Händler-Blockaden und Preismanipulation

Schwere Vorwürfe gegen Amazon und Apple

1. Dezember 2022, 12:34 Uhr | Lars Bube
Mobile Shopping bei Amazon
© burdun - AdobeStock

Weil sie den Preis für das iPhone und iPad mit illegalen Absprachen und der Aussperrung von Händlern künstlich hochgetrieben haben sollen, müssen sich Amazon und Apple jetzt in den USA vor Gericht verantworten. Der Fall betrifft auch für deutsche Händler und Kunden.

Die amerikanische Anwaltskanzlei Hagens Berman hat beim Bezirksgericht des Bundesstaats Washington in Seattle eine Sammelklage gegen Amazon und Apple eingereicht, die das Zeug dazu hat, die beiden Unternehmen nicht nur in den USA in erhebliche Erklärungsnot zu bringen. Denn den IT-Giganten wird von der Kanzlei im Namen der Kunden vorgeworfen, durch widerrechtliche Absprachen weltweit bewusst den freien Wettbewerb und Handel behindert und so den Preis für Apples iPhones und iPads in ihrem Sinne manipuliert zu haben. Den Anwälten zufolge ist die Grundlage des beklagten Kartellrechtsverstoßes eine „ungesetzliche horizontale Vereinbarung zwischen Apple und Amazon zur Beseitigung oder zumindest starken Verringerung der Wettbewerbsbedrohung durch Drittanbieter“.

Konkret sollen sich Amazon und Apple bei der Erneuerung ihrer Wiederverkaufsvereinbarung vor fünf Jahren darauf geeinigt haben, dass Amazon die Anzahl der Drittanbieter für die Smartphones und Tablets aus Cupertino in seinem Marketplace ab Januar 2019 auf maximal 20 Händler pro Land begrenzt. Im Gegenzug gewährte Apple dem Etailer 10 Prozent Großhandelsrabatt auf die Geräte, führt die Klageschrift aus. Laut Hagens Berman haben die beiden angeklagten Firmen die Existenz einer entsprechenden Vereinbarung bei einer Anhörung im Kongress bereits eingeräumt. Apple habe sich mit diesem Deal über den dominierenden Onlinemarktplatz stabile Preise auf hohem Niveau gesichert, während gleichzeitig Amazon zum führenden iPhone-Anbieter auf seiner Plattform werden konnte.

Nach von der Kanzlei vorgelegten Zahlen ging diese Rechnung für beide Seiten auf. Innerhalb kürzester Zeit nach dem Inkrafttreten sank demnach die Zahl der Händler mit iPhones und iPads im Angebot im Marktplatz in den USA plötzlich von rund 600 auf sogar nur noch 7 Anbieter. Selbst autorisierte Apple-Händler wurden den Angaben zufolge bei dieser Aktion entweder direkt rausgeworfen, oder über den Preiskampf verdrängt.

War Amazons Anteil an den Verkäufen über die eigene Plattform zuvor noch eine Randnotiz, wurde der Onlinekonzern nun plötzlich zum größten Anbieter. Auch das Zubehörgeschäft florierte in der Folge und wurde immer weiter ausgebaut. Apple durfte sich indes darüber freuen, dass die Rabattschlachten deutlich eingedämmt wurden. Hatte es laut den Anwälten zuvor regelmäßig Angebote mit bis zu 20 Prozent Nachlass gegenüber dem Listenpreis gegeben, lagen die meisten jetzt deutlich näher an Apples Vorstellung. Im Durchschnitt seien die Verkaufspreise durch die Absprache und den Händler-Ausschluss um über 10 Prozent gestiegen, rechnen die Anwälte vor.

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