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Wenn die Mining-Farm den Badesee zum „Whirlpool“ macht...

06. Juli 2021, 16:06 Uhr   |  Lars Bube | Kommentar(e)

Wenn die Mining-Farm den Badesee zum „Whirlpool“ macht...
© Greenidge Generation LLC

In den USA wollen Investoren alte Kraftwerke in lukrative Bitcoin-Minen umwandeln. Wozu das führen kann, zeigt eine Pilotanlage im beschaulichen US-Städtchen Dresden. Laut den protestierenden Bewohnern heizt das System den örtlichen See schon jetzt zum Krypto-„Whirlpool“ auf.

Wenn Wissenschaftler versuchen, der Allgemeinheit den gewaltigen ökologischen Fußabdruck von Kryptowährungen zu verdeutlichen, greifen sie dazu regelmäßig zu Länder-Vergleichen. Aktuell verbraucht das Bitcoin-System laut dem „Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index“ jährlich in etwa so viel Strom wie ganz Schweden. Jede einzelne Bitcoin-Transaktion schluckt demnach mehr Energie als 100.000 Bezahlvorgänge per Kreditkarte. Das immer wieder vorgebrachte Argument, dass die Krypto-Miner vorwiegend auf regenerative Energiequellen setzen, ändert an dieser Problematik nichts. Einerseits geschieht das nicht aus ökologischen Überlegungen, sondern vor allem, weil insbesondere Wasserkraft zuverlässig und günstig in großer Menge bereitsteht. Andererseits wird die Energie dem Gesamtsystem damit dennoch entzogen. Da aber nicht genügend Ökostrom für eine volle Abdeckung des Bedarfs zur Verfügung steht, sorgt das an anderer Stelle für einen erhöhten CO2-Ausstoß.

Ein noch wesentlich lebensnäheres Beispiel für die durch Krypto-Coins verursachten Umweltprobleme lässt sich derzeit im verschlafenen Nest Dresden am Ufer des Seneca Lake im US-Bundesstaat New York beobachten. An dessen Ortsrand steht seit fast 80 Jahren ein altes Kohlekraftwerk, das 2011 abgeschaltet worden war. Als dessen Besitzer, die Greenidge Generation LLC dann jedoch 2014 von Private-Equity-Unternehmen Atlas Holding übernommen wurde, sollte ein zweiter Frühling beginnen. Zunächst wurde das Kraftwerk von den neuen Besitzern auf Gas umgerüstet, um dann ab 2017 als Hilfskraftwerk bei Lastspitzen einspringen zu können. Da der Bedarf allerdings zu niedrig war, suchten die Betreiber nach Skalierungsmöglichkeiten für ihr Geschäft und ihre Umsätze.

Die perfekte Lösung lieferte ihnen dabei der 2019 einsetzende Bitcoin-Boom. Mit den steigenden Kursen installierte Greenidge sukzessive immer mehr Mining-Rigs und ließ das Kraftwerk dafür rund um die Uhr laufen. Weil das Geschäftsmodell wie erhofft funktionierte und die Generatoren noch mehr als genug Leistungsreserven hatten, wurde das Rechenzentrum immer weiter ausgebaut. Ein lohnenswertes Unterfangen, wie der Geschäftsbericht offenbart. Demzufolge konnten im Geschäftsjahr 2020 insgesamt 1.186 Bitcoins zu durchschnittlichen Kosten von je 2.869 US-Dollar geschürft werden. Die Verkaufskurse stiegen im gleichen Zeitraum von 8.000 auf bis zu 50.000 Dollar. Selbst nach dem aktuellen Absturz liegen sie noch rund beim Zehnfachen der Kosten.

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