Bildungsmarkt

Im Education-IT-Markt geht noch was

22. November 2022, 16:30 Uhr | Michaela Wurm | Kommentar(e)
Klassenzimmer mit Schülern vor dem PC
© Gorodenkoff | AdobeStock

Die Digitalisierung der Schulen ist endlich ins Rollen gekommen. Zwar sind die milliardenschweren Bundesmittel für die Anschaffungen von Notebooks inzwischen weitgehend ausgeschöpft. Trotzdem bietet der Markt noch jede Menge Chancen für Systemhäuser.

Die lange vernachlässigte Digitalisierung des Bildungssektors sorgte seit dem Beginn der Corona-Lockdowns für einen enormen Wachstumsschub. In der IT-Branche herrschte Goldgräberstimmung, nachdem Bund und Länder milliardenschwere Sonderbudgets aufgelegt hatten, um die Missstände so schnell wie möglich zu beheben. Zum Jahresende 2021 waren viele Mittel jedoch noch nicht abgerufen, die Hinderungsgründe vielfältig. Neben der föderalen Zersplitterung der deutschen Bildungslandschaft, in der häufig einzelne Schulen oder Schulträger für die Anschaffung der IT zuständig sind, fehlt in vielen Schulen auch das IT-Know-how. 
Allerdings sei nur ein Bruchteil der Herausforderungen technischer Natur, wie Jan Moll, Geschäftsführer der dtm Group, im Gespräch mit ICT CHANNEL berichtet. Er hat mit dem IT-Dienstleister bereits mehrere Projekte im Schulumfeld realisiert und die meisten Stolpersteine legt seiner Erfahrung nach die Bürokratie aus. „Bis alle Entscheidungsträger an einem Tisch sitzen und gemeinsam an einem Strang ziehen, können Monate vergehen. Mit der logischen Konsequenz, dass sich das gesamte Projekt immer und immer weiter verzögert“, so Moll. Ein weiteres Problem seien die öffentlichen Ausschreibungen: „Hier gilt leider nach wie vor, dass nicht zwingend die beste Technik, sondern das günstigste Angebot das Rennen macht. In der Folge werden viele, gut angedachte Projekte nur mit minimalen Standards realisiert. In meinen Augen wird das gesamte Projekt dadurch in eine falsche Richtung gelenkt.“ Das sei weder nachhaltig noch zielführend.

Run auf Notebooks für Schüler und Lehrer
Inzwischen hat sich jedoch einiges bewegt. Der jüngste Bericht des Ministeriums für Bildung und Forschung zeigt, dass bis zum 30. Juni 2022 rund 600 Millionen Euro aus dem Basis-DigitalPakt abgeflossen sind. Verplant und bewilligt sind laut BMBF bereits etwas mehr als drei Milliarden Euro, das heißt über die Hälfte der im Basis-DigitalPakt zur Verfügung stehenden Gelder. Dabei stehe die Ausstattung der Schulen klar im Mittelpunkt. Diese Entwicklung zeigt sich gerade bei der Sofortausstattung und den Leihgeräten für Lehrkräfte. Die Gelder zur Beschaffung von Laptops sind laut BMBF mit rund 496 Millionen Euro und somit 99,1 Prozent nahezu vollständig abgeflossen. Bei den Leihgeräten für Lehrkräfte liegt die Quote bei 96,7 Prozent.
 Auch das Zusatzprogramm Administration nimmt endlich Fahrt auf. Dabei gelte es zu beachten, dass es in seiner Umsetzung komplexer zu handhaben sei als die anderen Zusatzverordnungen, so das Ministerium. Immerhin konnte von den 500 Millionen zur Verfügung stehenden Mitteln zum 30. Juni 2022 bereits knapp ein Viertel gebunden werden.
Viele Hersteller und Distributoren haben sich auf dieses Marktsegment fokussiert und für ihre Partner Programme aufgelegt. Doch seit diesem Jahr ist es um das Boom-Thema Education-IT stiller geworden. Die Nachfrage bei Herstellern zeigt aber, dass sie das Marktsegment auch langfristig für lukrativ halten. So hat der Monitor-Spezialist Viewsonic sein Portfolio hier deutlich verbreitert. Education wachse seit einigen Jahren sehr gut, berichtet DACH-Chef Dominic Mein im Gespräch mit ICT CHANNEL. „Wir sehen im deutschen Markt ein enormes Umsatzpotenzial mit Education, da entsteht ein Riesenbedarf an digitalen Displays und Whiteboards“. Für Händler sei das besonders positiv, weil hier nicht nur Hardware, sondern auch Montage und Installation gefragt seien. „Vieles kann in Deutschland zentral beschafft werden, das gilt aber nicht für Wandmontage, Verkabelung und ähnliches. Hier kommen lokale Systemhäuser ins Spiel“, meint der DACH-Chef. Bei den vom Bund bereitgestellten Fördergeldern sei noch einiges drin. Es sei schon relativ viel beantragt, speziell für digitale Endgeräte. Aber bei Whiteboards sei noch einiges drin und auch im Admin-Bereich sieht Mein „deutlich mehr Luft nach oben“. Und auch die Ausschreibungen seien ein Stück weit standardisierter worden. „Das war lange Zeit zu kleinteilig. Mittlerweile hat sich das gebessert und ist normales Tagesgeschäft. Viele Schulträger wissen heute, was sie brauchen. Deshalb ist es für den Handel auch einfacher geworden“, betont Mein. 

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  2. Weiterhin Riesenchance für Händler

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