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7 überholte Smartphone-Mythen

14. Oktober 2020, 11:29 Uhr   |  Martin Fryba | Kommentar(e)

7 überholte Smartphone-Mythen
© AdobeStock/Zinkevych

Ein falsches Handymodell steht in seiner umwerfenden Art einem Föhn in nichts nach, wenn es auf Tauchgang geht

Smarter, leichter, billiger, ausdauernder und mit neuester Technologie selbst für einen Fall in die Badewanne geeignet: So machen uns Hersteller ihre teuren Spitzen-Smartphones schmackhaft. Wer's glaubt, ist selber schuld.

Smartphones für die Hosentasche?
Bald wird es keinen Unterschied mehr machen, ein Notebook oder ein Smartphone ans Ohr zu halten. Während der mobile Rechner mit der Zeit immer kompakter wurde und im (leider verschmähten) Netbook seine Erfüllung fand, werden Smartphones immer größer. 2010 maß die Bildschirmdiagonale von Smartphones durchschnittlich 3,4 Zoll (8,5 cm), fünf Jahre später waren es 5,1 Zoll (13 cm) und mittlerweile liegt der Wert bei stolzen 6,3 Zoll (16 cm). Die Displays der Highend-Geräte bringen es mittlerweile auf 6,7 Zoll (17 cm), sogar die preisgünstigen Einsteiger-Modelle kommen auf gut 6 Zoll (über 15 cm). Sprachlich ist die Konvergenz beider Geräte im Begriff Phablet längst amalgamiert. Durchgesetzt hat sich die Wortschöpfung im Marketing  nie.


Leichtgewicht Smartphone?
Sechs Tonnen reines Golf liegen in Deutschland brach. Wer die über 100 Millionen Smartphones einsammelt, die als Elektroschrott in bundesdeutschen Schubladen herumliegen, kann beim Goldankäufer um die Ecke statt 300 Millionen Euro einstreichen. Allerdings liegt es nicht am Goldanteil, dass Handys immer schwerer werden. Mit der steigenden Displaygröße hat auch das Gewicht zugelegt:  Mittelklasse bis Spitzenklasse-Modelle bringen zwischen 202 und 207 Gramm auf die Waage. Die magische Gramm-Grenze von zwei Tafeln Schokolade ist längst gefallen.


Immer unter Strom?
Explodierende Smartphones kennt fast jeder Hersteller. Energie so zu verdichten, dass nicht schon nach einem halben Tag Schluss ist mit always-on, können Samsung&Co immer noch nicht gut. Die Akkus erhalten zwar immer mehr Power: die Kapazität liegt mittlerweile bei 4.000 bis 4.800 mAh. Länger durchhalten tut der Stromspeicher dennoch nicht. Größere Bildschirme, schnellere Prozessoren, bessere Kameras machen alles wieder wett. Warum man noch keine Nano-Kernfusionsreaktoren in Smartphones eingebaut hat, liegt wahrscheinlich daran, dass Google noch auf die Patentzulassung wartet.


Darf auch mal nass werden?
Kommt darauf an! Sechs von zehn Modelle der Spitzenklasse können unbeschadet ins Wasser fallen, wenn sie ausdrücklich mit der Schutzklasse IP68 ausgezeichnet sind. Fallen solche Smartphones zum Beispiel in die Badewanne, überleben Gerät und Greta. Wenn nicht und sollte das eingetauchte Smartphone zu allem Unglück (besser: Leichtsinn) gleichzeitig noch am Ladegeräte hängen, kommt man auf die Titelseite der Bild-Zeitung – nur lesen wird man sein eigenes tragisches Schicksal nicht mehr können. In der Ober- und Mittelklasse übrigens ist nur jedes fünfte Gerät gegen Wassereinbruch geschützt.


Nie mehr Cash in de Täsch?
Bezahlen ohne Karte, lediglich das Smartphone beim Bäcker zücken: So sieht die bar- und kontaktlose Zukunft im Einzelhandel aus. Acht von zehn Smartphones der Ober- und Mittelklasse haben den dafür notwenigen NFC-Chipsatz an Bord. Billighandys meist noch nicht: Nur bei einem Drittel ist Near Field Communication möglich. Zwei Drittel der Nutzer solcher meist aus China stammenden Einsteigerhandys (und auch der flüchtige Jan Marsalek, Ex-Vorstand von Wirecard und überzeugter Bargeldzahler)  können sich damit trösten, wenigstens keine digitalen Spuren im Netz zu hinterlassen.


Nie mehr lästige SIM-Karten?
Eine richtige Innovation wäre eine andere kontaktlose Technologie, nämlich die Freischaltung des Handytarifs ohne SIM-Karte und somit ein völlig leichter Wechsel des Providers. Doch genau das wollen weder Smartphone-Hersteller noch ihre treuen Vertriebsverbündeten, die Mobilfunkprovider. Daher führt die eSIM ein Schattendasein: Die Deutsche Telekom schaltet nach eigenen Angaben aktuell mehrere 10.000 eSIM-Profile im Monat frei. Vodafone verzeichnete Ende 2019 rund 100.000 aktivierte eSIMs - das waren rund 0,5 Prozent der Vertragskunden. Alle Netzbetreiber sprechen von einer steigenden Nachfrage nach eSIM, doch es fehlt die Technologie im Handy – auch in Spitzengeräten. Die festverbaute eSIM-Karte ist nur einem knappen Viertel der gegenwärtigen Highend-Geräte vorbehalten. In den drei Segmenten darunter kommt sie praktisch noch gar nicht vor.


Sparen bei Spitzen-Modellen nicht möglich?
Das Gegenteil ist der Fall: Ein neu eingeführtes Flaggschiff-Smartphone, wie es die Medien euphorisch feiern, kostet im Schnitt etwas über 1.000 Euro und bleibt auch zwei Jahre später übrigens ein Highend-Gerät. Nur billiger. Um die Hälfte nämlich.  Bei Oberklasse (von 630 Euro auf rund 400 Euro) und Mittelklasse (von knapp 290 Euro auf gut 200 Euro) beträgt der Preisverfall ungefähr je ein Drittel innerhalb von zehn Monaten, nachdem sie in den Handel gekommen sind. Nur Einsteigergeräte-Preise ändern sich kaum: Zwischen 140 und 115 Euro schwankt der Preis ohne klar ersichtlichen Trend.


Der Artikel basiert auf einer Datenauswertung von Testberichte.de. Das Verbraucherportal wollte wissen, was sich bei Smartphones in den vergangenen Jahren alles getan hat.

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