50 Jahre SAP

Weltkonzern fernab der Tech-Hochburgen

25. März 2022, 8:25 Uhr | dpa | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Schleppende Nachfolgeregelung

Von den Gründern ist neben Hopp vor allem Plattner der breiten Öffentlichkeit bekannt. SAP hat den beiden Managern ein Milliardenvermögen beschert. In der Liga der reichsten Deutschen spielen sie vorne mit.

Plattner ist im Gegensatz zu Hopp nach wie vor bei SAP aktiv. Seit 2003 ist der ehemalige Vorstandssprecher Chef des Aufsichtsrats. Im vergangenen Jahr kündigte der heute 78-Jährige an, 2022 ein letztes Mal zur Wiederwahl für zwei weitere Jahre anzutreten. Das kam nicht überall gut an: Aktionärsvertreter kritisierten etwa die Amtszeit mit Blick auf eine nötige Kontrolldistanz und einer aus ihrer Sicht schleppenden Nachfolgeregelung.

Seit April 2020 ist Christian Klein alleiniger Vorstandssprecher. Er führte das Unternehmen zuvor mehrere Monate gemeinsam mit der Amerikanerin Jennifer Morgan, nachdem man sich in Walldorf vom langjährigen CEO Bill McDermott getrennt hatte. Die Trennung von Morgan, mitten in der Pandemie, kam überraschend. Sie war zu diesem Zeitpunkt die erste Frau an der Spitze eines Dax-Unternehmens.

Auch Klein kann Superlative vorweisen: Als er 2019 den Chefposten mit Morgan antrat, wurde er mit 39 Jahren zum jüngsten CEO eines Dax-Konzerns. Klein ist ein Kind der Region. Er wuchs nicht weit von der Firmenzentrale in Walldorf auf. Der heute 41-Jährige ist ein echtes SAP-Eigengewächs: Seit 1999 ist er im Unternehmen, wo er als dualer Student startete. Der Betriebswirt wirkt locker im Auftritt. Er trägt selten Krawatte und unter dem Anzug gerne auch mal ein weißes T-Shirt.

Klein hat einen Strategieschwenk vollzogen. Aus dem Softwareunternehmen will er ein Cloud-Unternehmen machen. Die Kunden sollen von den Lizenzen, für die sie einmalig eine hohe Gebühr zahlen, auf ein Abomodell in der Cloud umsteigen und so regelmäßig Geld in die Kasse spülen. 2022 sei wegen des Firmenjubiläums ein ganz besonderes Jahr, schrieb Klein an die Aktionäre im Geschäftsbericht. „Außerdem wird 2022 für unsere eigene Transformation ein entscheidendes Jahr sein, in dem wir uns unternehmensweit noch stärker auf unsere Cloud-Ziele konzentrieren.“ Bis 2025 soll der Umsatz mit Cloud-Geschäften mehr als verdoppelt werden.

Gründer Hopp sieht SAP mit Klein sehr gut aufgestellt. Es sei bewundernswert, wie Klein die Transformation vorantreibe. „Er muss hierbei viele Prozesse innerhalb der SAP komplett verändern, an die sich viele Mitarbeiter über Jahre gewöhnt haben“, so Hopp. „Dies ist wirklich eine große Aufgabe, die er mit vollem Elan angeht.“ Sofern SAP den eingeschlagenen Weg konsequent weiterverfolge, sehe er das Unternehmen auf einem sehr guten Weg. Das Marktpotenzial sei nach wie vor enorm, da sich nahezu alle Firmen in ihrer IT-Strategie kontinuierlich weiterentwickeln müssten.

Anbieter zum Thema

zu Matchmaker+

  1. Weltkonzern fernab der Tech-Hochburgen
  2. Schleppende Nachfolgeregelung

Verwandte Artikel

SAP, IBM, dpa

ERP

Software

Matchmaker+