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Alphatiers Aufstieg

11. September 2020, 12:51 Uhr   |  kopfnuss@crn.de | Kommentar(e)

Alphatiers Aufstieg
© AdobeStock/Photographee.eu

»Wir leiden wahrlich nicht an einem Mangel an unangenehmen Trotteln«, schreiben Psychologen um Cameron Anderson gleich in der Einführung ihrer Studie, wie die SZ berichtet

Adidas-Chef Kasper Rorstedt ist ein knallharter CEO, von einem netten Chief Happiness Officer ist er so weit entfernt, wie Trump vom Friedensnobelpreis. Doch egal, ob Bullterrier oder Madams Schoßhündin: Beide Manager-Typen kommen ganz nach oben.

Jahrelang spielen Spitzenmanager auf Business-Bühnen Gott, müssen der Abschreckung halber die halbe Belegschaft regelmäßig so dezimieren, wie Heinrich VIII. seine ihm überdrüssig gewordenen Frauen köpfen lies. Und nun diese Nachricht: Man muss gar nicht den Henker geben, aggressiv, selbstsüchtig und manipulativ sein, um ganz nach oben zu kommen und sich dort vor allem halten. Auch empathische Versteher-CEOs besetzen zu gleichen Teilen die Machtzentralen in Unternehmungen, haben Psychologen um Cameron Anderson von der University of California in Berkeley in einer Langzeitstudie festgestellt, berichtet die Süddeutsche Zeitung vom vergangenen Montag.  Softies an der Macht geht also auch?


Klar! Zumal Typen wie Adidas-Chef Kasper Rorstedt out sind. Wer will schon harte Hunde,  die sich in einen bereits abgenagten Knochen so verbeißen können, dass aus dem Mark auch die letzten Moleküle herausspritzen? Investmentbanker und Aktionäre freilich lieben solche,  Kampfhunden nicht unähnliche Kostenkiller. Die Herzen der Mitarbeiter, alias Kostenstellenträger, erobern bissige CEOs natürlich nicht. Wollen sie ja auch gar nicht. Aber genau das zu wollen, flüstert man ihnen neuerdings ein auf den renommierten Business Schools.


Alphatier Rorstedt ist, oh Wunder, nun ungewohnt zerknirscht. Vor kurzem noch als Manager des Jahres von allen Wirtschaftstiteln hochgeschrieben, zeigt er sich dann doch bewegt ob des Shitstorms, der über ihn in der Corona-Krise hereinbrach. Und das alles wegen ein paar läppischer Mieten, die er für seine Filialen während des Lockdowns aussetzen ließ und dann wieder zurückruderten musste. Das wäre einem menschelnden Chief Happiness Officer nie passt, dessen feine Antennen jeden Hauch von Unglück wittern, das eine glücklich-produktive Belegschaft zu überschatten droht.


Wie also richtig führen jetzt und in  Zukunft? Verzweifelt, wie wir gehetzte Kopfnuss-Autoren Zuflucht in Lehrbücher der menschlichen Seele suchen, stoßen wir auf Shakespeare. Dort erinnert der Narr König Lear an seine Bestimmung, warnt vor zeitgeistigen Moden. »Wahrheit«, spricht es aus dem Narren, »ist ein Hund, der ins Loch muss und hinausgepeitscht wird, während Madams Schoßhündin am Feuer steht und stinken darf«.

Fazit: Erniedrigte auf Erden dürfen weiter vom New Spirit eines herzensgütigen Managers träumen, ein Ende der Niedertracht nach imaginärem Changemanagement ist nicht in Sicht. Von solchen Hoffnungen nähren sich ohenhin - wie eh und je - nur Consultants und Managementberater prächtig.

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