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Verzögerte Corona-Hilfen

Verspätete Auszahlung durch Mangel an Softwareentwicklern

15. Februar 2021, 16:14 Uhr   |  Selina Doulah | Kommentar(e)

Verspätete Auszahlung durch Mangel an Softwareentwicklern
© Pixabay

Mit Corona-Hilfen in Milliardenhöhe sollen Unternehmer keine Angst vor dem Existenz-Aus haben müssen. Doch die Hilfen kommen zu spät. Was der Fachkräftemangel damit zu tun hat, erklärt ein Rechenbeispiel.

»Corona-Sofort-Hilfe« nannte das Bundeswirtschaftsministerium das milliardenschwere Hilfspaket für Solo-Selbstständige und Klein-Unternehmer, die aufgrund des Lockdowns zur Bekämpfung der Pandemie ihre wirtschaftlichen Aktivitäten nahzu einstellen mussten. Doch von »Sofort« kann nicht die Rede sein, denn die Hilfen, die im November bantragt werden konnten, sind oftmals bei den Hilfsbedürftigen noch gar nicht angekommen oder aber konnten noch nicht beantragt werden. Woran liegt das?

Die sogenannte Überbrückungshilfe 3 kann erst seit dem 10. Februar 2021 bantragt werden. Grund dafür ist die dafür neu eingerichtete Plattform. Diese war bis dato noch nicht fertig gestellt. Das könnte bereits der Kern des Problems sein: Die verspätete Auszahlung der Coronahilfen in Deutschland ist auf einen Mangel an Programmierkapazität zurückzuführen, um die notwendigen Onlineformulare zu erstellen, ließ das Bundeswirtschaftsministerium wissen. Die fehlenden Programmierer haben das Versprechen von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, die Hilfsgelder schnell und unbüro­kratisch auszuzahlen, zunichte gemacht. „Das ist ein tragisches Beispiel dafür, welche enormen Auswirkungen der Mangel an Softwareentwicklern heute schon hat“, sagt Edward Lenssen, CEO des niederländischen Software-Unternehmens Beech IT.

»Die Erstellung von Software wird zu einem Flaschenhals«

Der Beech-Chef prognostiziert: »Die Erstellung von Software wird in den 2020er Jahren zu einem kritischen Flaschenhals für Regierungen, Behörden und die Wirtschaft werden.« Lenssen begründet seine Befürchtungen damit, dass die Programmierung von Computern nach heutigem Kenntnisstand kaum automatisierbar ist, und verdeutlicht den Aufwand zur Software­erstellung anhand eines Rechenbeispiels.

Üblicherweise rechne man mit einer Produktivität von zehn bis fünfzig Codezeilen je Mitarbeiter und Tag. Ein Softwareentwicklungsprojekt mit einem Aufwand von 1.000 Personentagen, also in etwa fünf Personenjahre, produziert somit zwischen 10.000 und 50.000 Codezeilen. Zur Einordnung: In einem Smartphone mit dem Betriebssystem Android werkeln rund 14 Millionen Programmzeilen. Die Diskrepanz zwischen dem notwendigen Aufwand einerseits und den stark wachsenden Programm­größen andererseits verdeutlicht die wachsende Lücke bei der Softwareentwicklung. »Das ohnehin drängende Problem wird dadurch verschärft, dass die Softwaresysteme immer komplexer werden«, erklärt Edward Lenssen: »Schließlich ging es auch bei den Coronahilfen nicht nur um bloße Formulare, sondern vor allem auch um die Anbindung an die entsprechenden IT-Systeme zur weiteren Verarbeitung der eingegebenen Daten.«

Die Situation des deutschen Bundeswirtschaftsministers und vor allem der Firmen, die verzweifelt auf die Unterstützungsgelder warten, steht beispielhaft für die Hilflosigkeit angesichts mangelnder Softwareentwicklungskapazitäten, warnt Beech-Chef Edward Lenssen. Er empfiehlt: Behörden und Unternehmen seien gut beraten, sich heute schon Programmierkapazitäten langfristig zu sichern, um morgen nicht so hilflos zu sein wie heute der Bundeswirtschaftsminister.

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