Trotz verlangsamtem Wachstum

Zoom verdoppelt die Zahl der Großkunden

Zoom-Meeting
© Zoom

Auch ohne Lockdowns konnte Zoom in den vergangenen Monaten weiter zweistellig zulegen und die Zahl der Großkunden fast verdoppeln.

Mit dem Ende der Lockdowns hat sich der explosionsartige Nachfrage-Boom nach Produkten für mobiles Arbeiten und Lernen zwar etwas beruhigt, bleibt aber dennoch auf hohem Niveau. Während manche Anbieter sichtlich damit zu kämpfen haben, nutzen andere diese, angesichts der aktuellen Entwicklungen wohl nur kurze, Ruhepause, um sich weiterzuentwickeln und zu verstärken. So auch der Videokonferenzdienst Zoom, der im vergangenen Quartal zum zweiten Mal in Folge mehr als eine Milliarde Dollar umsetzen konnte, 35 Prozent mehr als im Vorjahr. Der daraus erwirtschaftete Gewinn stieg sogar um mehr als das Doppelte (70 Prozent) auf 340 Millionen Dollar. Ein solides Wachstum also, auch wenn es weit entfernt ist von Rekordzuwächsen wie zum Jahresanfang, als Zooms Umsatz im Lockdown um über 190 Prozent zugelegt hatte. Über das Gesamtjahr hinweg rechnet Zoom mit einem Umsatzwachstum von 54 Prozent auf knapp 4,1 Milliarden Dollar.

Dass Zoom den Schwung in diesem schwer umkämpften Marktsegment so gut mitnehmen kann, liegt nicht zuletzt daran, dass das Unternehmen sein Angebot im Laufe des Jahres kontinuierlich und eng an die Kundenwünsche angelehnt ausgebaut hat. Neben neuen Features wie erweiterten Konferenzen und Telefonie zählen dazu auch eigene Hardware-Offerten samt einem entsprechenden Miet-Angebot. Damit konnte Zoom vor allem die zuvor vergleichsweise schwache Nachfrage bei Großkonzernen spürbar unterfüttern. Die Zahl der Kunden mit denen ein Jahresumsatz von mehr als 100.000 Dollar erzielt wird, wuchs auf über 2.500 an und hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr beinahe verdoppelt. Darüber hinaus bedient Zoom jetzt mehr als eine halbe Million Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern, 18 Prozent mehr als noch 2020. Neuerliche Lockdowns dürften all diese Werte noch ein gutes Stück weiter nach oben treiben. Darüber hinaus versucht sich Zoom mit Zukäufen (siehe: Mensch soll Maschine schlagen) zu verstärken und neue Produkte und Geschäftsfelder zu entwickeln.

Eine Entwicklung, die Zoom nach dem Dafürhalten von Analysten weiter vorantreiben muss, um sich auch langfristig gegen die starken Mitbewerber wie Microsoft und Cisco behaupten zu können. „Zoom steht unter einem wachsenden Druck, seine Kommunikationsplattform auszubauen und mehr als nur Videokonferenzen anzubieten“, erklärt etwa Laura Petrone, Principal Analyst bei GlobalData. Die geplatzte Übernahme Five9 wäre hier aus ihrer Sicht ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. Von einer Konkurrenz zu den Metaverse-Plänen von Facebook und Microsoft, rät die Expertin hingegen dringend ab. Einerseits, weil Zoom die Mittel und das Knowhow für den Aufbau solcher hybriden Parallelwelten mit AR und VR fehlen. Andererseits, weil viele Nutzer der ausufernden Videokonferenzen schon jetzt überdrüssig sind. „Deshalb könnte es schwer werden, ihnen die Idee Avatar-basierter Zusammenarbeit zu verkaufen.“

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