Selbsternannter Tech-Konzern

VW will autonomes Fahren in die Breite bringen

14. Juli 2021, 10:52 Uhr | dpa | Kommentar(e)
© Volkswagen

Der Volkswagen-Konzern will bis 2025 73 Milliarden Euro in neue Technik investieren. Eine eigene Software-Sparte ist bereits gegründet. Nun sollen autonomes Fahren und Mobilitätsdienste noch stärker in den Fokus rücken.

Pkw und Busse, die sich selber steuern. Apps, die das passende Shuttle oder Carsharing-Angebot suchen. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz scheint manchmal noch abstrakt - in den Autos des Volkswagen-Konzerns soll er bald ganz konkrete Realität werden.

Der größte Hersteller Europas bündelt seine Pläne für den Hochlauf des autonomen Fahrens auf separaten Technologie-Plattformen - so wie man das bisher mit der Antriebstechnik machte. Die verschiedenen Dienstleistungen, die um eigene Fahrzeug-Software angeordnet sind, sollen in den nächsten Jahren konzernweit vereinheitlicht werden. Nach dem Ausbau der E-Mobilität, die nun mit üppiger staatlicher Förderung stärker bei den Verbrauchern ankommt, soll es das nächste „große Ding“ werden, mit dem sich die Branche neu erfinden will.

VW-Chef Herbert Diess sieht beträchtliches Potenzial. „Die Mobilität 2030 wird autonom sein, digital, smart, nachhaltig und sicher“, sagte er am Dienstag zur Vorstellung der neuen Strategie. Das Konzept trägt seine Handschrift - und dürfte mit ein Grund dafür sein, dass er gerade einen Anschlussvertrag bis zum Herbst 2025 bekam. „Der Verkehr wird viel sicherer, Autos werden miteinander kommunizieren.“

Bisher muteten solche Vorstellungen noch etwas wolkig an. Sie werden jetzt zusehends mit Projekten unterlegt. So testet VW autonome Busse in München - weitere Vorhaben in Deutschland, den USA und China folgen. Zur Fußball-WM Ende 2022 in Katar sollen autonome E-Busse im Land des Großaktionärs vom Persischen Golf unterwegs sein.

Generell werden „selbstfahrende Systeme“, ihre Integration ins Auto, die Steuerung ganzer Flotten und der Aufbau von Mobilitätsplattformen ein Kernthema - letztere auch im Wechselspiel mit Sharing-Angeboten und dem öffentlichen Nahverkehr. Das Langfrist-Ziel lässt aufhorchen: das „weltweit größte neuronale Netz von Fahrzeugen auf den Straßen“.

Das erwartete Marktvolumen ist gigantisch - auch wenn Schätzungen zum Umfang auseinandergehen. Die Einnahmen aus allen Autoverkäufen, die mit neuen Software-Funktionen zusammenhängen, werden von VW bis 2030 branchenweit auf bis zu 1,2 Billionen Euro taxiert. Dies könnte dazu führen, dass der Mobilitätsmarkt insgesamt auf 5 Billionen Euro zulegt. Allein in den fünf größten Automärkten Europas und bezogen auf Mobilitätsdienste im engeren Sinne rechnen die Wolfsburger mit 70 Milliarden Dollar (59 Mrd Euro).

Dabei kommt es natürlich darauf an, welche Ausbaustufe gemeint ist. Beim autonomen Fahren in seinen reinsten Formen - den Stufen 4 und 5 - dürfte das Geschäft im Jahr 2030 noch relativ überschaubar sein, glaubt etwa die Beratungsfirma Accenture. Man kalkuliert hier mit einem Marktanteil von „etwas über 4,5 Prozent mit mindestens Level 3“. Auf unteren Stufen geht es eher um erweiterte Assistenzsysteme. „Insofern lässt die Revolution des autonomen Fahrens noch auf sich warten.“ Das Software-Thema sei komplexer als vielerorts angenommen.


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  2. Investitionen in autonomes Fahren und Mobilitätsdienste

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