Deutschlands E-Health im 21.Jahrhundert

Homöopathische Digitalisierung

20. April 2022, 9:02 Uhr | Martin Fryba | Kommentar(e)
dpa
Erst 10.000 E-Rezepte und auch noch in einer Testphase sind in Deutschland ausgestellt worden
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Das E-Rezept soll ein Mammutprojekt sein? Wie soll man da knifflige Aufgaben wie die elektronische Patientenakte angehen, wenn Deutschland nicht einmal in der Lage ist, ein kleines Papierchen zu digitalisieren?

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens, überhaupt von hoheitlichen Aufgaben, kommt in anderen Ländern voran, beziehungsweise ist, wie im Vorzeigeland Estland, seit Jahren schon längst abgeschlossen. Deutschland digital dagegen ist Pionierland, umso mehr aber lässt man sich hier schon für winzige Schrittchen feiern. Beispiel Gematik.

Soeben wurde die magische Grenze von 10.000 E-Rezepten geknackt, vor einem Monat wurden erst halb so viele elektronische Rezepte ausgestellt, teilt die Gematik mit. Die staatliche Gesellschaft ist federführend für die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens verantwortlich. 10.000 von jährlich 500 Millionen Papierrezepten wurden als elektronisch ausgesellt – macht also 0,002 Prozent. Man feiert sich trotzdem, auch weil es zu keinerlei Problemen gekommen sein soll.

Zur Erinnerung: Die Umstellung von Papierrezept auf Digitalverschreibung ist ein Mammutvorhaben im deutschen Gesundheitswesen, das Startprobleme hatte. Nach zähem Ringen um das E-Rezept einigten sich die vielen Beteiligten auf den Start einer bereits schon einmal verschobenen  Testphase auf den 1.Oktober 2021.  Dass es mit dem ursprünglich für den Januar 2022 geplanten Going-Live nichts wird, wusste man da schon seit längerem. Arztpraxen und Apotheken waren hardwareseitig nicht ausgestattet, Updates für die vielen  Arztpraxissoftware-Systeme noch nicht verfügbar. Diese Mängel werden erst jetzt nach und nach beseitigt.

Gematik-Chef Markus Leyck Dieken weist darauf hin, dass Arztpraxen und Apotheken beim Thema E-Rezept zunehmend routinierter würden, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Die Gesellschafter der Gematik - neben dem Bundesgesundheitsministerium auch Ärzte-, Kassen- und Apothekerverbände – wollen jetzt über das weitere Vorgehen beraten und eine flächendeckende Einführung angehen. Wann das E-Rezept zur Pflicht und somit zum Standard wird, ist aber weiterhin unklar.

Elektronische Patientenakte auf freiwilliger Basis
Dabei sind elektronische Verschreibungen nur ein kleiner Teilbereich des weit ambitionierteren Projekts der elektronischen Patientenakte. Ob die ePA jemals einen vollständig digitalen Überblick über einen Patienten bieten wird, steht in den Sternen. Die E-Akte ist ein freiwilliges Angebot für 73 Millionen gesetzlich Versicherten und war am 1. Januar 2021 mit einer Testphase gestartet. Die bisherigen Nutzerzahlen sind allerdings enttäuschend. Am Ende haben die Steuerzahler Milliarden für ein Projekt ausgegeben, dessen Nutzen wegen fehlender Akzeptanz eher bescheiden ist.


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