Rainer Sträter von Ionos zu Gaia-X

„Ziel dieser Aktivitäten ist es, echte Alternativen zu schaffen“

13. Mai 2022, 17:27 Uhr | Stefan Adelmann | Kommentar(e)
Ionos Rainer Sträter
„Technologisch gesehen sind die US-Akteure den Europäern natürlich weit voraus. Wir schätzen, dass wir aber etwa 80 Prozent der Use Cases, die wir im europäischen Mittelstand oder dem öffentlichen Sektor sehen, abdecken können“, sagt Rainer Sträter, Head of Cloud Development and Digital Ecosystems bei Ionos
© Ionos

Ionos ist eine der treibenden Kräfte im Gaia-X-Projekt und gehört zu den wichtigsten Mitgliedern aus Deutschland. Im Interview erklärt Rainer Sträter, wie Ionos von Gaia-X profitieren will, was die entscheidenden Ziele sind und wie er den Scaleway-Ausstieg bewertet.

ICT CHANNEL: Herr Sträter, Welche Rolle spielt Gaia-X in der Strategie von Ionos?

Rainer Sträter: Es gibt in Europa viele kleinere, aber hoch innovative Unternehmen. Aufgrund ihrer Größe haben die es jedoch sehr schwer, datengetriebene Geschäftsmodelle zum Beispiel auf KI-Basis zu entwickeln und zu skalieren. Über Gaia-X-Standards haben diese Unternehmen nun die Chance, gemeinsame Datenräume zu schaffen und so ihre Ideen zum Fliegen zu bringen.

Als Anbieter von Cloud-Infrastruktur hat Ionos natürlich ein Interesse daran, dass sich viele cloudbasierte Geschäftsmodelle in Europa entwickeln. Die Leuchtturmprojekte zeigen uns auch, was hier an Potenzial schlummert.

Zusätzlich finden wir es unglaublich wichtig, dass der Mehrwert von Datensouveränität für Unternehmen – nicht nur in Europa – stärker wahrgenommen wird. Durch Gaia-X sehen wir, dass dieses Thema besser im öffentlichen Diskurs angekommen ist.

ICT CHANNEL: Sehen Sie wiederum den Ausstieg von Scaleway als einen Rückschlag für die Gaia-X-Bemühungen?

Sträter: Der Ausstieg von Scaleway hatte für Gaia-X als Projekt keine negativen Auswirkungen und entfachte auch keine Sogwirkung.

ICT CHANNEL: Scaleway-CEO Yann Lechelle hatte vor allem den Einfluss amerikanischer und asiatischer Unternehmen auf Gaia-X kritisiert.

Sträter: Zur Argumentation von Herrn Lechelle kann ich nichts sagen. Allgemein betrachtet halte ich es für sinnvoll, dass auch außer-europäische Unternehmen bei Gaia-X engagiert sind. Das Cloud-Geschäft kennt an sich ja keine geographischen Grenzen. Entscheidend ist auch nicht, wo die Daten geographisch liegen, sondern vielmehr die Frage, nach welchen Regeln wir mit diesen Daten spielen. Wenn alle Cloud-Anbieter die europäischen Regeln und Policies für ihren Geschäftsbetrieb in Europa akzeptieren, dann gibt es keinen Grund, warum die Hyperscaler nicht zum Ökosystem dazugehören dürften. Nicht zuletzt deshalb, da viele europäische Firmen nicht nur in ihrem Heimatland, sondern weltweit agieren.

Hinzu kommt, dass viele europäische Kunden auch global aufgestellt sind und Infrastrukturen brauchen, die außerhalb Europas liegen und die so auch hybride Strukturen brauchen. Wichtig ist, dass der Kunde dann aber echte Alternativen hat, welchen Anbieter er nutzen möchte. Nur dadurch werden Lock-Ins abgebaut und echte Souveränität geschaffen.

ICT CHANNEL: Wird Gaia-X denn den Grundstein legen, um mit den Hyperscalern konkurrieren zu können?

Sträter: Es gibt mehrere Initiativen der Cloud-Branche und anderer Akteure auf gesamteuropäischer Ebene, um Cloud-Infrastrukturen interoperabel zu machen. Gaia-X zielt dabei auf die Schaffung von Datenräumen. Ein anderes Projekt IPCEI führt zentrale und dezentrale Rechenkapazitäten unterschiedlichster Akteure auf einer europäischen technologischen Grundlage zusammen. Das Ziel all dieser Aktivitäten ist es, echte Alternativen zu den Anbietern aus den USA und Asien zu schaffen. Hiesige Unternehmen sollen eine echte Auswahl haben, wem sie ihre Daten in welchem Use Case anvertrauen. Wir sind zuversichtlich, dass uns das auch gelingt, auch wenn wir technologisch den Vorsprung der US-Anbieter in der Breite und Tiefe nicht so schnell aufholen können.

ICT CHANNEL: Werden sich europäischen Cloud-Services also durchsetzen können, künftig preislich wie technisch konkurrenzfähig sein?

Sträter: Auf dem Markt sehen wir, dass wir bereits heute konkurrenzfähig sind. Preislich ist Ionos in Teilen schon attraktiver, zudem punkten wir bei der Transparenz, dem Servicegedanken und der Tatsache, dass wir als europäischer Mittelständler die Bedürfnisse unserer Kunden sehr gut kennen.

Technologisch gesehen sind die US-Akteure den Europäern natürlich weit voraus. Wir schätzen, dass wir aber etwa 80 Prozent der Use Cases, die wir im europäischen Mittelstand oder dem öffentlichen Sektor sehen, abdecken können.

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