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The »Big Bing« von Microsoft

29. Mai 2009, 15:16 Uhr   |  Lars Bube | Kommentar(e)

The »Big Bing« von Microsoft

Auf der Suche nach dem Produktnamen für seine neue Suchfunktion hat Microsoft einen Volltreffer gelandet. Nein, der Namenspate von »Bing« ist nicht Bing Crosby- der mit »Dreaming of a White Christmas«.

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Auf einer Konferenz in Kalifornien hat Microsoft-Chef Steve Ballmer den Namen der neuen Suchmaschine bekannt gegeben, die der Softwarehersteller unter dem Codenamen »Kumo« entwickelt hat.

Das Baby hört auf den schwer nach den Teletubbies klingenden Namen »Bing« und soll als Vorab-Version weltweit ab dem 3. Juni unter http://www.bing.com beziehungsweise in Deutschland unter http://www.bing.de verfügbar sein.

Vom Moderator darauf angesprochen, ob vielleicht Weihnachtssänger Bing Crosby Pate für die komische Bezeichnung gestanden habe, verneinte Ballmer. Bing sei einfach und kurz. Ganz ernst konnte aber auch Ballmer nicht bleiben und übte vor dem Publikum verschiedene Aussprachemöglichkeiten für Bing.

Keine klassische Suchmaschine

Laut Microsoft ist Bing keine klassische Suchmaschine, sondern eine »Entscheidungsmaschine«. Ob sich dahinter nur ein Marketing-Trick verbirgt, müssen Tests von Bing zeigen. Statt nur Suchergebnisse zu präsentieren, soll Bing dem User auch bei täglichen Entscheidungen helfen, etwa beim Einkaufen oder der Planung einer Reise.

Nach Berichten von Wired und Cnet, deren Redakteure bereits einen Blick auf Bing werfen konnten, ist Microsofts Suchmaschine, pardon Entscheidungsmaschine Google in einigen Bereichen gleichwertig, etwa bei der Suche nach Produkten und damit zusammenhängenden Bewertungen durch Käufer oder Nutzer.

Laut Microsoft bietet Bing ein User-Interface, das über alle Suchkategorien wie »Bilder«, »Videos«, »Shopping«, »News« und »Maps« konsistent bleibt. Auch die Darstellung der Suchergebnisse erleichtert dem Nutzer den Umgang mit den gefundenen Informationen: So stellen beispielsweise »Instant Answers« dem Anwender eine kurze Vorab-Information zum Suchergebnis bereit.

Die neue Startseite bezieht in sieben Ländern, darunter Deutschland, das Verbraucher- und Shopping-Portal Ciao mit ein. Statt die Relevanz der Ergebnisse rein über einen Algorithmus zu sortieren, berücksichtigt Bing, welche Ergebnisse für vorherige Nutzer hilfreich waren und bietet dem aktuellen User entsprechende Resultate an.

Viel Geld für Marketing

Um den Erfolg von Bing sicherzustellen, will Microsoft kräftig investieren. Die Rede ist von einem Marketingetat von 80 bis 100 Millionen Dollar. In jedem Fall muss Microsoft einiges tun, um aufzuholen, hat die Firma mit ihrem glücklosen »Live Search« im Suchmaschinenmarkt nach Angaben der Internet-Analyse-Firma Comscore gerade einmal einen Marktanteil von acht Prozent (siehe unseren Artikel).


Der Startbildschirm von Bing: Die Suchrubriken oben, etwa "Bilder", "Videos", "Shopping" et cetera, sind die zentralen Orientierungspunkte.

Auch wenn Bing tatsächlich einige interessante neue Ideen ins Spiel bringt, dürften die Jubelrufe von Microsofts allerdings ähnlich überzogen sein wie die der Forrester-Analysten Analysten Rebecca Jennings und Shar Van Boskirk. Diese sehen Microsoft jetzt gar an der Spitze der Suchtechnik.

Forrester ist der Auffassung, Bing werde »Microsoft einen Vorsprung zur Konkurrenz geben, und zwar durch das Wissen, wie Benutzer im Internet suchen«, und damit »einen Wandel in der Suchmaschinen-Praxis einleiten«. Google, Yahoo et cetera würden diesem neuen Format folgen müssen.

Tatsächlich dürfte Microsoft mit Bing eher Yahoo User abjagen als dem Branchenprimus Google, der noch dazu als unangefochtener Spitzenreiter vom Gewohnheitseffekt profitiert. Dennoch zeigt Bing, wie auch andere Suchmaschinen wie Wolfram Alpha, Semager oder Hakia, dass sich derzeit eine neue Art der Suche entwickelt. Und diese werden neue Methoden der Suchmaschinenoptimierung nötig machen – gute Chancen für Experten und Consultants.

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