Expertise auf die Schultern. „Es ist in jeder Hinsicht sinnvoll und erfolgversprechend, unsere Zusammenarbeit jetzt entscheidend zu intensivieren“, sagt der gebürtige Südafrikaner. Der Ausbau der „sehr gut aufeinander abgestimmten“ Partner, sei „ein logischer Schritt“, ergänzt Hamidian. Bearingpoint betreibt IT-Beratung und Systemintegration mit rund 10.000 Mitarbeitern in rund 70 Ländern.


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