Zwei Drittel aller Apps

Man spricht deutsch

16. Mai 2022, 15:21 Uhr | Martin Fryba | Kommentar(e)
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Nach Englisch ist Deutsch in Apps die am zweithäufigsten verfügbare Sprache. Und das, obwohl wesentlich mehr Menschen weltweit Spanisch und Französisch sprechen. Und nein: Englisch wurden nicht wegen einer einzigen Stimme mehr zur Weltsprache.

Der Mythos ist so schön und kursiert immer noch, um ihn bei dieser passenden Gelegenheit zu entlarven. Die Legende geht so: Angeblich soll in einer Abstimmung über die Festlegung einer Amtssprache im damals noch sehr jungen Pennsylvania Deutsch mit nur einer Stimme dem Englischen unterlegen gewesen sein. Der Deutsch-Amerikaner Frederick Mühlenberg, Sprecher der pennsylvanischen Landesversammlung, soll den Ausschlag gegeben haben. Beweise dafür gibt es keine, und ob die rund ein Drittel Deutsche in Pennsylvania im 19. Jahrhundert es dann geschafft hätten, dass sich die Sprache ihrer Heimat  in den ganzen USA und schließlich in der Welt etabliert hätte, bleibt mehr als fraglich.

Kolonialismus der Sprachen
Bis heute hält sich der Mythos der um eine Stimme unterlegenen Amts- und gar Weltsprache Deutsch – die sogenannte Mühlenberg-Legende. Es war vielmehr der britische Kolonialismus, der Englisch zum Durchbruch verhalf. Dass außerhalb Spaniens, Frankreichs, Portugals oder Italiens die jeweiligen Landessprachen bis heute auch in fernen Kontinenten von so vielen Menschen gesprochen werden, ist ebenso dem Kolonialismus dieser Länder im 19. Jahrhundert geschuldet. Deutschland, dem Platz an der Sonne nacheifernd, hatte das Nachsehen.

Man spricht deutsch in der App-Welt
Was dem Wilhelminischen Kaiserreich indes nie gelang, hat Deutschland digital längst aufgeholt. In der vernetzten Welt der Apps spricht, oder besser: hantiert man deutsch. Nach Englisch in Apps mit überragenden 97 Prozent Anteil, kommt auch schon die Sprachoption deutsch, die 66 Prozent aller Apps anbieten, wie eine Analyse der Sprachlernplattform Preply ergab.

Demnach hat Deutsch Spanisch und Französisch als Sprachoption in Apps auf Platz 3 und 4 verdrängt, obwohl weltweit lediglich 185 Millionen Menschen Deutsch sprechen. Spanisch dagegen wird von mehr als einer halben Milliarde Menschen in 30 Ländern gesprochen. Und selbst Französisch hat eine Reichweite von etwa 300 Millionen Sprechern. 65 Prozent  der von Preply untersuchten Apps verfügen über Sprachoptionen in Spanisch, 63 Prozent in Französisch. Alles liegt freilich dicht beieinander, aber Plattform-Betreiber und App-Entwickler kennen natürlich die hohe Kaufkraft der Deutschen und suchen ihre Chancen im deutschen App-Markt. Den schätzte der Bitkom 2021 auf rund 2,9 Milliarden Euro Umsatzvolumen. Das Ergebnis macht deutlich, welche hohe Relevanz der deutschsprachige App-Markt für Plattform-Betreiber und App-Entwickler genießt.


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