IDC Studie

Unternehmen wollen intelligent automatisieren

10. Juni 2022, 11:02 Uhr | Folker Lück | Kommentar(e)
Zahnrad: Prozessautomatisierung wird intelligenter
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Mehr als zwei Drittel der deutschen Unternehmen setzen künftig auf intelligente Prozessautomatisierung. In den nächsten 24 Monaten wird mehr als die Hälfte der Lösungen mit KI-Funktionalitäten ausgestattet sein.

Auch wenn Prozessautomatisierung in deutschen Unternehmen fast flächendeckend zum Einsatz kommt und kein neues Thema ist, ist die unternehmensweite Durchdringung der Geschäftsbereiche noch nicht gegeben. Bei der Nutzung der verfügbaren Tools und Lösungen liegt noch viel Potenzial brach. Die kürzlich von IDC veröffentliche Studie zeigt, dass das Potenzial von intelligenter Prozessautomatisierung hoch ist und die Nutzungsraten in den kommenden 24 Monaten rasant steigen werden.

Business-Anforderungen

Der Bedarf an mehr Geschäftsprozessautomatisierung und vor allem intelligenter Prozessautomatisierung spiegelt klar das geschäftliche Umfeld wider, in dem die Entscheider aktuell agieren. Die Ziele der intelligenten Automatisierung gehen in hohem Maße Hand in Hand mit den Business-Prioritäten der Unternehmen. Die Unternehmen wollen ihre Betriebs- und Produktkosten senken (32 %), die Leistung der Mitarbeiter sowie die Gewinnung und Entwicklung von Talenten verbessern (31 %), die Nachhaltigkeit erhöhen (30 %) sowie Prozesse modernisieren (29 %). „An den Ergebnissen können wir ganz deutlich den Wertbeitrag der Automatisierung ablesen, vor dem die Organisationen im aktuellen herausfordernden Jahr 2022 stehen“, sagt Matthias Zacher, Senior Consulting Manager und Projektleiter der Studie.

Ökosysteme bilden sich heraus 

In der robotergesteuerten Prozessautomatisierung (Robotic Process Automation – RPA) sind heute beispielsweise unterschiedliche Typen von Bots verfügbar. 37 Prozent der Unternehmen setzen beaufsichtigte Bots ein, bei 33 Prozent sind es unbeaufsichtigte Bots, 29 Prozent nutzen hybride Bots. Der Anteil ihrer Nutzung wird innerhalb der nächsten 24 Monate rasant steigen und sich verdoppeln, da diese Softwareprogramme immer mehr Aufgaben zur direkten Unterstützung der Mitarbeiter übernehmen, eigenständig und vollautomatisiert in den IT-Systemen agieren und Vorschläge zur Entscheidungsvorbereitung machen. Neben der klassischen RPA erweitern Lösungen und Technologien wie Process Mining (35 %), Workflow Automation (34 %), Workflow Orchestration (29 %) und Case Management (29 %) das Potenzial der Automatisierung erheblich.

Damit nähern sich RPA und Business Process Management (BPM) folgerichtig immer stärker an. IDC beobachtet hier einen eindeutigen Trend in Richtung Ökosysteme und Plattformen. Damit reagieren die Anbieter auf Anforderungen der Anwender, denn gemäß der Befragung betrachten 67 Prozent Plattformen und die Orchestrierung der Tools als einen deutlichen Mehrwert für Automatisierung. Hier bedarf es aber einer umfassenden Transparenz und einer konsequenten Nutzung von Standards, um schnell positive Effekte zu erreichen.

Zwei Drittel setzen auf IPA

Parallel zur klassischen Robotic Process Automation etabliert sich zunehmend die intelligente Prozessautomatisierung. Intelligente Prozessautomatisierungssoftware ist ein Portfolio von Technologien, die zur Umstrukturierung, Integration, Orchestrierung und Automatisierung von Geschäftsabläufen und den damit verbundenen Prozessen eingesetzt werden. Damit ist es möglich, Prozesse in Prozessketten zusammenzufassen und miteinander agieren zu lassen. Mehr als 30 Prozent der Unternehmen setzen bereits Tools zur intelligenten Prozessautomatisierung ein. In den kommenden 24 Monaten wollen bereits mehr als 70 Prozent diese Tools nutzen.

Die intelligente Prozessautomatisierung eröffnet den Weg zur End-to-End-Automatisierung. Damit wird endlich eine Anforderung der Entscheider abgedeckt, die seit mehr als 30 Jahren besteht und bislang lediglich punktuell und mit großem Aufwand umgesetzt werden konnte. Aktuell verfügbare Technologien ermöglichen es nun, im Zusammenspiel der verschiedenen Lösungen Automatisierungslücken sukzessive zu verkleinern oder zu schließen.

KI als zentrale Komponente

Der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) gilt, wie in vielen anderen Bereichen der Unternehmen, auch in der Prozessautomatisierung als wichtiges Tool zur Verbesserung und Modernisierung der Lösungen. Somit überrascht es nicht, dass 26 Prozent der Entscheider gezielt auf kognitive RPA setzen. Hinzu kommt die Tatsache, dass künstliche Intelligenz in immer mehr Lösungen als Teilfunktonalität vorhanden ist, wie beispielsweise in der Dokumentenverarbeitung und im Conversational AI (30 %). Diese beiden Nutzungspfade werden dazu führen, dass in den nächsten 24 Monaten mehr als die Hälfte der Lösungen mit KI-Funktionalitäten ausgestattet sein werden. Die Automatisierung wird also mit Hilfe von KI immer intelligenter, neue Use Cases entstehen.

Für die IDC Studie „Intelligent Process Automation (IPA) in Deutschland 2022“, wurden im März dieses Jahres branchenübergreifend 201 Unternehmen befragt.

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