Kommunikations-Software

Stopp für Microsoft Teams in Schulen

2. August 2022, 12:56 Uhr | Folker Lück | Kommentar(e)
Microsoft Teams
© dennizn - AdobeStock

Schulen dürfen in Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg Videokonferenzen mit Microsoft Teams nicht mehr nutzen, da Datenschutzbedenken bestehen.

Die Datenschützer argumentieren mit dem fehlenden Schutz und dem Abfließen personenbezogener Daten von Minderjährigen in die USA. Das teilt das Unternehmen Relution GmbH mit. Relution bietet im Bereich der digitalen Schulbildung seit über einem Jahrzehnt eine Mobile-Device-Management-Anwendung an. Die Relution GmbH gehört zur Mway Group GmbH mit Sitz in Stuttgart. Der Anbieter geht davon aus, dass andere Bundesländer höchstwahrscheinlich nachziehen werden oder auch die Duldung nicht weiter verlängern – „…auch wenn man sich nicht allerorten einig ist“.

In anderen Teilen der Republik wartet man noch ab, ob Microsoft das Versprechen hält, eine europäische Cloud einzurichten und gewährleisten kann, dass Daten nicht zum Mutterkonzern nach Übersee übermittelt werden. Das Land NRW stufe Microsoft 365 zwar aktuell als „datenschutzrechtlich bedenklich“ ein, empfehle seine landesseitig erstellte Softwarevariante, traue sich aber zu keiner konkreten Verbots-Aussage, heißt es dazu von Relution. Man sei noch „in der Prüfung“, wie auf dem Schulportal des Landes NRW mitgeteilt wird. Einem Bericht der Tageszeitung „Rheinische Post“ zufolge dürfen Schulen in NRW laut der Datenschutzbeauftragten Bettina Gayk derzeit Microsoft Teams nutzen.

Relution sieht den Stopp für die Microsoft-Software zwiespältig: „Microsoft Teams ist an vielen Schulen sowas wie eine digitale Kommunikationsheimat geworden. Vor allem in Zeiten der gesellschaftlich geforderten und gewünschten Umstellung auf einen Remote-Austausch. Datenschutz ist unbestritten ein wichtiges Thema bei der Betrachtung der Causa Microsoft Teams, doch auf der Habenseite steht die weite Verbreitung, die Akzeptanz, die Professionalität, die Stabilität und die gelernte Bedienbarkeit der Anwendung“, meint das Unternehmen.

Software-Alternativen aus Deutschland

Und wie weiter? Der Schul-Spezialist will sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen: „In erster Linie sind wir als Mobile-Device-Management-Software neutral und empfehlen keine Apps oder Hersteller. Wir agieren plattformunabhängig.“ Doch indirekt rät Relution den Schulen oder betreuenden Fachhändlern ganz pragmatisch, sich einmal Alternativen aus Deutschland anzusehen: „Deutschlands Tech-Unternehmen sind nicht ‚digitaldumm‘. Heimische Anbieter können Software. Das ist kein Know-how-Privileg von US-Unternehmen aus Redmond oder des Silicon Valleys. Es gibt sehr gute lokale Lösungen, die in Hinsicht auf Performance, Qualität und Stabilität der vollen Reife sehr nah sind. Leider sind diese Lösungen häufig nicht so bekannt wie die Lösungen amerikanischer Großkonzerne. Der datenschutzkonforme Betrieb kann von kommunalen Rechenzentren, lokalen Systemhäusern oder auch von zertifizierten europäischen Cloud-Anbietern sichergestellt werden.“

Das Unternehmen resümiert: Wichtigstes Ziel sei eine störungsfreie Kommunikation zwischen Lehrkräften, Schülern und Eltern. Es gebe auf dem Markt zahlreiche Anwendungen, die das entstehende Microsoft-Teams-Vakuum ausfüllen können. Ob Messenger oder Videokonferenzprogramme – die europäischen, datenschutzkonformen Lösungen seien mehr als nur Zweite-Wahl-Alternativen.

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