IT-Betrieb: Abo-Modell von Einsnulleins

Vom Experiment zur Expansion

25. März 2021, 12:00 Uhr | Martin Fryba | Kommentar(e)
Synaxon
Eröffnung in München: Synaxon-Chef Frank Roebers (rechts) hatte zuvor Martin Eickelschulte (2.v.r.) und Einsnulleinsvorstand Norbert Fellner (3.v.r.) versichert: »Einsnulleins ist kein Billigheimer«
© Synaxon

Verpasster Cloud- und Managed Service-Aufbau: Viele Systemhäuser reagierten zu spät oder falsch. Auch Einsnulleins kennt hohe Hürden, nun aber schaltet der Dienstleister für externen IT-Betrieb auf bundesweite Expansion. Gewagtes Experiment im Fanchise-Modell geglückt? Ein Zwischenbericht.

20 Workstations mit Vor-Ort-Service: 650 Euro, zwei virtuelle Server: 356 Euro, 500 GB Backup: 100 Euro, 30 E-Mail-Postfächer: 180 Euro, zwei Switche: 20 Euro, Firewall: 99 Euro, NAS: zehn Euro, macht insgesamt: 1.415 Euro. So könnte das »IT-läuft-Abo« zum monatlichen Festpreis für ein kleineres Unternehmen aussehen, nachdem der Einsnulleins-Techniker die IT-Bestandsaufnahme beim Kunden durchgeführt hatte. Sind die Onboarding-Kosten für die Übernahme in die Betriebsverantwortung geklärt, der Abo-Vertrag mit einem regionalen Einsnulleins-Dienstleister unterzeichnet, kann der Kunde den bisher mehr schlecht als recht agierenden Dienstleister oder, was immer noch oft bei KMUs vorkommt, den Freelancer vom Hof jagen. Die Zufriedenheitsgarantie ist im Vertrag verankert: Bei Nichtgefallen Geld zurück und jederzeitige Kündigung zum Monatsende.

Was hier vollmundig und selbstbewusst als »Revolution der Zufriedenheit« im IT-Dienstleistungsmarkt verkauft wird, hat eine längere Historie - fehl geschlagene Experimente und falsche Annahmen über den Markt und Kundensegmente eingeschlossen.Vom IT-Labor, über den Maschinenraum bis zur Kunden-IT war es noch vor rund zehn Jahren alles andere als ein technologischer Katzensprung. Services statt Server in die Köpfe eines Vertriebs zu implementieren, ist bis heute eine komplizierte Chirurgie geblieben.


Misserfolge seien lediglich Gelegenheiten, mit neuen Ansichten noch einmal anzufangen, wird Henry Ford, Erfinder der Fließbandfertigung, zitiert. Synaxon-Chef Frank Roebers und sein wichtigster Kopf im Maschinenraum des Managed Service-Anbieters Einsnulleins, Frank Weber, sind seit 2013 oft zwei Schritte zurück und einen wieder nach vorne gegangen, bis sie endlich das Fließband, besser: die Fließbänder gefunden und verzahnt haben, die man braucht, um das »IT-läuft-Abo« und alle damit zusammenhängenden Systeme und Prozesse wie etwa den Einsatz von RMM, Ticketsystem, ERP sowie zentraler 1st-and-2nd-Level-Support aus der Einsundeins-Zentrale in Schloss Holte so zu standardisieren, dass es jetzt im Franchise-Konzept ausgerollt werden kann.


Keine Konkurrenz untereinander
Die Pilotphase mit Standorten selbständiger Unternehmer in Hamburg, Erlangen und München verlief positiv, sechs weitere Niederlassungen in Pilotphase zwei wurden eröffnet und der wohl wichtigste Meilenstein eben erst gesetzt: Die Beiräte der Verbundgruppe von Synaxon haben grünes Licht gegeben für die bundesweite Expansion der Einsnulleins. Die Bedenken, dass ausgerechnet ihre Systemhaus- und Fachhandelskooperation einen neuen IT-Dienstleister entstehen lässt, der ihnen Konkurrenz macht und Kunden wegschnappt, konnte Roebers nach längeren Diskussionen ausräumen. »Wir haben transparent alle Zahlen offengelegt und klar machen können, dass Einsnulleins kein Billigheimer ist, ja sogar höhere Preise für eine IT-Betreuung verlangt als Managed Serviceangebote vieler Systemhäuser«, sagt der Synaxon-Chef im Gespräch mit ICT CHANNEL.


