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EPR-Hersteller MKS

Käuflich ist nur die Software

08. Juni 2021, 07:54 Uhr   |  Martin Fryba | Kommentar(e)

Käuflich ist nur die Software
© MKS

MKS-Chef Michael Kempf: Der flexible, mobile Arbeitsplatz braucht ein modernes ERP

Fremdkapital, gar Fremdbestimmung ist Michael Kempf suspekt. Der IT-Unternehmer will beides vermeiden, beschäftigt sich lieber mit neuen Kunden und Branchen. Digitalisierung und Homeoffice bereiten den Boden für weiteres Wachstum seines ERP-Herstellers MKS.

Nach jedem Bericht über seine Firma klopft man Michael Kempf auf die Schultern. „Sehr schön gebrüllt, toller Artikel und auch eine klare Vision skizziert, ich liebe es sowas zu lesen«, gab es für den Gründer des ERP-Herstellers MKS viele Komplimente. Sogar vom CEO eines Wettbewerbers, der die Headline eines Berichts von ICT CHANNEL (Wachstum gerne auf Kosten des Wettbewerbs) zum Anlass für eine ganz besondere Vertriebsanbahnung genommen hatte. Warum sich Kempf nicht einen Investor ins Haus hole? „Keine Heuschrecke! Sie dürfen mit glauben, da kenne ich mich aus“, wirbt der Branchenkollege für eine Beteiligungsgesellschaft, die liebend gerne mittelständischen Softwareunternehmern ihre Firmenbeteiligung vergoldet. Man könne sich gerne „mal persönlich treffen, nach dem Wahnsinn, in dem wir uns alle aktuell befinden“, schließt die E-Mail an den MKS-Vorstand und Mehrheitsaktionär.

Wahnsinn, das ist für Kempf indes nicht so sehr der Corona-bedingte Lockdown, auf den hier angespielt wird. Sondern Offerten, die der Software-Unternehmer vom Bodensee „monatlich bekommt“, wie er sagt, und die er mit ebensolcher Regelmäßigkeit als verrückte Idee beiseite wischt.

Lebenswerk, das hat für jemanden wie Kempf, der sich als 30-Jähriger vor rund zwei Dekaden ohne begütertes Elternhaus oder reichen Erbonkel selbst etwas aufgebaut hat und nun die stetig wachsenden Früchte der bald abbezahlten Fünf-Millionen-Investition in die Software-Entwicklung ernten kann, einen ganz anderen Sinn als ihm Vertreter des zum Turbokapitalismus mutierten Geldes nahelegen wollen. Finanziell ausgesorgt hätte Kempf bei einem Verkauf auf jedem Fall. Aber was macht dann ein durchaus eigenwilliger Herzblutunternehmer ohne Unternehmen? Gerade jetzt, wo das Bestands- und Neukundengeschäft anzieht, weil sich auch rückständige Branchen der Digitalisierung öffnen und Business-Software benötigen.

„Wir wollen im laufenden Geschäftsjahr den Ertrag um zwölf bis 15 Prozent steigern, bis zu fünf neue Mitarbeiter einstellen. Zudem werden wir 2022 schuldenfrei sein«, plant Kempf. Zu einem zweistelligen Umsatzwachstum 2020 habe die erhöhte ERP-Nachfrage der fünf Branchenlösungen geführt. MKS fokussiert sich auf Lösungen für IT-Dienstleister, Drucker- und Kopiereranbieter, Handel, Lebensmittelverarbeitung sowie Fertigung.

Leuchtturmprojekt im Gesundheitswesen
Mit der Blikk-Holding, Radiologiespezialist aus Dortmund mit rund 1.000 Mitarbeitern, haben die Schwaben ein großes Projekt im Volumen von rund 350.000 Euro mit jährlichen Wartungskosten von etwa 40.000 Euro abgeschlossen. An rund 30 Standorten arbeiten die Praxen nun mit Goliath.NET. Über das in 18 Monaten eingeführte ERP von MKS wird nun die früher von jeder Praxis dezentrale Verwaltung  zentral gemanaged.

Bestellungen wie Verbrauchsmaterial oder Gerätschaften, Terminvergaben sowie Abrechnungen  finden nun auf einem System statt. Der Einkauf im Praxisverbund der Blikk-Gruppe wird nun über den von MKS aufgesetzten internen Web-Shop ebenfalls zentral abgewickelt. Das Fax, immer noch in vielen Praxen Standard und zudem mögliche Falle für Verstöße gegen die DSGVO, gibt es in keiner Blikk-Praxis mehr.

Mit weiteren potenziellen Kunden aus dem Gesundheitswesen ist der Chef bereit im Gespräch. Der Trend zu Zusammenschlüssen im Gesundheitswesen dürfte MSK in die Hände spielen. Ebenso Homeoffice. Binnen eines Tages wurden vergangenes Frühjahr alle MKS-Mitarbeiter nach Hause geschickt. Der flexible Arbeitsplatz wird nach Corona bleiben: Bei vielen Kunden, die ihre Prozesse und Informationen mit Hilfe eines webbasierten ERP zentralisiert haben, und beim Hersteller selbst. An mindestens drei Tagen in der Woche können MKS-Mitarbeiter von Zuhause aus arbeiten. Die geplante Erweiterung des Firmenstandorts in Friedrichshafen kann Vorstand Kempf zurückstellen – und einstweilen Zinskosten für den Baukredit sparen.

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