Neue Möglichkeiten für Industrie 4.0

5G bringt den „digitalen Zwilling“ ins Netz

10. Dezember 2021, 10:02 Uhr | dpa | Kommentar(e)
Digitaler Zwilling
© Epstudio20 - AdobeStock

Ob Fabriken oder Denkmäler: Virtuelle Abbilder realer Objekte sollen bei der Wartung und Instandhaltung helfen. Durch die digitalen Zwillinge können kleinteilige Kontrollen vor Ort wegfallen. Doch ihre Nutzung war bisher örtlich begrenzt. Das soll sich ändern.

Der Kölner Dom in Düsseldorf: Rund 50 Kilometer rheinabwärts zeigt das Bauwerk seine ganze Pracht mit Türmen, Statuen und Verzierungen. „Fantastisch“, sagt Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter und genießt den Blick auf das Kölner Wahrzeichen. Begeistert ist der Manager vor allem von der Technik, die den Blick auf den Dom ermöglicht. Denn das Gotteshaus steht natürlich weiter in der rheinischen Nachbarstadt. Es ist nur ein digitales Abbild, das über das 5G-Mobilfunknetz auf eine Leinwand in der Vodafone-Zentrale übertragen wird. Mit einer Virtual-Reality-Brille bestimmt Ametsreiter, wo der digitale Rundflug um den Dom lang geht.

Es ist eine bemerkenswerte Vorführung dieses digitalen Zwillings, die den rasanten technischen Fortschritt in Sachen 5G verdeutlicht. Denn das mit Drohnenaufnahmen gespeiste 3D-Modell, das Reparaturarbeiten am Dom erleichtern soll, ist zwar schon länger am Markt. Neu ist aber, dass die Anwendung des 50 Gigabytes großen Programms über Mobilfunk möglich ist - und nicht nur an einem Standort mit Server vor Ort. Damit gewinnt 5G für die Industrie an Bedeutung. Denn auch Fabriken und Maschinen gibt es längst als digitale Zwillinge, um Wartungsarbeiten besser zu planen, Verschleiß zu antizipieren und um die Produktion effizienter zu machen. Durch 5G werden ihre Einsatzmöglichkeiten nun aber deutlich erweitert und vereinfacht.

Allerdings reicht hierfür nicht generell der neue Funkstandard aus, sondern eine fortgeschrittene Version. Im Frühjahr begann Vodafone mit „5G Standalone“, bei dem ausschließlich 5G-Technik und keine 4G-Hybridlösungen mehr genutzt werden. Nun macht Vodafone mit dem „Multi-Access Edge Computing“ den nächsten Schritt. Hierbei wird der Übertragungsweg durch neue Rechenzentren deutlich verkürzt - Daten werden nicht mehr in Cloud-Servern in Irland, den USA und weiteren Staaten abgerufen, sondern sie können in der eigenen Region verarbeitet werden. Vodafone hat nun drei „Multi Access Edge Computing“-Server in Dortmund, Berlin und München, weitere sollen folgen.

„Die Edge Cloud steht jetzt an der Kante unseres Netzes, der Weg ist also sehr kurz - dadurch wird das Netz sehr viel leistungsfähiger als vorher“, erklärt Telekommunikationsmanager Ametsreiter. „Vodafone bietet das erste Mal in Deutschland 5G im Zusammenspiel mit Multi-Access Edge Computing an - damit öffnen wir die Tür zu industriellen Anwendungen mit sehr hohen Rechenleistungen zu jeder Zeit und von jedem Ort aus.“ Er schwärmt vom „Beginn einer softwaregetriebenen Revolution in der Industrieproduktion“. Vodafone arbeitet zusammen mit Amazon Web Services (AWS) und nutzt deren „Wavelength“-Technologie, mit der jetzt Cloud-Daten in Echtzeit direkt am Rand des Mobilfunknetzes abgerufen werden können.

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