Befreiungsschlag aus dem IT-Chaos
Roebers will im IT-Servicemarkt das wiederholen, was der Verbundgruppe mit dem Filialisten PC-Spezialist im Computerhandel gelungen ist: Ein Franchise-Modell aufziehen, bundesweit und sogar international (Helsinki und Barcelona sind im Gespräch) Einsnulleins-Unternehmen mit selbständigen Lizenz-Nehmern etablieren. Bei PC-Spezialist gibt es bereits seit längerem schon einen Remote-Service.

Zielgruppe: Freelancer und ganz kleine Firmen bis zehn Mitarbeiter. Einsnulleins soll sich dagegen auf die Klientel ab zehn bis 250 Mitarbeiter konzentrieren. Eine ambitionierte Bandbreite, bedenkt man, dass zwischen Handwerk und einem mittelständischen Fertigungsbetrieb nicht nur die Arbeitsprozesse unterschiedlicher nicht sein könnten, sondern auch die bereits vorhandene IT. Im Wildwuchs sind sie sich vielleicht aber ähnlich, so dass die strikte Standardisierung des IT-Konzepts von Einsnulleins für viele Betriebe ein Befreiungsschlag aus dem IT-Chaos samt überfordertem Verantortlichen sein könnte.


101 Standorte geplant
Zu den bereits zehn aktiven Einsnulleins-Unternehmern, die sich geografisch gesehen die Filetstücke in den Millionenstädten schon gesichert haben, sollen jährlich 25 neue Standorte im Bundesgebiet dazu kommen. 101 Filialen schwebt Roebers vor. Was so schön zum Firmennamen passt, muss indes nicht aufgehen.


Der IT-Dienstleistungsmarkt ist zwar fragmentiert, bietet also viel Potenzial, und nicht einmal die fast überall in einer Region sitzende Bechtle bringt es auf einen Marktanteil, der signifikant größer wäre als zehn Prozent. Ob die Einsnulleins-Expansion schon bei 80 Standorten oder erst bei 120 Filialen unerwünschte Kanibalisierung unter den selbständigen Filialisten auslöst, wird sich erst noch zeigen müssen.

Vorerst scheint dieses am grünen Tisch mit den Beiräten gelöste Problem theoretischer Natur. Mit wachsendem Netzwerk steigt aber das Risiko eines Verteilungskampfs, der die Harmonie der Korporierten empfindlich stören würde. Was wenn ein Einsnulleins-Partner auf einen Kunden trifft, der mächtig unzufrieden mit einem betreuenden iTeam-Systemhaus oder IT-Service.Network-Partner ist? Alle drei Dienstleister sind ja unter einem Dach der Synaxon vernetzt und sollen sich - so die Theorie -  nicht ins Gehege kommen. Roebers und vor allem seine Partnerbetreuer müssten moderieren oder darauf vertrauen, dass die Partner Konflikte um Kunden untereinander regeln.

Ganz abgesehen von Reibereien, die immer dann hochkochen, wenn ein Franchise-Geber Muskeln spielen lässt und beispielsweise Lizenzgebühren erhöht oder sonstige Richtungsänderungen vorgibt. Roebers hatte solche Phasen bei PC-Spezialist erlebt, bleibt aber »Fan von Franchising«, wie er unbeirrt bekennt. Es fehlt dem startegischen Kopf an der Synaxon-Spitze sicher nicht  an der nötigen Sensibilität im Umgang mit partiell unabhängigen Unternehmern. Seit er auch die Systemhausgruppe iTeam unter dem Synaxon-Dach führt, ist von einer gewissen Unnahbarkeit des intellektuellen Wagnerianers, von der manche Systemhaus-Partner berichteten, nichts mehr zu spüren. Er hat ja auch Frank Weber zur Seite, der Strategie und Theorie in den praktischen Einsatz des Managed Service-Maschinenraum bringt - der Einsnulleins und, wenn ihn Partner bitten, auch in deren Gewerken.

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