Hohe Inflation, Mangel an Fachkräften

Systemhäuser wollen/müssen Preisen erhöhen

3. Juni 2022, 9:31 Uhr | Martin Fryba | Kommentar(e)
ICT CHANNEL
Blitzumfrage unter rund 300 Systemhäusern auf der Synaxon-Impulse 2022 in Kassel: Friedrich Pollert stellt fest: Viele wollen diesen Jahr die Preise bis zu 10 Prozent erhöhen
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Geld gegen Technikerzeit ist immer noch das dominante Abrechungsmodell bei Systemhäusern. Die wollen - oder besser - müssen ihre Preise an die steigenden Kosten anpassen, wie eine nicht repräsentative Blitzumfrage unter rund 300 Systemhäusern ergab.

Hätte ein Systemhaus den aktuellen Preisspiegel der Verbundgruppe Synaxon 2022 studiert, „die Preisanpassung zum Jahresanfang wäre anders ausgefallen“, zitiert Friedrich Pollert einen IT-Unternehmer gestern auf der Veranstaltung Impulse in Kassel. Der Leiter der Akademie stand vor rund 300 Systemhaus-Besuchern auf der Bühne und nutzte die Gelegenheit für eine Blitzumfrage zum Thema Preiserhöhungen. „Wer wird die Preise noch in diesem Jahr erhöhen“, fragte er. Rund 50 Hände gingen sofort hoch. Dann seine Anschlussfrage: Wer hebt um bis zu fünf Prozent an? Nur wenige Handzeichen registrierte Pollert, ebenso beim Preispunkt über zehn Prozent. Die meisten Systemhaus-Chefs im Saal wollen die Preise zwischen fünf und zehn Prozent nach oben schrauben, und zwar noch in diesem Jahr.

Chief Happiness Officer spielen wird nicht reichen
Die hohe Inflation im Kopf und die nächste Gehaltsrunde vor Augen, wissen IT-Unternehmer, was auf sie demnächst zukommt. Der Fachkräftemangel schwächt ihre Verhandlungsposition zusätzlich. Vor allem Techniker wollen bei Laune gehalten werden. Mit jedem Statement eines Systemhaus-Inhabers, dass man wachsen könnte und das auch wolle, wäre da nicht der Engpass bei technischem Personal, verfestigt sich beim Arbeitnehmer seine Unentbehrlichkeit. Im schlechtesten Fall für den Arbeitgeber steigen die Gehaltsansprüche seines Personals. Erfüllen, weil man sonst einen Mitarbeiter an den Wettbewerb verliert? Andere Benefits oder einen Karrieresprung in Aussicht stellen und sich künftig als noch attraktiverer Arbeitgeber seiner Belegschaft zu präsentieren? Im Kampf um gute Köpfe, die man neu gewinnen oder auf jeden Fall zu halten versucht, muss sich so mancher Chef neu erfinden.

Nicht jeder kann, nicht jeder will den Chief Happiness Officer spielen. Als ob sich ein mittelständischer IT-Unternehmer angesichts steigender IT-Komplexität  - und mit ihr freilich steigende Chancen für neues Geschäft - nicht schon genug den Kopf über die strategische Ausrichtung seines Systemhauses zerbrechen muss. Ohne Personal geht es nicht, selbst wenn man noch so sehr auf perfekt automatisierte Managed Services setzt. Denn auch dieses Geschäftsmodell funktioniert nicht ohne genügend technisches Personal.
 

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