Outsourcing für IT-Dienstleister

„Weg vom klassischen Wettbewerbsdenken“

22. Oktober 2021, 11:01 Uhr | Lars Bube | Kommentar(e)
Dominik Hohmann, Channel Manager beim Rechenzentrumsanbieter Maincubes
Dominik Hohmann, Channel Manager beim Rechenzentrumsanbieter Maincubes
© Maincubes

Der Trend zum Outsourcing in der IT wird immer wichtiger. Wie sich etwa durch kluge Kooperationen die steigenden Anforderungen der Kunden erfüllen lassen, ohne dabei den eigenen Fokus zu verlieren, erklärt Dominik Hohmann, Channel Manager von Maincubes, im Interview.

ICT CHANNEL: Herr Hohmann, Service Provider, Systemhäuser oder Hosting-Anbieter gehören selbst zur Riege der IT-Unternehmen. Warum wächst auch für sie der Bedarf zum IT-Outsourcing?
Dominik Hohmann: Das hat unterschiedliche Gründe: Zum einen die deutlich gestiegene Komplexität durch den Einsatz verschiedenster Technologien, was auf die Anforderungen der Kunden zurückzuführen ist. Zum anderen die Situation, dass das Leistungsportfolio von Anbietern zwar auf den ersten Blick immer ähnlicher wird, tatsächlich aber das dafür notwendige spezialisierte Personal am Markt häufig nicht vorhanden ist. Sofern Letzteres der Fall ist, macht das vorhandene Personal das neue Thema „mal mit“. Aus diesem Grund werden es Unternehmen, die vermeintlich alles anbieten, schwer haben, sich zu differenzieren. Sie können den Spagat zwischen der glaubhaften Erfüllung der Kundenerwartungen und den realen Anforderungen des Wettbewerbs nicht mehr meistern. Dann bleibt nur noch ein günstiger Preis, um sich von anderen abzuheben. Das gilt auch für Systemhäuser, Service Provider oder Hostinganbieter. Denn auch sie können nicht unendlich skalieren.

ICT CHANNEL: Was sind die typischen Grenzen, an die sie stoßen?
Hohmann: Es sind vor allem die Kundenerwartungen in Richtung eines Gesamtpakets an Leistungen, die wiederum die heterogenen Anforderungen der Endkunden, aber auch von anderen Stakeholdern wie den eigenen Mitarbeiter widerspiegeln: von Performance über Sicherheit und Zuverlässigkeit bis hin zu Flexibilität und Nachhaltigkeit. Das ist für einen universellen Service Provider faktisch gar nicht möglich, da sie weder alle Technologien beherrschen können noch das passende Personal finden, Stichwort Fachkräftemangel.

ICT CHANNEL: Und wie können Sie ihnen dabei helfen, diesen Spagat aufzulösen?
Hohmann: Für Service Provider ist es ratsam, sich auf ein Kerngeschäft zu konzentrieren und gleichzeitig neue Formen der Zusammenarbeit zu forcieren. Weg vom klassischen Wettbewerbsdenken in Kategorien von Konkurrenz. Das erfordert natürlich eine gegenseitige Vertrauensbasis und klare Abstimmungen sowie die Einhaltung von Zusagen zwischen Partnern.
Für diesen Ansatz schaffen wir seit Jahren die Voraussetzungen für unsere Kunden wie Service Provider: Wir geben ihnen die Möglichkeit, sich erstens auf ihre Stärken zu fokussieren und zweitens mit anderen Service Providern zusammenzuarbeiten, um ihr eigenes Leistungs- und Service-Portfolio zu erweitern. Daraus ergibt sich für alle Beteilig-ten eine mehrfache Win-Win-Situation – vor allem für die Endkunden. Denn sie bekommen exakt die Leistungen, die sie benötigen, und das in der bestmöglichen Qualität durch echte Spezialisten. Ein solcher Ansatz gelingt durch die Vernetzung mit dem richtigen Partner – ein klassisches, universelles Eco-System.

ICT CHANNEL: Können Sie dafür ein praktisches Beispiel geben?
Hohmann: Ist ein Service Provider zum Beispiel nur auf US-Cloud-Anbieter spezialisiert, kann er die Anforderungen von Kunden, die eine deutsche Cloud bevorzugen, nicht erfüllen. Hier kann dann eine Kooperation mit einem „Private“-Cloud-Service-Anbieter aus einem entsprechenden deutschen Rechenzentrum Sinn machen. Wichtig dabei ist, dass auf zukünftige Anpassungen und Veränderungen flexibel reagiert werden kann, da aktuell niemand wirklich weiß, wie die eigene IT-Infrastruktur in ein paar Jahren aussehen wird. Klar ist nur, dass sie sich verändern wird. Um dafür bereit zu sein, ist es für Unternehmen vorteilhaft, auf IT-Outsourcing zu setzen.

ICT CHANNEL: Wie lässt sich Outsourcing strategisch dafür nutzen?
Hohmann: Der erste Schritt ist, sich als Service Provider über seine Stärken und Strategien bewusst zu werden. Daraufhin ist zu klären, welche Service-Bestandteile auf dem Weg zur Fokussierung an entsprechende Partner abgegeben werden können. Am Ende des Tages ist es wichtig, dass den Kunden das beste Ende-zu-Ende-Service-Angebot zur Verfügung gestellt wird, das sich flexibel an neue Anforderungen oder Technologien anpassen lässt. Das schließt unter anderem die Anbindung an Cloud-Umgebungen, diverse Servicepartner oder auch zwischen Rechenzentren ein und endet schlussendlich in einem breiten digitalen Eco-System aus einer Vielzahl an Partnern. So können Systemhäuser, Hosting-Anbieter oder Service
Provider nicht nur auf eine ausfallsichere und hochskalierbare Infrastruktur vertrauen. Es steht ihnen damit auch ein Partnernetzwerk zur Verfügung, durch das sie jederzeit auf zusätzliche Services und Ressourcen zurückgreifen können.

ICT CHANNEL: Wie finden sie dazu den richtigen Partner und worauf sollten sie dabei achten?
Hohmann: Das vielleicht Wichtigste ist die Zusammenarbeit mit Partnern, die ein überschneidungsfreies Portfolio anbieten. Damit ergänzen sie sich gegenseitig. Da das nicht immer zu 100 Prozent sichergestellt werden kann, lautet die Empfehlung, hier auf eine klare Abgrenzung zu achten. Das gelingt etwa durch das IT-Outsourcing in ein externes Rechenzentrum, das sowohl die moderne Infrastruktur als auch die entsprechende Konnektivität und den Zugang zu Netzwerken bietet. Zudem sollten die Partner echte Spezialisten auf ihrem Gebiet sein und das eigene Portfolio entsprechend ergänzen, sodass in Kombination mit den Partnern ein Ende-zu-Ende-Service-Angebot entsteht. Das schafft die Möglichkeit, Kunden ein lückenloses Gesamtpaket anzubieten. So ein vernetztes Ökosystem, über das Kunden Zugriff auf ein Netzwerk von weltweiten Partnern und Lösungsanbietern haben, wird ein ganz wichtiger Baustein für die Zukunft sein. Dabei ist die Neutralität gegenüber Partnern wichtig. Das heißt, man spricht auf Augenhöhe miteinander und fördert sogar das Netzwerken untereinander. Ein Schlüsselfaktor ist außerdem die Fähigkeit, sich auf neue Anforderungen des Marktes anzupassen und ebenso Partner bei internen Veränderungen zu unterstützen.

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