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Ein Jahr nach dem Support-Ende

Windows 7 hält sich (zu) hartnäckig

07. Januar 2021, 09:24 Uhr   |  Lars Bube | Kommentar(e)

Windows 7 hält sich (zu) hartnäckig

Wie schon bei Windows XP bleiben die Nutzerzahlen von Windows 7 auch ein Jahr nach der Außerdienststellung zu hoch.

Ein Jahr nachdem Microsoft den Support für Windows 7 beendet hat, läuft es noch immer auf rund einem Fünftel aller PCs. Die Nutzer, unter ihnen auch viele Unternehmen, bringen sich damit unnötig in Gefahr.

Windows 7 ist zwar offiziell von Microsoft außer Dienst gestellt und damit auch nicht mehr sicher, verrichtet dessen ungeachtet aber weiterhin auf hunderten Millionen von PCs weltweit seinen Dienst. So lässt sich die Lage knapp ein Jahr nach dem Ende des erweiterten Supports für das beliebte Betriebssystem zusammenfassen. Laut Analysediensten wie Statcounter und Netmarketshare laufen derzeit noch immer etwa 20 Prozent aller im Internet aktiven PCs mit Windows 7. Zum Zeitpunkt des Support-Endes im Januar 2020 hatte diese Quote bei etwa 25 Prozent gelegen, ein Jahr zuvor noch bei etwa 37 Prozent. Somit haben seit Anfang 2019 nur weniger als die Hälfte der verbliebenen Nutzer den gebotenen Abschied von Windows 7 wirklich vollzogen. Von den Lesern der ICT CHANNEL haben sich immerhin schon deutlich mehr von Windows 7 verabschiedet, das aktuell noch zehn Prozent der Windows-Rechner unserer Besucher auf der Webseite ict-channel.com antreibt. Doch selbst das ist – zumal unter IT-Profis – noch ein viel zu hoher Wert. Insgesamt rechnen Sicherheitsexperten in Deutschland noch mit rund 5 Millionen betroffenen Rechnern. Geht es in diesem Schneckentempo weiter, wird Windows 7 also zumindest in den nächsten zwei bis drei Jahren noch eine signifikante Rolle spielen.

Wie zuvor schon bei XP, bei dem die Zahlen nach dem Support-Ende ähnlich hoch blieben, fällt der Abschied von Windows 7 vielen Nutzern offenbar schwer. Während Privatnutzer oft schlichtweg ihre gewohnte Umgebung behalten wollen, scheuen Firmen und Behörden den Migrationsaufwand oft, weil sie dadurch einerseits einen erheblichen Aufwand und andererseits mögliche Kompatibilitätsprobleme mit bestehender Hard- und individueller Software befürchten. Solange Windows 7 weiter problemlos läuft, scheinen sich viele zu denken, gebe es auch keinen Grund, auf Windows 10 oder eine Alternative zu wechseln, zumal kostenpflichtig. Andere wiederum haben bis heute garnicht mitbekommen, dass es keine Sicherheitsupdates mehr für Windows 7 gibt. Dabei hatte gerade der Fall XP doch allzu deutlich gezeigt, wie gefährlich es heutzutage sein kann, veraltete und nicht mehr aktualisierte Betriebssysteme weiter einzusetzen. 2017, also drei Jahre nach dem Support-Ende, waren die zu vielen verbliebenen XP-Systeme ein wesentlicher Grund, dass sich die Ransomware Wannacry rasant weltweit verbreiten und Schäden in Milliardenhöhe verursachen konnte – selbst bei Großunternehmen wie der Deutschen Bahn, Telefonica und FedEx.

Auch bei Windows 7 tauchen immer neue Sicherheitslücken auf, über die sich Angreifer unbefugten Zugriff auf Daten und ganze Systeme verschaffen können. Angesichts der wachsenden Zahl von Cyberangriffen scheint es somit nur eine Frage der Zeit, bis sich die Geschichte wiederholen könnte. Um das zu vermeiden, müssen ICT-Reseller gerade die hartnäckigen Umstiegsverweigerer unter ihren Kunden unbedingt weiter im Blick behalten und versuchen, sie mit der Taktik »steter Tropfen höhlt den Stein« von der dringenden Notwendigkeit einer Migration zu überzeugen, bevor es zu spät ist.

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