Prüfung der Activision-Übernahme

Kartellbehörden bremsen Microsoft aus

16. September 2022, 12:15 Uhr | Lars Bube | Kommentar(e)
Microsoft kauft Activision Blizzard
Microsoft kauft Activision Blizzard
© Microsoft

Die geplante Übernahme von Activision Blizzard wird für Microsoft zur Zitterpartie. Weil der Software-Konzern ihre Bedenken bislang nicht ausreichend entkräften konnte, wollen die Kartellwächter in Europa und den USA den 70 Milliarden Dollar schweren Deal nun noch ausführlicher überprüfen.

Die Ankündigung Microsofts den Computerspieleanbieter Activision Blizzard für knapp 70 Milliarden US-Dollar übernehmen zu wollen, hatte Anfang des Jahres für ein gehöriges Beben in der Gaming-Branche gesorgt. Während die Activision-Aktionäre dem Verkauf inzwischen zugestimmt haben, warnen einige Mitbewerber seither vor der gewaltigen Marktmacht, die Microsoft damit erhalten würde. Allen voran kritisiert Sony die Pläne und äußerst unter anderem die Sorge, künftig vom Zugriff auf Titel wie „Call of Duty“ ausgesperrt zu werden, die eine wichtige Rolle für das eigene Playstation-Ökosystem spielen. Microsoft entgegnet solchen Ängsten bezüglich einer möglichen Bevorzugung seiner XBox, dass die Spiele auch für andere Marktteilnehmer wie Sony frei verfügbar bleiben sollen.

Solche Versprechen alleine reichen den Kartellbehörden, welche die Übernahme seither prüfen, aber offenbar nicht. Zumal nicht sicher ist, wie lange sie gelten sollen. Nach der amerikanischen Federal Trade Commission (FTC) hat deshalb jetzt auch die britische Competition and Markets Authority (CMA) angekündigt, die Folgen für den Markt und Wettbewerb in einer zweiten Phase noch intensiver prüfen zu wollen. Dass Microsoft dabei eine Frist zur Eingabe weiterer entlastender Argumente und freiwilliger Verpflichtungserklärungen ungenutzt verstreichen ließ, darf dabei als normaler Vorgang gewertet werden, weil die Einleitung der Phase 2 aufgrund des Umfangs der Übernahme und ihrer Konsequenzen wohl sowieso nicht zu verhindern gewesen wäre. Ähnlich ist die Lage auch in Europa, wo die Kartellwächter in Brüssel derzeit noch mit der Vorprüfung beschäftigt sind und ihre Einwände sammeln. Darauf basierend wird damit gerechnet, dass Microsoft in den nächsten Wochen seinen offiziellen Antrag einreichen kann, wodurch auch hier die intensive Untersuchung beginnen könnte.

Damit ist schon jetzt klar, dass die Übernahme, so sie denn tatsächlich genehmigt wird, keinesfalls schnell über die Bühne gehen wird. Experten gehen davon aus, dass sich die Kartellwächter mindestens ein weiteres halbes Jahr mit dem Fall beschäftigen und in dieser Zeit noch einige Rückfragen haben und Gesprächsrunden einläuten werden. Microsoft hatte damit auch bereits von Anfang an gerechnet und plant den Abschluss des Activision-Kaufs deshalb erst in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres.

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