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Name IDS Scheer verschwindet

Software AG setzt auf Beratungskompetenz von IDS Scheer

08. September 2009, 07:27 Uhr   |  Nadine Kasszian | Kommentar(e)

Die Übernahme von IDS Scheer durch die Software AG steht kurz bevor. IDS-Chef Peter Gérard und der Vorstandsvorsitzende der Software AG, Karl-Heinz Streibich, sprechen mit CRN über die Zukunft der zusammengeführten Unternehmen. Gérard wird IDS-Scheer verlassen, Streibich will den Umsatz von einer Milliarde verdoppeln.

Die Übernahme des Software-Herstellers und IT-Dienstleisters IDS Scheer durch die Software AG ist fast perfekt. Das Kartellamt hat der Transaktion bereits zugestimmt. 14 Prozent der Aktien sind gekauft, 48 Prozent vertraglich von den Hauptaktionären August Scheer und Alexander Pocsay zugesichert. Noch bis zum 18. September können die verbliebenen IDS-Scheer-Aktionäre ihre Anteilsscheine an die Software AG verkaufen, die damit insgesamt rund 490 Millionen Euro für das Systemhaus bezahlt. Software AG-Chef Karl-Heinz Streibich macht im Gespräch mit Computer Reseller News klar, dass er eine Komplettübernahme von IDS plant – auch wenn dieser Prozess sich noch bis zu zwei Jahren hinziehen kann.

Streibich sieht die hohe Beratungskompetenz von IDS Scheer als Bereicherung für den produktlastigen Software-Hersteller (siehe auch Interview-Kasten). »Die SAP-Berater von IDS Scheer sind in der Lage, unternehmensweite Prozesse zu implementieren«, erklärt Streibich gegenüber CRN. »Durch den Merger bauen wir einen globalen Player in Deutschland auf«, so der Software-Chef selbstbewusst. In den kommenden fünf bis sieben Jahren hält er es für realistisch, den Umsatz von heute einer Milliarden Euro zu verdoppeln. Durch die Akquise erweitert der Darmstädter Hersteller seine Kundenbasis um 7.500 Neukunden. Bis auf einige Positionen im administrativen Bereich geht Streibich davon aus, dass die Mitarbeiter von IDS Scheer vollständig übernommen werden. Auch der Standort Saarbrücken soll erhalten bleiben. Der Firmenname verschwindet, dafür wird die Software-Marke »Aris« weitergeführt. Zudem steige die regionale Marktmacht der Software AG. Während der Hersteller vor allem in Westeuropa und den USA vertreten ist, zeigt IDS Scheer eine starke Präsenz in Osteuropa und Russland. Streibich sieht in der Übernahme einen wichtigen Schritt für den Standort Deutschland. »Neben SAP werden auch wir künftig eine Größe auf dem Weltmarkt darstellen«, so Streibich.

Die 100-prozentige Beteiligung hat weitreichende Folgen für IDS Scheer: Der derzeitige Vorstandsvorsitzende, Peter Gérard, geht davon aus, dass er, sobald die Übernahme vollzogen ist, den Chefsessel abgeben wird und IDS Scheer verlassen wird. »Ich übergebe ein gesundes Unternehmen – für mich wird es neue spannende Aufgaben geben«, erklärt Gérard im Gespräch mit Computer Reseller News. Gérard hat die Leitung von IDS Scheer vor einem Jahr in einer Krisensituation übernommen. Trotz steigender Umsätze und einer guten Auftragslage arbeitete IDS nicht profitabel. Gérard hat den Software-Anbieter umfangreich restrukturiert. Inzwischen hat er eines seiner wichtigsten Ziele erreicht: Die EBITDA-Marge liegt wieder bei 10,3 Prozent, obwohl der Umsatz zurückgegangen ist. Gérard ging es vor allem darum, IDS Scheer schlanker und effizienter aufzustellen. Die Kosten hat der Manager schon jetzt um 9,6 Millionen Euro reduziert. Doch gleichzeitig wurde auch investiert: IDS Scheer hat weltweit 850 Mitarbeiter für das BPM-Beratungsgeschäft ausgebildet. Dafür hat sich das Unternehmen außerhalb von Europa in einigen Ländern aus dem SAP-Consulting zurückgezogen.

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