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GFC-Gruppe kauft Systemhaus C&S GmbH

Wertsteigernd, wenn kein Chef vor Ort

07. Oktober 2020, 06:00 Uhr   |  Martin Fryba | Kommentar(e)


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

»Narzissten und Neider kümmern mich nicht«

ICT CHANNEL: In Corona-Zeiten ist die Liquidität mancher Systemhäuser angespannt, Projektgeschäfte verschieben sich, auch MSP-Verträge haben längere Verkaufszyklen. Dazu die  generellen Herausforderungen  des Wandels in Richtung MSP gerade für kleinere Systemhäuser. Wir haben bereits den ein oder anderen Notverkauf gesehen, den Sie, wäre es einer, so natürlich nicht nennen würden, oder?
Philip Semmelroth: Ich habe allein im Juni 2020 für 179.726,40 Euro MSP Verträge verkauft, zum Übergabezeitpunkt mitten in Corona mehr als eine halbe Million Cash auf dem Konto gehabt. Ich musste nicht verkaufen, aber ich konnte es. Denn solide Firmen mit Potential finden zu jederzeit Käufer.

ICT CHANNEL:Von 260 Wochentagen sind Sie als Speaker gefühlt 250 auf Business-Bühnen. >Der führt doch gar kein Systemhaus mehr<, lästert so mancher Branchenkollege. Wie konnte Phantom-Inhaber Semmelroth ein Systemhaus so führen, dass ein Investor zugeschlagen hat?
Semmelroth: Damit ein Team funktioniert, braucht es Führung. Doch viele verwechseln Führung und Nähe. Es ist nicht erforderlich, ständig präsent zu sein, wenn man mit selbstbewussten Menschen arbeitet, effiziente Standards, Prozesse und noch dazu einen strategischen Verkaufsprozess realisiert hat. Daran haben wir bei C&S lange gearbeitet und das hat nachweislich nicht nur funktioniert, sondern auch Begehrlichkeiten geweckt. Und jetzt habe ich neue Partner, meine Mitarbeiter neue Chefs. Mit Spannung schauen wir jetzt alle nach vorne.

ICT CHANNEL: Und der Kaufpreis?
Semmelroth: Der steigt massiv, wenn der Nachweis erbracht ist, dass die Firma ohne »Chef vor Ort« funktioniert und Mitarbeiter mit System Ergebnisse erreichen.

ICT CHANNEL: Wir schätzen das Sechsfache des Gewinns vor Steuern und Zinsen. Ganz heiß oder kalt?
Semmelroth: Ich war nie gut in Mathe. Aber wie bei der Mengenlehre muss man immer alles berücksichtigen, auch die nicht-monetär-messbaren Mehrwerte. Lassen Sie es  mich so sagen: Wenn Du nach Steuern noch 7-stellig bist, ist es doch bestens gelaufen. Dann ist der Proof of Concept doch für die zweite Karriere mehr als erbracht.  

ICT CHANNEL: Wir sehen das Profilfoto auf Ihren Socials: Semmelroth neben Michelle Obama auf einer Bühne. Was hat Sie Foto und Speakerauftritt gekostet?
Semmelroth: Wenn ich an Michelle Obama denke, erinnere ich mich gleich dran, wie sie mich auf die Wange geküsst hat. Das war schon überraschend. Sie ist sehr spontan. Bezahlt habe ich dafür nicht. Ihr Mann hat das bei seinem Besuch in Köln anders gemacht. Dem Event bin ich daher ferngeblieben.

ICT CHANNEL: Warum reizt Sie eine Karriere als Speaker mehr als IT-Unternehmer zu bleiben?
Semmelroth: Ich arbeite schon länger mit internationalen Firmen, Finanzdienstleistern und anderen, die wirklich aktiv verkaufen. Aktuell betreue ich einen Big Player in der Kalk-Industrie mit fast 50 Sales-Mitarbeitern. Was da abgeht, ist unbeschreiblich. Das macht wirklich süchtig. Tatsächlich ist Speaking nur der Türöffner für diese Projekte. Denn ich will mehr als nur inspirieren. Ich glaube, Firmen müssen vertriebsfokussiert aufgestellt werden, und um das zu erreichen, muss die Umsetzung begleitet werden. Dafür brenne ich. Das will ich noch intensiver machen.

ICT CHANNEL: Ein Narzisst wirft einem Narzissten Selbstdarstellung auf der Bühne vor. Welcher von beiden sind Sie?
Semmelroth: Unternehmertum und Speaking sind die zwei größten Hebel für die Persönlichkeitsentwicklung, die ich kenne. In beiden Disziplinen braucht man Mut, Hang zur Selbstdarstellung und die Fähigkeit Menschen begeistern zu können. Manche glauben, dass sie das mitbringen, viele hätten es gerne. Doch am Ende zählt nur, was der Kunde denkt. Und das führt bei mir zu wiederholten Aufträgen. Narzissten und Neider, die es noch viel mehr gibt, kümmern mich nicht. Ich fokussiere mich mehr auf relevante Inhalte für das Publikum.

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