Arbeitsplatzmodell im digitalen Zeitalter

Wenn Mitarbeiter lediglich zum Inventar zählen

12. Juli 2019, 11:15 Uhr | Martin Fryba

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Es geht um Wettbewerbsfähigkeit

»Unternehmen, die auf eine positive Unternehmenskultur setzen und klug in moderne Arbeits- und Weiterbildungskonzepte investieren, sichern sich so künftigen Erfolg«,Thomas Erfort, Leiter Personalentwicklung bei Bechtle.
»Unternehmen, die auf eine positive Unternehmenskultur setzen und klug in moderne Arbeits- und Weiterbildungskonzepte investieren, sichern sich so künftigen Erfolg«,Thomas Erfort, Leiter Personalentwicklung bei Bechtle.
© Bechtle

Cancom zum Beispiel. Der »PC« kommt aus der eigenen Business-Cloud, egal, wo man die virtuelle Arbeitsumgebung gerade benötigt. Das klappt selbst bei Nutzern, die auf hochperfomante Anwendungen wie beispielsweise CAD angewiesen sind – Bandbreite vorausgesetzt, natürlich. Junge, IT-affine Bewerber fragen bei den Münchnern übrigens weniger nach einem Dienstwagen als vielmehr nach der IT-Ausstattung für ihren flexiblen Arbeitsplatz. Moderne Infrastruktur wird zum wichtigen Faktor im Kampf um rare Talente. Wer wüsste das besser als IT-Dienstleister, die unter dem Fachkräftemangel besonders leiden.

Bei Bechtle, mit über 10.000 Mitarbeiten größtes Systemhaus in Deutschland, sind sie längst »mittendrin in der digitalen Arbeitswelt«, sagt Thomas Erfort, Leiter Personalentwicklung. Überzeugen muss man hier niemanden mehr für den Digital Workplace. »Wir sehen es nicht mehr als unsere Hauptaufgabe an, den Mindset der Mitarbeiter anzusprechen, damit sie sich auf den Weg machen. Wir geben vielmehr Hilfestellung, wie sie sich in der digitalen Arbeitswelt noch besser zurechtfinden«. Erfort leitet auch die hauseigene Akademie bei Bechtle, in der jeder neue Mitarbeiter fit für seine Aufgaben gemacht wird. Umgang mit effektiven und effizienten Systemen wie Collaboration-Tools, Videokonferenzen, Web-Ex Meetings, sichere Messenger wie Cisco Jabber oder Whiteboards werden dort regelmäßig vermittelt. Ein Intranet auf Basis von Microsoft Sharepoint sorgt für den internen Kommunikationsfluss.

Systeme anschaffen und bei Schulungen für deren Anwendungen sparen, lässt nicht nur den Frust steigen und die Akzeptanz bei Nutzern sinken. Es ist schlicht zum Fenster hinausgeworfenes Geld, wenn Unternehmen bei der Didaktik sparen und Mitarbeiter im Umgang mit kollaborativen Arbeitsmethoden nicht befähigen.

Bei Bechtle geht man sogar einen Schritt weiter als nur die Arbeitsprozesse kollaborativ sowie orts- und zeitungebunden zu digitalisieren. Weiterbildung unter dem Einsatz einer digitalen Lernplattform gehört für die Schwaben zu einem wichtigen Baustein für »New Work«. MOOC - Massive Open Online Course – ist ja mehr als nur ein kurzfristiger Hype, auf den gerade solche IT-Experten wie Bechtle nicht setzen würden, wären sie nicht ein zukunftsweisender Trend für lebenslanges, flexibles und individuelles Lernen in allen Lebensaltern. Personalentwicklung, ein Fremdwort für immer noch zu viele Unternehmen vor allem aus traditionellen Branchen mit starren und steilen hierarchischen Strukturen, findet bei Bechtle auch, aber nicht ausschließlich nur mit Hilfe des Lernmanagementsystems »iLEARN» statt. Man folgt hier zunehmend »Blended-Learning-Ansätzen«, die einen Mix aus Präsenzlernen mit digitalem Lernen empfehlen. »Da wird sich in den nächsten Jahren noch eine ganze Menge tun«, meint Bechtle-Manager Erfort.

Den an flexiblen Arbeitsplatzmodellen noch zweifelnden Kollegen aus dem Personalwesen in anderen Branchen und deren Chefs will er durchaus Mut zur Veränderung machen, wenn Erfort sagt: »Unternehmen, die auf eine positive Unternehmenskultur setzen und klug in moderne Arbeits- und Weiterbildungskonzepte investieren, sichern sich so künftigen Erfolg und positionieren sich in einem stark verändernden Umfeld wettbewerbsfähig als Arbeitgeber.« Das Zitat passt haarscharf in einen Twitter-Tweet, wenn im Netz wieder einmal über Homeoffice räsoniert wird.


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