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Zwischen Aufbruch und Zusammenbruch

Was bleibt, wenn Corona geht

31. Juli 2020, 11:07 Uhr   |  Martin Fryba | Kommentar(e)

Was bleibt, wenn Corona geht
© Deliris | Adobe Stock

Masken werden verschwinden, sicheres Arbeiten am heimischen PC dagegen bleibt

Kommt der heiße Herbst mit vielen Insolvenzen? Oder liegen die schlimmsten Folgen der Pandemie hinter uns? Ein Zurück gibt es in keiner Krise, dafür aber auch dieses Mal positive Effekte - ausgelöst durch IT und Digitalisierung. Auf der Strecke bleiben Unternehmen, die schon vorher angezählt waren.

Amazon plus 47 Prozent, Apple plus 17, Microsoft plus 13, der Nasdaq-100 knapp zweistellig im Plus und auch deutsche Technologie-Aktien wie SAP (plus sechs) oder Systemhausschwergewicht Bechtle (plus zwölf): Allesamt haben sie mit Blick auf den Aktienkurs die Corona-Krise nicht nur überstanden, sondern ihre Marktkapitalisierung seit Mitte Februar bis Mitte Juli sogar noch gesteigert. Überflieger Zoom schlägt sie alle: Der US-Videokonferenz-Anbieter erlebte und erlebt eine bis dahin nie gekannte Nachfrage, der Aktienkurs explodiert regelrecht und legt in fünf Monaten satte 370 Prozent zu. Der Tecdax überspringt wieder die 3.000-Marke, liegt Mitte Juli nur noch knapp 300 Punkte hinter der historischen Höchstmarke kurz vor dem pandemiebedingten Lockdown der Wirtschaft und Gesellschaft. War da mal was?

Nicht mehr als ein Husten, werden Kapitalismusforscher wie Werner Plumpe vielleicht in zehn Jahren schreiben und ihrem Augen öffnenden Werk (Das kalte Herz. Kapitalismus: Die Geschichte einer andauernden Revolution. Rowohlt, 2019) ein neues Kapitel hinzufügen, das ihr Bild vom krisenresilienten Kapitalismus stützt.

Plumpe, dessen irreführender Buchtitel in keiner Weise die Erwartungen und Hoffnungen von Kapitalismuskritikern und Marxisten bedient, beschreibt vielmehr eine Erfolgsgeschichte einer höchst elastischen Wirtschaftsform, die sich bislang aus jeder Krise wie der »Phönix aus der Asche« wieder erhoben habe, die aber kein System sei, kein Zentrum kenne und nicht von wenigen Akteuren aus der Hochfinanz gelenkt werde, wie so mancher Anhänger von Verschwörungstheorien glauben machen will.

Business as usual?
Historiker Plumpe, als Student »überaus links« gestanden, ist kein Ideologe, er ist und bleibt kritischer, abwägender Wissenschaftler. Insofern sieht er im enormen Aufblähen der Geldmenge nach der Finanzkrise 2008/2009, in der Nullzinspolitik, in Staatsverschuldungen und in einem entfesselten Finanzmarktkapitalismus sehr wohl den Wohlstand einer breiten Bevölkerung gefährdet und soziale Marktwirtschaften zerrüttet. Gleichwohl beschreibt er eine Krisenfestigkeit des Kapitalismus, der aus dem Zusammenbruch des globalen Finanz- und Bankenmarkts sogar gestärkt hervorgegangen sei. »Zwar ist der nächste konjunkturelle Einbruch nur eine Frage der Zeit, aber ernsthafte Anzeichen für eine strukturelle Krise der kapitalistisch organisierten industriellen Welt gibt es nicht«, schreibt er ein Jahr vor der Corona-Pandemie.

Zwölf Jahre nach der Finanz- und Bankenkrise lösen eine Pandemie und ein drei Monate währender Lockdown eine noch viel heftigere globale Wirtschaftskrise aus. Die staatlichen Rettungsschirme (Deutschland 600 Milliarden Euro Wirtschaftsstabilisierungsfonds) und Anleihekäufe der Zentralbanken fallen um ein Mehrfaches höher aus. An den Kapitalmärkten zeigen sie bereits Wirkung. Wenn an den Börsen die Zukunft gehandelt wird, so sieht diese nicht gerade aus wie die Apokalypse des Kapitalismus. Business as usual also?  Nicht unbedingt. Aus der Vergangenheit kann man Analogien herleiten. Geschichte indes wiederholt sich nicht.

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1. Was bleibt, wenn Corona geht
2. Krise vor der Krise
3. Gut aufgestellt
4. Neues Denken statt im Alten haften bleiben
5. Digitalisierung binnen Stunden

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