Wegen Überlastung

Steuerberater schieben Digitalisierung auf

8. Juli 2022, 16:28 Uhr | dpa | Kommentar(e)
Tag der Abrechnung
© Andrey Popov - AdobeStock

Fast 90 Prozent der Steuerkanzleien geben gegenüber der Datev an, überlastet zu sein. Oft stellen sie dringend notwendige Digitalisierungsprojekte deshalb hinten an.

Die hohe Arbeitsbelastung der deutschen Steuerkanzleien während der Corona-Pandemie hat nach Darstellung des Nürnberger Daten-Dienstleisters Datev zu einem Digitalisierungsstau geführt. Digitalisierungsprojekte in den Kanzleien würden von der hohen Arbeitslast ausgebremst, sagte Datev-Vorstandschef Robert Mayr am Freitag bei der Jahrespressekonferenz des Unternehmens in Nürnberg.

„Ich kann alle verstehen, die angesichts der Arbeitsbelastung nach Freiräumen suchen, um die akuten Aufgaben irgendwie in den Griff zu bekommen“, sagte Mayr. „Doch die Zahlen machen für mich sehr deutlich: Aufgeschoben darf nicht zu aufgehoben werden“, sagte Mayr. „Digitalisierung ist ein wesentlicher Faktor, um in einer Welt, in der sich mehrere Krisen überlagern, sicher in die Zukunft zu navigieren.“

88 Prozent der Steuerkanzleien hätten bei einer Befragung angegeben, überlastet zu sein. Die Abwicklung der Grundsteuerreform werde die Situation in den nächsten Wochen nicht entspannen. Bis Ende Oktober müssen in Deutschland rund 36 Millionen Grundstücke sowie land- und forstwirtschaftliche Betriebe neu deklariert werden, ein Drittel werden voraussichtlich die Steuerkanzleien zu stemmen haben.

Datev ist als IT-Dienstleister vor allem für Steuerberater und deren meist mittelständischen Mandanten tätig. Das genossenschaftlich organisierte Unternehmen erzielte im vergangenen Jahr ein Umsatzplus von 5,5 Prozent und erlöste insgesamt 1,22 Milliarden Euro. Datev beschäftigt nach eigenen Angaben 8.400 Mitarbeiter. Insgesamt unterstützt Datev über die Steuerkanzleien 2,5 Millionen Unternehmen, Selbstständige, Kommunen, Vereine und Institutionen bei deren steuerlichen und buchhalterischen Belangen.

70 Prozent der Steuerkanzleien klagten bereits über Fachkräftemangel. Zunehmend seien neben steuerlichen Fachkenntnissen auch Kompetenzen im Bereich Digitalisierung gefordert.

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