3G beim Systemhausriesen Bechtle

Macht auf die Tür, macht auf das Tor

Bechtle
CEO Thomas Olemotz ist "Pilotanwender" der digitalen 3G-Kontrolle bei Bechtle am Hauptsitz Neckarsulm
© Bechtle

Es fährt ein großer König vor. Was im Weihnachtslied besungen wird, soll fortan für Bechtle-Chef Thomas Olemotz - und nicht nur für ihn - jeden Tag geschehen: Die ab heute verpflichtende digitale Kontrolle des Impfstatus jedes Arbeitnehmers – analoge Alternativen ausdrücklich möglich.

Er sei gespannt, ob sich für ihn die Türen ab heute öffnen, sagt Bechtle-CEO Thomas Olemotz. Automatisch natürlich, weil er als Pilotanwender seine Schließkarte für die Zentrale in Neckarsulm mit dem Status eines gegen Corona Geimpften hatte verknüpfen lassen. Bewährt sich dieses System, dann werden sich die Türen am Bechtle Platz auch für Tausende Angestellte automatisch öffnen, die einen vollen Impfschutz oder einen Genesungsnachweis vorgelegt haben. Damit erfüllt Bechtle die ab heute geltenden 3G-Kontrollen, die Arbeitgeber verpflichtend einführen und dokumentieren müssen.

Nicht überall in den vielen bundesweiten Standorten des Systemhausriesen wird das so umgesetzt, wie in Neckarsulm. Ob digitale Kontrolle mit Schließkartenverknüpfung, Excel-Dokumentation oder Listenführung auf Papier: Der Gesetzgeber schreibt keine Methode vor, wie und in welcher Frequenz der Impf- oder Teststatus der Arbeitnehmer festgehalten werden muss.

„Irrsinnskomplexität“
Datenschützer melden bereits Bedenken an, weil die Ausführungsbestimmungen unklar und viele Fragen offen seien. Arbeitgeberverbände klagen über den großen Aufwand, der mit den flächendeckenden 3G-Kontrollen verbunden ist und stören sich an den hohen Kosten (ICT CHANNEL berichtete). Hinzu kommt bei Bechtle und vielen anderen Firmen auch: Viele Arbeitnehmer sind als externe Kräfte bei Kunden beschäftigt oder als Berater an wechselnden Orten unterwegs. Auch ihr Impfstatus muss kontrolliert und erfasst werden. Kein Gesetz, keine Durchführungsverordnung kann den Einzelfall abbilden.

Laxe Kontrollen, ob fahrlässig oder bewusst herbeigeführt durch Arbeitgeber,  wird es wohl genauso geben, wie ein Aushebeln der Kontrollen durch Impf- und Testverweigerer. Bußgelder anzudrohen ist das eine. Verstöße auszumachen und einklagbare Strafen zu verhängen, die vor Gericht bestand haben, ist das andere. Auf die ohnehin überlastete Justiz kann da jede Menge zusätzliche Arbeit zurollen. Es ist auch mit Klagen von Arbeitnehmern zu rechnen, denen laut Bestimmungen wegen Coronaregelungen der Zutritt zur Arbeit und die Lohnfortzahlung verweigert wird. Die Pandemie spaltet auch die Berufswelt. Es sei eine „Irrsinnskomplexität“ beschwert sich Kai Beckmann, Präsident des Bundesarbeitgeberverbands Chemie.

CEO-Schreibtisch frei in Karlsruhe
Nun bedeutet Komplexität gerade für ein Systemhaus nicht Kapitulation. Man nimmt sie als Herausforderung an, zumal wenn man „auch diese Phase der Pandemie als solidarische Gemeinschaft gesund überwinden“ will, wie Bechtle-CEO Olemotz sagt. „Verbundenheit und Zusammenhalt waren nie mehr gefragt!“.

Recht hat der Bechtle-CEO. Und sollte ihm die Schließkarte heute wider Erwarten doch den Zutritt in seine Vorstandsetage verweigern, hält ihm Bechtle-Geschäftsführer Richard Einstmann („Falls Sie nicht reinkommen“) in Karlsruhe einen Schreibtisch frei. Dass das Thema „Kontrolle schnell umsetzen“ Methode bei Bechtle hat, muss man dem seit über 30 Jahren bei Bechtle beschäftigten Manager nicht sagen. Wenn ein Systemhaus Kontrolle perfekt beherrscht, dann Bechtle - und das nicht erst mit 3G in Pandemiezeiten.

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