Erste SMS der Welt wird versteigert

Auf der Suche nach verlorenem Eigentum

21. Dezember 2021, 7:42 Uhr | dpa/Martin Fryba | Kommentar(e)
Aguttes
3. Dezember 1992: Programmierer Neil Papworth verschickt von seinem Computer aus eine SMS an das Handy eines Vodafone-Kollegen. Es war die erste SMS überhaupt, deren Code heute, NFT-besiegels als Unikat, versteigert wird
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Sammelleidenschaft macht auch vor dem Digitalen keinen Halt. Es ist ein Milliardengeschäft. Die Idee: Kapitalisierung des Flüchtigen, die es dem gewieften Geschäftemacher erlaubt, sogar einen Augenblick Zeit zu verkaufen. Das funktioniert nur, wenn ein Notar im Spiel ist - ein digitaler freilich.

Es sind 14 Buchstaben am Anfang des Handyzeitalters: „Merry Christmas“ war am 3. Dezember 1992 auf einem Mobiltelefon eines Vodafone-Mitarbeiters zu lesen. Er hatte die erste SMS der Welt bekommen - das war der Startschuss für eine andere Art der Kommunikation. Was damals Innovation war, ist heute ein Stück Technik-Geschichte. Und die kommt am Dienstag unter den Hammer: Das französische Auktionshaus Aguttes versteigert die SMS als ein „Non-Fungible Token“ (NFT; deutsch: nicht austauschbare Wertmarke). 

Bockchain bestätigt Unikat
NFTs sind digitale Codes, die auf fassbare Objekte oder virtuelle Güter verweisen. Es geht nicht um die Rechte an Fotos oder Videos, die man sich ansehen kann: Diese unterliegen Urheberrechten und sind nicht Teil eines Non-Fungible Tokens. Ein NFT ist vielmehr ein digitales Abbild, das auf der Blockchain-Technologie basiert und dadurch fälschungssicher ist. Dank dieser Datenkette ist man erwiesenermaßen der einzige Eigentümer dieses Codes. Je nachdem auf was das NFT in der realen Welt Bezug nimmt, desto größer ist seine Bedeutung.

Die Echtheitszertifikate sind im Trend. So wurde zum Beispiel in diesem Frühjahr der erste Tweet von Twitter-Gründer Jack Dorsey als NFT für 2,9 Millionen Dollar (2,5 Millionen Euro) versteigert. Im Sommer wurde der erste Quellcode für das World Wide Web (www) von Tim Berners-Lee als NFT für 5,4 Millionen Dollar verkauft.

SMS im Bilderrahmen
Nun ist also die SMS an der Reihe. Für diesen digitalen Code nennt das Auktionshaus Aguttes auf seiner Webseite, bei der man Gebote abgeben kann, eine Spanne von 100.000 bis 200.000 Euro. Der Entwicklungsleiter des Auktionshaus, Maximilien Aguttes, hofft aber auf einen höheren Preis: Diese erste Textnachricht sei ein historisches Zeugnis für den Fortschritt und absolut einzigartig. Verkäufer des SMS-NFT ist Vodafone, den Erlös will die Firma an das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) spenden. Aus rechtlichen Gründen werden bei der SMS-Aktion auch Gegenstände mitversteigert, unter anderem ein digitaler Bilderrahmen, um die SMS sichtbar zu machen.

Milliarden-Geschäft
Der Markt für NFT wächst rasant. Laut einer Studie der Branchenplattform „nonfungible.com“ wurden im dritten Quartal allein in den USA NFTs im Gegenwert von insgesamt 5,9 Milliarden Dollar verkauft. Das war fast acht Mal so viel wie im zweiten Quartal (0,8 Milliarden Dollar). Die Zahl der Menschen, die in den USA mindestens ein NFT pro Quartal kaufen, konnte sich in dem Zeitraum etwa verdreifachen - im Schnitt hat ein NFT-Käufer also deutlich mehr Geld ausgeben als früher. Andere Analysen - etwa von Chainalysis - sehen einen starken Trend auch auf globaler Ebene.

Einzigartiges Gaming-Schwert
Auf Webseiten wie „rarible.com“ bieten Alltagskünstler und andere internetaffine Menschen die digitalen Abbilder an, auch klassische Auktionshäuser wie Christie's und Sothebys mischen mit. Es geht aber nicht nur um Auktionen von NFTs für Kunstwerke, Liebhaber-Objekte oder kuriose Sachen. Auch in der Gaming-Szene spielen NFT eine Rolle, wenn beispielsweise in Rollenspielen Schwerter und Schilder mit dieser digitalen Referenz versehen werden und sie somit einzigartig machen - der Spieler weiß dann, dass er immer dieselbe Videospiel-Waffe nutzt und nicht nur irgendeine Waffe gleichen Typs.


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