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Handel hofft auf Shutdown-Trick

Innenstadtläden als Abholstellen

15. Dezember 2020, 11:06 Uhr   |  dpa | Kommentar(e)

Innenstadtläden als Abholstellen
© Martin Gerten / dpa

Die erneute Schließung von Ladengeschäften trifft den stationären Handel hart, während das Online-Geschäft boomt und die Paketbranche kaum hinterherkommt. Der Handelsverband Deutschland (HDE) schlägt vor, die Geschäfte zeitweise zu Abholstationen umzufunktionieren.

Die Läden in den Fußgängerzonen machen am Mittwoch dicht, die Lieferdienste der Online-Händler arbeiten am Limit: Wer jetzt noch nicht alle Weihnachtsgeschenke zusammen hat, ist in Schwierigkeiten. Erste Politiker empfehlen bereits auf selbstgebastelte Gutscheine als Präsente umzusatteln. Doch der Handel hat noch eine andere Idee. Die Geschäfte von Ikea, Media Markt, Saturn und Co. sollen zu Abholstellen für online bestellte Waren werden.

Klassischer Handel: »Click and Collect« soll helfen

Der Handelsverband Deutschland (HDE) dringt darauf, den Einzelhändlern im Shutdown die Übergabe von im Internet bestellter Ware - im Fachjargon Click and Collect genannt - in den eigentlich geschlossenen Läden zu erlauben. »Click and Collect kann ein wichtiger Beitrag für viele Händler sein, besser durch diese Krise zu kommen«, sagte am Montag HDE-Sprecher Stefan Hertel der Deutschen Presse-Agentur. Den Weg dazu müssten die Bundesländer in ihren Corona-Verordnungen freimachen.

Unterstützung bekam der Verband von den Elektronikketten Media Markt und Saturn und dem Möbelhändler Ikea. Ein Sprecher der Elektronikketten betonte, schon in der ersten Corona-Welle habe sich gezeigt, dass es möglich sei, beim Abholen von vorab bestellter Ware den Gesundheitsschutz für Kunden und Mitarbeiter durch speziell eingerichtete Abholstationen zu gewährleisten. Gleichzeitig biete Click and Collect den stationären Händlern die Möglichkeit, sich in der Krise besser im Wettbewerb gegen reine Onlinehändler zu behaupten. Und es entlaste die Lieferdienste, die vor Weihnachten ohnehin am Anschlag arbeiteten. Auch Deutschlands größter Möbelhändler Ikea wünschte sich die Möglichkeit, seine riesigen Verkaufshäuser im Shutdown zumindest als Abholstationen nutzen zu können.

Click and Collect: Politik ist sich nicht einig

In der Politik stieß der Vorschlag allerdings auf ein geteiltes Echo. Die baden-württembergische Landesregierung hält nach den Worten eines Regierungssprechers überhaupt nichts von Abholangeboten im Handel. »Abholmöglichkeiten jenseits der Gastronomie wären kontraproduktiv«, sagte er der dpa am Montag. »Je mehr Ausnahmen wir machen, desto länger brauchen wir, bis die Infektionszahlen deutlich runter sind, desto länger dauert das Elend des Lockdowns, desto länger müssen die Geschäfte zubleiben.«

Der Beschlussvorschlag des Bundeslandes Bremen für die Corona-Verordnung sah dagegen am Montag vor, dass Click and Collect möglich sein soll, wenn die Abholung unter Beachtung von Schutzmaßnahmen kontaktfrei erfolgen kann. Der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) signalisierte im WDR 5, dass er zumindest im Buchhandel für eine solche Lösung offen sei.

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